Hockey : "Mir hat's viel Spaß gemacht"

Als Nachfolger des nach der Hallenrunde auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen Dariusz Musialowski führte Simon Starck die Hockey-Damen des HTC SW Neuss zum Klassenverbleib in der Bundesliga.

Herr Starck, schon nach vier Spielen der Abstiegsrunde und genauso vielen Siegen hat Ihre Mannschaft das Ticket für eine zweite Saison in der Hockey-Bundesliga gelöst. Hatten Sie das erwartet?

Simon Starck Ganz ehrlich, ich bin nicht überrascht. Dass wir so glatt durchkommen, hatte ich allerdings nicht erwartet.

Wenn es schiefgegangen wäre, hätten Sie sich den Schuh angezogen? Nach dem Rückzug von Dariusz Musialowski sind Sie ja recht kurzfristig vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen.

Starck Wäre der Worst Case eingetreten, wäre das schlecht für den Verein, das Team, aber auch für mich gewesen. Ich glaube zwar nicht, dass die Mädels mir diesen Schuh angezogen hätten, aber natürlich hätte ich mich gefragt, ob ich wirklich alles richtig gemacht habe.

Haben Sie? Gibt es Dinge, die in Ihren Augen verbesserungsfähig sind?

Starck Auch wenn wir mit die meisten Tore in der Liga geschossen haben, müssen wir mit noch mehr Zug in den Schusskreis gehen, müssen da mehr Gefahr ausstrahlen. Aber das ist ein allgemeines Manko im Damenhockey. Eine weitere Baustelle ist, dass wir relativ viele Gegentore kassiert haben. Das ist kein Vorwurf an unsere Defensive oder an die Torhüterinnen. Aber die Top-Mannschaften lassen zehn bis 13 Tore zu, wir kriegen mehr als 20.

Sie haben bei Ihrem Amtsantritt versprochen, Ihre Spielerinnen mehr in die Verantwortung zu nehmen. Ist das gelungen?

Starck Ja, das hat geklappt. Sie haben einige gute Aktionen gestartet, am Wochenende zum Beispiel bekommt jedes Kind, dass zu den Spielen ein HTC-Trikot trägt, von der Mannschaft ein Eis spendiert.

Und auf dem Platz?

Starck Ich verlange von der Mannschaft, dass sie während eines Spiels aus sich heraus Entscheidungen trifft, etwa, dass sie Spielsysteme ansagt. Gefordert sind da vor allem Führungsspielerinnen wie Luisa Steindor, Lina Geyer und Charlotte Steins — meine ersten Ansprechpartner. Ich verhandle natürlich nicht basisdemokratisch jedes Detail mit denen, aber es bringt nichts, Vorgaben zu machen, auf die die Mädels keine Lust haben.

Neben den Führungsspielerinnen, wer ist Ihnen noch aufgefallen?

Starck Die größte Überraschung für mich ist Eva Nacken. Sie war unser Springer in der Verteidigung. Und obwohl sie erst 17 ist, hat sie ihre Aufgaben sehr solide gelöst. Sarah Sprink und Katharina Kreiner sind zwar auch erst 18, aber die sehe ich nicht mehr als Jugendspielerinnen. Die sind schon fest integriert. Nicht vergessen möchte ich zudem Malou Holthausen, die in der Innenverteidigung ganz wichtig für uns ist. Am Anfang konnte ich es kaum glauben, dass sie erst 20 ist.

Ihre Mission ist mit dem Klassenverbleib bereits erfüllt. Wie geht es jetzt weiter mit der Mannschaft, aber auch mit Ihnen? Machen Sie als Trainer weiter oder konzentrieren Sie sich wieder auf ihre aktive Karriere? Schließlich stehen Sie mit den Herren von Schwarz-Weiß kurz vor der Rückkehr in die Erste Bundesliga.

Starck Einige Spielerinnen haben gerade Abitur gemacht und wollen studieren, andere gehen vielleicht mal ins Ausland. Einige der älteren Spielerinnen hören vielleicht auf oder treten sportlich kürzer. Wir werden uns jetzt zeitnah zusammensetzen. Ich möchte ein Feedback von der Mannschaft haben, aber auch vom Verein. Mir hat's auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht.

Dirk Sitterle führte das Gespräch.

(NGZ)