Jüchen : Mit dem Glücksschal nach London

Hans-Peter Müsch ist heute mit seiner Frau Remy beim Champions-League-Finale im Stadion. Auch beim Dortmunder Champions-League-Sieg 1997 war er dabei. Den Schal von damals trägt er auch heute in London um die Schultern.

Der Schal muss selbstverständlich mit. Hans-Peter Müsch holt ihn noch einmal aus dem Koffer, rasch wird klar: Für den Fan von Borussia Dortmund ist das nicht irgendein Stück Stoff. "Das ist der Glücksschal von 1997", sagt Hans-Peter Müsch. Damals, vor 16 Jahren, stand Borussia Dortmund schon einmal im Champions-League-Finale, ausgerechnet im Münchner Olympiastadion gewann der BVB den Titel.

Mit dabei: Hans-Peter Müsch — und sein Glücksschal. Klar, dass das schwarz-gelbe Stück auch heute nicht fehlen darf. Da ist Hans-Peter Müsch wieder beim Champions-League-Finale im Stadion. "Wir sind Außenseiter — wie damals", sagt der 55-Jährige. Klar, dass der Glücksschal da besondere Bedeutung bekommt.

Fußballspieler und Fußballfans sind immer ein bisschen abergläubisch. Der WM-Bart, das Ritual vor dem Spiel, der blaue Pulli von Jogi Löw — mit Blick auf große Spiele hat all das seine berechtigte Logik. Bloß nichts dem Zufall überlassen! Wunder gibt es immer wieder? Na klar. Aber mit Glücksschal oder blauem Pulli gibt es sie eben etwas öfter. Weil auch immer etwas Aberglaube mitschwingt, hatte sich Hans-Peter Müsch auch zunächst gar nicht um Reisedetails gekümmert. Über die Kartenverlosung von Borussia Dortmund hatte sich der gebürtige Gierather um Tickets beworben.

Die Chancen, tatsächlich zu gewinnen, standen sogar mit Glücksschal schlecht: 502 567 Bestellungen waren über Online-Formulare beim BVB eingegangen. An Vatertag kam jedoch die gute Nachricht. Morgens um 7.30 Uhr schaltete Müsch seinen Computer an, um seine E-Mails abzurufen. "Da war die Nachricht dabei, dass wir Karten haben", sagt er. "Das war ein fantastisches Geschenk zum Vatertag."

Müsch sagt bewusst "wir". Mit ihm ist seine Ehefrau Remy (56) nach London gereist. Und die hatte für den Koch, der in seinem Job viel herumgekommen ist in der Welt, eine Überraschung parat. Im Gegensatz zu ihrem Mann hatte sie sich sehr wohl um Reisedetails gekümmert. Die Flüge waren gebucht, das Hotel auch. Und bei der Lage hat sie auf gute Erreichbarkeit des Wembley-Stadions geachtet. "Die U-Bahn-Station ist direkt am Hotel", sagt Hans-Peter Müsch. "Wir müssen nur noch einsteigen."

Remy Müsch wurde durch ihren Mann zum BVB-Fan. Kennengelernt hat sich das Paar, als Müsch als Koch in Guam gearbeitet hat. Später lebten sie zusammen in den USA. Hans-Peter Müsch hat viel gesehen, 16 Jahre seines Lebens verbrachte er beruflich im Ausland. Doch selbst im entlegensten Winkel der Welt hielt er sich auf dem Laufenden, was sich bei Borussia Dortmund tut.

Heute Abend wird Hans-Peter Müsch sein Trikot überstreifen und hoffen, dass es eine schwarz-gelbe Nacht in London wird. Der Glücksschal wird als gutes Omen über seinen Schultern liegen.

(NGZ/rl)