Galopp : Minarik dankt seinem Gegner

Zum zweiten Mal nach 2005 sicherte sich Filip Minarik den Championatstitel bei den deutschen Rennreitern. Dafür bedankte sich der 36 Jahre alte Tscheche nicht nur bei seinem Mentor, der Jockey-Legende Hein Bollow

Filip Minarik konnte es gar nicht abwarten. Während Klaus Göntzsche noch gerne ein paar Daten aus dem statistischen Hausschatz des Galoppexperten an den Mann gebracht hätte, stürmte der 36 Jahre alte Tscheche schon aus der Tiefe des Raumes nach vorne, reckte die Arme in die Höhe und angelte sich das Mikrofon, um sich für die Ehrung als "Jockey-Champion des Jahres 2011" zu bedanken.

Seinen väterlichen Freund und Mentor Hein Bollow hatte Filip Minarik schon vorher umarmt. Als er dem 91-Jährigen schließlich seine Jockeymütze aufs ergraute Haar drückte, hatte der letzte Galopprenntag des Jahres 2011 seinen emotionalen Höhepunkt erreicht. Unter anderen Umständen wäre dem Duo rauschender Applaus gewiss gewesen — dass der Beifall nur dünn ausfiel, lag daran, dass die meisten Besucher vom Haltegriff ihres Regenschirmes daran gehindert wurden.

Der nicht enden wollende Nieselregen an diesem letzten nasskalten Tag des Jahres war der einzige Schönheitsfehler eines stimmungsvollen Silvesterrenntages auf der Bahn am Neussern Hessentor. Der Besuch — es mögen 2- bis 3 000 gewesen sein, passionierte Wetter ebenso wie einfache "Sehleute" - war angesichts der Umstände überraschend gut, der Umsatz zufriedenstellend.

"Ein schöner Jahresausklang", befand Jan-Antony Vogel, der Präsident des gastgebenden Neusser Reiter- und Rennvereins. Dem wollte Albert Woeste nicht widersprechen. Der Präsident des Galopper-Dachverbandes sieht Silberstreifen am sonst eher düsteren Horizont des Pferdesports. "Dafür brauchen wir aber Menschen, die sich alle so engagieren wie sie", sprach der ehemalige Henkel-Aufsichtsratschef dem runden Dutzend Champions aller Sparten Vorbildcharakter zu.

So wie Otto-Werner Seiler. DerBesitzer des Stalles Steintor, der die meisten (der wenigen) Hindernisrennen in Deutschland gewonnen hatte, war am Silvestermorgen eigens in Hannover in den Zug gestiegen, um bei der Ehrung dabei zu sein. Oder wie Christian Peterschmitt aus Zweibrücken, der Champion der Besitzertrainer — sie verdienen nicht das große Geld mit ihren Pferden, sind aber für das Überleben des Galopprennsports unverzichtbar.

Das gilt naturgemäß auch für die Jockeys. Ihr Job ist kein Zuckerschlecken, bei Bedingungen wie zu Silvester in Neuss schon gar nicht. 628 Ritte hatte Filip Minarik im vergangenen Jahr absolviert, 81 davon gewonnen. "Die letzten vier Wochen waren ganz schön hart", sagt der Tscheche, der 2005 schon einmal deutscher Champion war.

Da saß ihm der letztlich an zwei Siegen weniger gescheiterte Alexander Pietsch dicht im Nacken. Aus welchem Holz die Rennreiter geschnitzt sind, machte Minariks Schlusssatz deutlich: "Ich kann mich bei Alex nur bedanken, dass er so ein harter Gegner war."

(NGZ)
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