Kanu : Mit langem Atem bis nach Rio

Der Gewinn des U23-Europameistertitels soll für Robert Gleinert und Fabian Kux nur eine Zwischenstation gewesen sein. Die beiden bei der Holzheimer SG groß gewordenen Kanuten haben jetzt schon die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro im Visier

Wenn morgen in einer Woche in London das Olympische Feuer entzündet wird, schaut sich Robert Gleinert die Eröffnungsfeier im Fernsehen an. Auch wenn am 6. August die Kanu-Wettbewerbe beginnen, wird der 23-Jährige zu Hause mitfiebern. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Erst, sagt Robert Gleinert, saß der Frust so tief, "dass ich mir das nicht antun wollte." Frust darüber, dass der Weltmeister des vergangenen Jahres quasi auf der Zielgeraden der Olympiavorbereitung aus dem Flaggschiff des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV), dem Vierer-Kajak, ausgebootet wurde.

Jubeln nach der Siegerehrung bei der U23-Europameisterschaft: Florian Förster, Kostja Stroinski und die beiden Holzheimer Fabian Kux und Robert Gleinert (v.r.) holten Gold im Vierer-Kajak für den Deutschen Kanu-Verband. Foto: privat

Doch dann reifte in ihm die Erkenntnis: "Das sind meine Kollegen aus dem Verein und aus der Nationalmannschaft, die da fahren." Jetzt plant er sogar einen Besuch im Trainingslager, wenn sich die London-Fahrer des DKV in der kommenden Woche in Duisburg den letzten Feinschliff für die Olympischen Spiele holen. Wesentlich zum Sinneswandel trug bei, dass ihn Bundestrainer Stefan Ulm für die U23-Europameisterschaften nominierte, die am Sonntag im portugiesischen Montemor-o-Velho zu Ende gingen.

Mit Gold für den deutschen Vierer, in dem neben Robert Gleinert in Gestalt von Fabian Kux ein weiterer Kanute saß, der bei der Holzheimer SG groß geworden ist (die NGZ berichtete). "Im Grunde sind wir immer noch Holzheimer", sagen die beiden wie aus einem Munde, "und wenn wir im Nationaltrikot fahren, sieht eh keiner, für welchen Verein wir starten", ergänzt Robert Gleinert. Der 23-Jährige fährt im zweiten Jahr für den RKV Berlin, der ein Jahr jüngere Fabian Kux genau wie sein Zwillingsbruder Niklas für die KG Essen.

Dass sich beide im Trainingslager in München und bei der EM ein Zimmer teilten, verstand sich da von selbst. Und gab zusätzliche Motivation: "Es war wie früher", sagt Robert Gleinert, "wir hatten uns ja zwei Jahre kaum gesehen", ergänzt Fabian Kux. Das soll sich ändern. Denn beide haben sich ein gemeinsames Ziel gesetzt: die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Die möchten sie nach Möglichkeit zusammen im Vierer-Kajak erleben. "Nach London werden die Karten neu gemischt, weil einige ältere Fahrer aufhören", weiß Robert Gleinert. Im nächsten Jahr will er seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann am Bildungswert der Wirtschaft (bbw) in Berlin abschließen. Danach strebt er einen Platz im Sportprogramm der Bundespolizei an, um sich ganz auf die Olympiavorbereitung konzentrieren zu können. Fabian Kux geht einen ähnlichen Weg: Noch studiert er Bauingenieurwesen, demnächst wird der 22-Jährige Sportsoldat. Sein Studium will er trotzdem fortsetzen.

Für Fabian Kux ist der Weg nach Rio noch ein bisschen weiter als für seinen Bootskollegen. "Ich muss mich ja erst mal für die A-Mannschaft qualifizieren", sagt der Holzheimer. Der Gewinn der Goldmedaille bei der U23-EM nach einer taktischen Meisterleistung (siehe Info-Kasten) dürfte da ein wesentlicher Schritt gewesen sein. "Fabian hat das Zeug dazu", ist Robert Gleinert überzeugt. Schließlich wollen beide den August 2016 nicht vor dem Fernseher verbringen.

(NGZ)