Michael Vesper appelliert an Fortbestand der Neusser Galopprennbahn

Galopp : Michael Vesper appelliert an Neusser Politik

Galopper-Präsident bringt neue Lösung für die Neusser Rennbahn ins Gespräch. Auch Jockey-Legende Hein Bollow macht sich Sorgen.

Seit März 2018 ist Michael Vesper, der langjährige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Präsident des Galopper-Dachverbandes in Köln. Der wichtigste Auftrag für den ehemaligen Minister und stellvertretenden Minister-Präsidenten in Düsseldorf war die seit Jahren vor allem vom Vorgänger Albrecht Woeste vernachlässigte Lobby-Arbeit in der Politik.

Nun ist es Vesper, mehrfach auch Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft kürzlich gelungen, eine für den deutschen Pferderennsport epochale Veränderung des veralteten und trotzdem hochkomplizierten Rennwettsteuer- und Lotteriegesetztes durchzusetzen. Künftig erhalten die Rennvereine (also auch Neuss) die Rennwettsteuer-Rückerstattung von Buchmachern mit Sitz im Ausland (bevorzugt Steueroasen wie Malta und Gibraltar), die Wetten auf deutsche Pferderennen veranstalten. Das Problem existierte seit acht Jahren, alle politischen Türen waren trotz guter Argumente verschlossen. Exakte Zahlen gibt es noch nicht, die Tendenzen gehen in Richtung einer Million Euro pro Jahr.

Jetzt hat sich Vesper in seiner  Funktion als Präsident des Dachverbandes in die Diskussion um die drohende Schließung der Neusser Rennbahn eingeschaltet. „Es ist mir unbegreiflich,  warum – nachdem die Kündigung des Pachtvertrags zum 31. Dezember 2019 ja mehr als ein Jahr zurückliegt – erst jetzt, fünf Sekunden vor Zwölf, ernsthaft über eine wie immer geartete Zukunft des Galopprennsports in Neuss verhandelt wird und neue Vorschläge auf den Tisch kommen,“ erklärte er gegenüber der NGZ.

Der unter den drei SPD-Ministerpräsidenten Johannes Rau, Wolfgang Clement und Peer Steinbrück problemgestählte, langjährige Berufspolitiker gegenüber unserer Redaktion: „Ich habe sowohl Bürgermeister Breuer als auch Frau Koenemann und Herrn Klinkicht als Chefin bzw. Chef der beiden Mehrheitsfraktionen gebeten, kein abruptes Ende des Galopprennsports auf der traditionsreichen Bahn in Neuss zuzulassen, sondern die sogenannte ‚Krefelder Lösung’ zu ermöglichen. Das wäre aus meiner Sicht ein vernünftiger und für beide Seiten tragbarer Kompromiss.“ Diese in Krefeld zwischen dem Renn-Club von 1997 und der Stadt praktizierte Lösung hatte der Neusser Vereins-Präsident Jan Antony Vogel ins Gespräch gebracht, nachdem sein Vertragsentwurf durch den Beteiligungs-Ausschuss abgelehnt worden war. Im Groben sieht diese Variante eine Anmietung des Geländes nur für die Renntage vor. Die in der NGZ veröffentlichen Termine für 2020 waren vom Dachverband vorsorglich eingeplant worden, um auch die für die Vereine existenziell wichtigen Live.-Sendungen nach Frankreich zu sichern. Mitglieder des Sportausschusses hatten sich über die Veröffentlichung der Termine entrüstet.

Betroffen von einem Ende der Neusser Rennbahn wären auch die Mitglieder des Trainer- und Jockeyverbandes. Deren Präsidentin Erika Mäder schreibt in einem Brief an den Neusser Bürgermeister, der unserer Redaktion vorliegt: „Betroffen von einer Schließung wären feste Arbeitsplätze von Trainern, Futtermeistern, Arbeitsreitern, Pferdepflegern, Aushilfen, Rennbahnarbeitern, die Damen im Büro. Aber es würde auch Futtermittel-Händler, Transporteure und Hufschmiede treffen.“ Die in Krefeld tätige Trainerin schreibt weiter: „Gerade an den letzten Renntagen hatte die Neusser Bahn Starter aus vielen Teilen Deutschlands und aus Belgien, den Niederlanden, Polen und Österreich.“

Ehrenpräsident dieser Organisation ist Hein Bollow, am 5. Dezember 2019 stolze 99 Jahre alt geworden. Er erinnert sich: „Ich habe in Neuss sehr viele Rennen als Trainer und vorher als Jockey gewonnen. Diese Bahn darf doch nicht sterben. Mit Herero habe ich 1962 sogar mit einem Pferd aus Neuss mein letztes Derby als Reiter gewonnen.“ In Ness wurden mit Herero (1962), Tarim (1972) und Nicaron (2005) drei Derbysieger trainiert. Hein Bollow wird in Begleitung von Jockey Filip Minarik zum nächsten Renntag am 22. Dezember aus seinem Kölner Senioren-Domizil nach Neuss kommen.