Reitsport : Mit dem Spaß kommt der Erfolg

Aufgefallen Die Voltigierteams des RSV Neuss-Grimlinghausen stehen vor aufregenden Wochen mit Deutschen Meisterschaften, Junioren-Europameisterschaft und Weltmeisterschaft innerhalb von nur 31 Tagen. Unter Druck setzen sie sich trotzdem nicht

Wäre das Turnen auf dem Pferd olympische Disziplin, die Kamerateams hätten am Sonntagmorgen Schlange gestanden auf dem Nixhütter Weg. Weil in der Starsky-Halle auf dem Nixhof aber "nur" die Generalprobe für Junioren-Europameisterschaft und Weltmeisterschaft auf dem Programm stand, blieben die Voltigierer unter sich.

Weitgehend. Denn gut 400 Schaulustige hatten trotz früher Stunde den Weg zum Trainingsdomizil des RSV Grimlinghausen gefunden. "Überwältigend" fand das Ulla Ramge. Die Voltigier-Bundestrainerin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) freute sich über die "Turnieratmosphäre", die der Generalprobe ihrer EM- und WM-Fahrer eine Woche vor den nationalen Titelkämpfem im hessischen Alsfeld den Charakter eines Ernstfalls verlieh.

Den Lokalmatadoren schien das am wenigsten auszumachen. Während es beim Juniorteam des RSV , auf einem Ersatzpferd angetreten, noch hier und da ein wenig wackelte und knirschte, spulte die S-Gruppe ihr Kürrepertoire in beinahe beängstigender Perfektion ab. Arkansas, selbst von der Bundestrainerin für seine Wahl zum "NGZ-Sportler des Monats Juni" mit Applaus bedacht, schien die große Kulisse am wenigsten zu beeindruckenden von allen anwesenden Vierbeinern.. Und auch Jessica Schmitz fand nicht allzu viel, was sie kritisieren konnte: "Natürlich hat noch nicht alles gestimmt", meinte die Trainerin und Longenführerin des amtierenden Europameisters.

Dass ihr "Team Neuss" damit selbstredend Favorit auf den WM-Titel ist, sieht die 30-Jährige nicht: "Wir fahren nach Le Mans, um dort unser Bestes zu geben. Wenn das zum Titel reicht, um so schöner." Dass im Winter in Simone Wiegele und Antje Hill zwei ihrer Besten aufhörten und beim Juniorteam mittlerweile erfolgreich in ihre Fußstapfen als Trainerin getreten sind, sieht sie inzwischen als Vorteil an: "Mit den beiden hätten wir den Titel holen 'müssen'. Jetzt stehen wir kein bisschen unter Druck."

Den macht auch die Bundestrainerin nicht: "Wir wollen unseren Ruf als erfolgreichste Voltigiernation verteidigen", konkretere Ziele lässt sich Ulla Ramge nicht entlocken mit Blick auf die anstehenden Großereignisse.

Vielleicht hat sie sich ja ein bisschen von der "Spaß-Philosophie" auf dem Nixhof anstecken lassen. "Ich mache das alles, weil es einfach riesigen Spaß macht", sagt Jessica Schmitz, die nach einem "mega-anstregenden" Tag in einer Kölner Veranstaltungsagentur Abends noch in die Starsky-Halle zur Trainingslektion eilt.

Eine Ansicht, die Petra Pavetic nur bestätigen kann: "Die machen 16 Klappmesser am Stück und erzählen und lachen noch dabei", erzählt die Mutter von Mona (9) und Nina (7), die mit solcher Begeisterung voltigieren, dass die ältere Schwester als "Obermann" mit zur WM nach Le Mans fährt. Beneidenswert.

(NGZ)