Lokalsport : Mehr Durchschlagskraft

Wer es bis dahin nicht gemerkt hatte, der bekam spätestens in der 88. Minute der Partie in der Fußball-Verbandsliga zwischen dem SC Kapellen und dem VfL Rhede ganz deutlich vorgeführt, weshalb die Erftstädter den eigenen Ascheplatz am Ende als klarer 4:0-Sieger (1:0) verließen, obwohl sie über weite Strecken großen Probleme mit dem eigenen Aufbauspiel und den zweikampfstarken Gästen hatten.

Als kurz vor dem Abpfiff Nicolas Wigger eine Flanke in den SCK-Strafraum schlug und dort den im Zentrum völlig freistehenden Tim Elsinghorst fand, köpfte der VfL-Stürmer den Ball rund einen Meter am Tor vorbei. Da war die Partie zwar schon lange entschieden, doch die Szene war symptomatisch für das ganze Spielgeschehen davor, in dem Rhede über weite Strecken dominierte, bis zum Strafraum auch ganz munter kombinierte, dann aber kaum einmal wirkliche Gefahr für den erstmals in der Meisterschaft von Stefan Offermann gehüteten SCK-Kasten entfachte.

Ein paar Distanzschüsse, das war's dann aber auch schon. Ganz anders die Gastgeber, die zwar mit ganz viel Sand im Getriebe aus der Winterpause starteten, sich aber am Sonntag auf die individuelle Klasse ihrer Offensivkräfte verlassen konnten. War es im bisherigen Saisonverlauf vor allem Sven Raddatz, der mit seinen Toren herausstach, kristallisiert sich jetzt auch immer deutlicher heraus, dass die Verpflichtung von Sturmpartner Dogukan Bayrak ein echter Glücksgriff für Kapellen war.

Schon in den wichtigen Spielen kurz vor der Winterpause traf er regelmäßig, am Sonntag wieder zwei Mal. Erst brachte er sein Team in der schwierigen Anfangsphase durch ein Kopfballtor nach einer Ecke in Führung (17.), dann staubte er in der Drangphase Rhedes nach der Pause einen Abpraller nach einem Raddatz-Schuss zum 2:0 (63.) ab. Raddatz selbst erzielte seine Saisontore 16 und 17 in der Schlussphase, als die Gäste ihre Abwehr schon mehr oder weniger aufgelöst hatten und machte damit endgültig den Sack zu.

Vier Tore Unterschied spiegelten allerdings nicht die Verteilung der Spielanteile über 90 Minuten wider. Kapellen hatte große Probleme im Spielaufbau und brachte die Gäste immer wieder durch schnelle Ballverluste im Mittelfeld ins Spiel. Die komplette SCK-Zentrale kam mit dem aggressiven Zweikampfverhalten der VfL-Akteure nicht zurecht. "Wir haben wirklich gut angefangen und haben uns dann durch individuelle Fehler viel kaputt gemacht", fand Trainer Ralf Bugla.

Der Ex-Profi stürzte sich mit seinen 46 Jahren am Sonntag noch mal ins Getümmel und machte seine Sache wahrlich nicht schlecht. Vor allem, als er nach der Pause vom Liberoposten ins Mittelfeld ging und mit seiner Übersicht einige vielversprechende Angriffe einleitete. Auch SCK-Trainer Sven Schuchardt waren die Schwächen in seiner Mannschaft natürlich nicht verborgen geblieben: "Das Ergebnis entspricht nicht dem Spielverlauf. Doch es spricht für uns, dass wir auch so ein Match klar gewinnen. Aber wir müssen uns noch steigern." Denn nächsten Sonntag geht's zum Topspiel zur SpVg Radevormwald, die am Sonntag allerdings patzte und auf Platz fünf der Tabelle hinter Kapellen auf Rang drei zurückfiel.

(NGZ)
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