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Lokalsport: Mit diesem TVK ist wieder zu rechnen

Lokalsport : Mit diesem TVK ist wieder zu rechnen

Handball-Drittligist TV Korschenbroich meldet sich mit hochverdientem 32:26-Sieg über SG Menden zurück Kampf gegen den Abstieg.

Karl-Heinz Göris hat eine Menge erlebt rund um den Korschenbroicher Handball. Als Spieler in der Ober- und Regionalliga, später als Abteilungsleiter waren die Zeiten oft turbulent. Das sind sie in dieser Spielzeit auch in der Waldsporthalle, in der Karl-Heinz Göris an der Getränkeausgabe hilft - was in Korschenbroich ein durchaus stressiger Job sein kann.

Den er am Samstagabend ausgesprochen gut gelaunt erledigte. "Ich glaube nicht, dass ich heute Nacht schlafen kann," sagte er mit einem Becher Bolten in der Hand, "ich weiß doch gar nicht mehr, wie sich zwei Siege in Folge anfühlen." In der Tat muss man in den Annalen neun Monate zurückblättern, um auf ein solches Ereignis zu stoßen: Am 22. April und 6. Mai 2017 setzte sich der TV Korschenbroich mit 28:27 über die SG Langenfeld und 42:37 gegen die SG Ratingen durch.

Die damaligen Gegner spielen inzwischen in der Regionalliga Nordrhein. Die Hoffnung, dass der TVK ihnen nicht dorthin folgt, hat an diesem Samstagabend neue Nahrung bekommen. Denn mit dem 32:26 (Halbzeit 16:12) über die SG Menden Sauerland Wölfe gelang dem abstiegsgefährdeten Handball-Drittligisten tatsächlich der zweite Heimsieg in Folge nach dem 30:27 über Schlusslicht ATSV Habenhausen. Der verschafft den Korschenbroichern Anschluss ans allerunterste Mittelfeld der Tabelle - zum 13. Tabellenplatz, der am Saisonende den direkten Klassenerhalt bedeuten würde, sind es nur noch vier Punkte. Und er sorgte für eine Ausschüttung lang vermisster Glückshormone bei den 357 Zuschauern. "Es tut gut, mal wieder in lachende Gesichter zu blicken", stellte Peter Irmen, der zum Saisonende scheidende Geschäftsführer der TVK-Spielbetriebs GmbH, mit einer gehörigen Portion Erleichterung fest.

Trotz seines Ausscheidens will sich der Mediziner im Ruhestand weiter um Suche und Pflege von Sponsoren kümmern. Und die, das weiß er genau, wird durch eine Anhäufung von Negativerlebnissen genauso erschwert wie der angestrebte Neuaufbau im Sortlichen. "Ob es zum Klassenerhalt reicht, weiß ich nicht," sagt Irmen mit Blick auf die immer noch erst drei Siege und ein Unentschieden, die der TVK in 18 Saisonspielen eingefahren hat, "wichtig ist, dass sich die Mannschaft noch nicht aufgegeben hat."

Davon konnte am Samstagabend keine Rede sein. Eher wirkten die Gäste, die in dieser Spielzeit schon Sensationssiege über Krefeld, in Leichlingen und Longerich eingefahren hatten, wie ein Abstiegskandidat. Es schien, als ob die zahnlosen Wölfe sich zu häufig das deutsche EM-Spiel gegen Spanien im Fernsehen angeschaut hatten, denn genau so ließen sie sich vom TVK den Schneid abkaufen und den Ball abnehmen. Und genau so wenig wie Christian Prokop fand SG-Trainerin (und Vorsitzende) Birgit Völker-Albrecht Zugriff auf und Zugang zu ihren konfusen Spielern.

Dem TV Korschenbroich kann's egal sein - er nutzte die Gunst der Stunde zu einem Sieg, der durchaus höher hätte ausfallen können. 27:17 führten die Hausherren, die endlich mal wie solche auftraten, nach 50 Minuten. Weil sie in der Deckung zupackten und damit Torhüter Max Jäger einen Glanztag mit 17 Paraden ermöglichten. Und weil vorne (allen voran) Steffen Brinkhues, Nicolai Zidorn und Julian Mumme tatsächlich mal da hingingen, wo es wehtut.

Trotzdem war am Ende wieder Zittern angesagt. Waren die Korschenbroicher bis dahin mit der hautengen Bewachung von Julian Mumme leidlich zurecht gekommen, stürzte sie die doppelte Manndeckung gegen Mumme und Brinkhues in arge Bedrängnis. "Normalerweise ist 4-gegen-4 genau unser Spiel", sagte Trainer Ronny Rogawska. Doch diesmal bekamen seine Schützlinge Angst vor der eigenen Courage. Sie spielten sich zwar weiter Tormöglichkeiten heraus, scheiterten aber gleich fünf Mal binnen sieben Minuten mehr oder weniger freistehend an SG-Torhüter Clemens Dundalek, der zuvor ebenso wie sein Kollege Kevin Peichert keine furchterregende Bilanz hatte.

Die Folge: Menden verkürzte auf 23:28 (55.). Hätte das Spiel nur ein paar Minuten länger gedauert, hätte Dundalek zum Held des Abends aus Sicht der Gäste werden können. So aber durfte Rogawska unwidersprochen feststellen: "Wir leben noch." Zumindest bis zum Sonntag, wenn der TVK beim vier Punkte besser gestellten OHV Aurich gastiert.

(NGZ)