Minigolf: Der MGC Dormagen-Brechten holte den Deutschen Meistertitel.

Mingolf : Leichtigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Dormagens Mini-Golfer sind zurück in der nationalen Spitze – und Doppel-Meister Sebastian Heine hofft auf eine Fahrkarte zur WM.

Wenn ein Fußball-Bundesligist nach über zehn Jahren Durststrecke plötzlich den Titel holen würde, wäre der Erfolg sicherlich das Gesprächsthema Nummer eins. In der Welt des Minigolfs ist nun genau das passiert: Nach elf Jahren ohne einen Deutschen Meistertitel mit der Mannschaft stehen die Herren des MGC Dormagen-Brechten wieder ganz oben. Allerdings bleibt das Echo einer Fußballsensation aus. Die mangelnde Erfolgswahrnehmung durch eine breite Öffentlichkeit ist kein Einzelphänomen, Minigolf teilt ein Schicksal vieler Randsportarten. Mangelnde Wahrnehmung sollte die Bedeutung eines nationalen Titels allerdings in keinem Fall schmälern, auch im Falle der Dormagener, deren Titel nach sieglosen Jahren eigentlich einer Sensation gleichkommt.

MGC-Sportler Sebastian Heine erinnert sich an verpasste Chancen: „Es war sehr schwierig für uns, oft fehlte die Leichtigkeit. Beispielsweise bei den Deutschen Meisterschaften in Murnau waren wir vorne dabei und sind am Ende Dritte geworden. Nun haben wir aus unseren Fehlern gelernt.“ Fast immer war es die BGS Hardenberg-Pötter, die sich in den Weg der Dormagener stellte. Auch bei den Deutschen Meisterschaften in Witten meldete der Serienmeister wieder klare Titelambitionen an. Heine stellt klar: „Hardenberg war der eindeutige Favorit. Wir haben nicht mit dem Sieg gerechnet. Es war ein Vorteil für uns, dass die Meisterschaften in NRW stattgefunden haben.“ Denn so konnten sich die MGC-Spieler bereits früh an die Witttener Anlage gewöhnen. „Man muss Routine kriegen, so kannten wir die Anlage schon gut“, erklärt der Dormagener, dessen Team nicht nur am Können, sondern ebenfalls an der Ausrüstung gefeilt hat: „Das Material wird immer besser, Feinheiten werden immer wichtiger. Die Einflüsse aus dem Golf nehmen zu.“ Trotz des Trainings und der optimalen Material-Vorbereitung gesteht Heine Nervosität vor Beginn des Turniers, doch die Sorgen stellten sich als unbegründet heraus.

Startspieler Patrick Bothmann legte mit einem überzeugenden Auftritt den Grundstein für Dormagens Sieg und auch seine Mannschaftskollegen patzten im Anschluss nicht mehr. Heine hat eine einfache Erklärung: „Anders als in der Vergangenheit haben wir unsere Leichtigkeit behalten. Wenn es einmal läuft, dann läuft es. Wir haben einfach eine gute Balance gefunden.“ Seriensieger Hardenberg fand keine Antwort mehr auf den groß aufspielenden MGC und musste sich sogar mit Rang drei hinter dem 1. MGC Mainz begnügen.

Für Heine, der auch schon bei Europa- und Weltmeistersschaften erfolgreich war, hat der Titelgewinn  einen speziellen Wert: „Der Titel ist etwas ganz besonderes. Wir haben so viel reingelegt, um Hardenberg zu schlagen. Es ist der Knaller.“ Für den Leistungsträger besteht doppelt Grund zur Freude, da er sich nach 2017 den zweiten Einzeltitel im Strokeplay sichern konnte. Jetzt hoffen die Dormagener Herren auf weitere Erfolge, ein Umbruch deutet sich an der deutschen Spitze an: „Der Sport wird enger, die Ligen spannender, Hardenberg wird älter und so rückt die Spitze näher zusammen,“ sagt Heine. Auf ihrem Erfolg können sich die Dormagener um den Strokeplay-Meister also nicht ausruhen.

Doppelmeister Heine muss in den kommenden Wochen im Schlag bleiben, um sich für eine Nominierung für die Weltmeisterschaften in China zu empfehlen. Noch gehört er nur zur Vorauswahl. Die Entscheidung, ob es im Oktober nach Zhouzhuang geht, fällt im Rahmen eines Lehrgangs in München. Erst im Anschluss wird Bundestrainer Michael Koziol sein Aufgebot verkünden. Heine gibt sich zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass die Nominierung klappt. China wird eine neue Erfahrung für uns. Bislang waren wir nur in Europa aktiv. “Sollte die Deutsche Nationalmannschaft einen weiteren Weltmeistertitel verbuchen können, wäre dies ein weiterer Beweis gegen das weit verbreitete Hobbysport-Image des Minigolfs und für die Wahrnehmung als Wettkampfsport, der langfristig sogar olympisch werden möchte.

Mehr von RP ONLINE