Jüchen : Mit Petrus übers Wetter reden

Auf seinen vermeintlich guten Draht zum Heiligen Petrus wird Ulrich Clancett, Regionaldekan und Hausherr von St. Jakobus, immer wieder angesprochen: Ob er nicht etwas gegen das nasse Sommerwetter tun könne?

"Herr Pfarrer, Sie haben wohl keinen guten Draht zu Petrus!" Solche Bemerkungen muss Ulrich Clancett, Hausherr der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus und Regionaldekan, in den vergangene Tagen öfter anhören. Zuletzt etwa beim Schützenfest in Bedburdyck-Stessen, traditionell eines der Feste mit Schönwetter-Garantie: Doch in diesem Jahr musste die Parade wegen Regens verkürzt werden — niemand kann sich erinnern, dass es das schon einmal gegeben hat. "Natürlich nimmt jeder an, dass ich eine direkte Verbindung zum himmlischen Türsteher habe", sagt Clancett mit einem Lächeln. Das Problem: Jeder würde sich unter gutem Wetter etwas anders vorstellen.

Petrus bringt lediglich Regen

Doch wie kam der Heilige eigentlich zu diesem Zuständigkeitsbereich? Nachzulesen ist dies im Evangelium Matthäus. Dort wird Petrus als Bewacher der Schleusen des Himmels genannt — und wer die Schleusen des Himmels öffnet, der sorgt auch für Regen. "Anders als im Volksglauben ist Petrus nicht verantwortlich für Sonnenschein oder gutes Wetter — er bringt lediglich den Regen", erläutert der Regionaldekan. Zudem gehören Schlüssel zu seinen Attributen als Heiliger, sie würden den Zugang zur Himmelspforte gewähren. Dort würde Petrus die Seele der Verstorbenen einlassen oder abweisen.

Zum kulturgeschichtlichen Hintergrund: Ulrich Clancett verweist darauf, dass der Heilige Petrus sowohl den römischen Gott Janus — dargestellt mit zwei Gesichtern, galt als Bewacher aller Türen und auch der Übergänge zu Himmel und Schattenreich — als auch den germanischen Wettergott Thor — sein Attribut war der Hammer — ersetzt habe.

Und wie sieht es in den nächsten Tagen für Jüchen aus: Kommt endlich das warme Wetter oder muss Ulrich Clancett noch mal seinen vermeintlich guten Draht zum Heiligen Petrus bemühen? Gestern schien ja immerhin vereinzelt die Sonne, heute gibt es dagegen wenig Chancen auf Sonnenstrahlen. Und auch für den Samstag sind wieder vereinzelte Regenschauer angesagt. Kurz: Das große Schönwettergebiet scheint noch auf sich warten zu lassen.

Auch Ulrich Clancett selbst wird die Wettervorhersage für die nächsten Sommerferienwochen besonders sorgsam beobachten: Denn die Ferienfreizeit des St. Jakobus-Teams steht bevor: Am 3. August werden 50 Reisende am Marienheim einchecken, dann geht es in Richtung Jugendsportheim Prommegger im österreichischen St. Veith. Und das am liebsten mit möglichst wenig dicken Sachen und Regenkleidung im Gepäck. Mehr über die Ferienfreizeit ist auf der eigenen Homepage zu verfolgen — da sieht man dann auch, wie gut der Draht des Regionaldekans zu Petrus wirklich ist.

(NGZ)