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Heiligenfigur aus Holz: Mit Säge und Beitel kreativ

Heiligenfigur aus Holz : Mit Säge und Beitel kreativ

Die Idee für seine erste Sebastianus-Figur entstand beim Blick auf ein Foto. Jetzt schnitzt Hermann-Josef Kronen bereits die fünfte Heiligenfigur. Sie wird in einer Kapelle im polnischen Krakau an den Patron der Schützen erinnern. Die Übergabe soll im Frühjahr 2010 erfolgen.

Korschenbroich Als Bezirksbundesmeister Horst Thoren beim Empfang zu "Unges Pengste" bekannt gab, dass die nächste Heiligenfigur von Hermann-Josef Kronen nach Polen geht, war der Ehrenpräsident der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft selbst überrascht. "Ich hörte bei diesem Anlass zum ersten Mal davon", berichtet er schmunzelnd, "aber nach so einer öffentlichen Erklärung konnte ich natürlich nicht Nein sagen." Noch ist die künftige Sebastianus-Figur ein unansehnlicher Rohling, der voraussichtlich in den Wintermonaten Form annimmt. Im Blockhaus im Garten an der Rheydter Straße herrschen im Sommer über 40 Grad Celsius — "keine idealen Bedingungen, um filigrane Arbeiten mit ruhiger Hand in Angriff zu nehmen", meint der Korschenbroicher.

"Schnitzstube" steht über dem Eingang der Hütte, deren Fenster von rot-weiß-karierten Gardinen gemütlich umrahmt werden. Innen wartet auf der großen Arbeitsfläche eingeklemmt der Rohling auf seine Bearbeitung durch Säge und Holzbeitel. Direkt daneben sorgen Schleifmaschinen dafür, dass die Werkzeuge immer rasierklingenscharf bleiben. In einigen Wochen wird Kronen hier kreativ werden, hin und wieder unterbrochen von kurzen Besuchen seiner Frau Mechthilde, seines Enkels Niklas (9) und des einen oder anderen Nachbarn. Bevor der Sebastianer-Ehrenpräsident an die Arbeit geht, wählt er geeignetes Holz aus: Lindenholz muss es sein, lange gelagert und von einem Schreiner aufgeschnitten und geleimt. Die ersten Konturen bekommt die knapp ein Meter hohe Figur mit Hilfe einer Spezialsäge. Dann ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt, wenn der Hobbyschnitzer mit den zwischen einem halben Millimeter und sechs Zentimeter breiten Holzbeiteln der Figur Leben einhaucht. "Schwierig ist vor allem das Gesicht", so die Erfahrung von Hermann-Josef Kronen. "Der Märtyrer darf nicht lachen, und jedes Detail von der Augenbraue bis hin zum Kinn muss stimmen."

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Der frühere Sparkassenchef entschloss sich 1996 nach Eintritt in seinen Ruhestand, einen Schnitzkursus bei der Volkshochschule (VHS) in Grevenbroich zu besuchen. Weitere Lehrgänge im österreichischen Lechtal folgten. 119 Reliefs, Kreuze und Figuren sind in den zurückliegenden 13 Jahren entstanden; die Sebastianus-Figur für die Kapelle in Krakau wird das 120. Werk. Der Heilige Sebastianus ist eines der beliebtesten Motive von Kronen: 1997 fertigte er nach einem Foto die erste, 35 Zentimeter große Figur für seinen Schwager. Ein Jahr später folgte ein 85 Zentimeter großes Exemplar. Dieses hat heute einen prominenten Platz in seinem Hausflur. Kronen nimmt es gern zu offiziellen Anlässen seiner Bruderschaft mit. Ein weiterer Schutz-Heiliger steht im Schützenmuseum "Dicker Turm" in Mönchengladbach, während er das letzte Exemplar 2004 beim Bundesschützenfest an den Ehren-Bundesschützenmeister Hermann Macher übergab.

Gern würde Kronen dabei sein, wenn die Heiligenfigur voraussichtlich im Frühjahr 2010 ihren Platz in der polnischen Kapelle findet. Mit diesem Gotteshaus wollen die polnischen Schützen an den früheren Papst Johannes Paul II. erinnern. Bei einem Schützentreffen in den Niederlanden wurde der Vorschlag gemacht, dass sich auch die "Europäischen Schützen" einbringen sollen. "Wir werden diese Heiligenfigur für die Kapelle stiften", erklärte dann auch Horst Thoren, Mitglied im Ordenskapitel des Ritterordens des Heiligen Sebastianus. "Sie ist zum einen die Symbolfigur unserer Bruderschaft, zum anderen entsteht die Figur in der Werkstatt des Ehrenpräsidenten der Sebastianer, der ein begnadeter Holzschnitzer ist."

(RP)