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Handball: Mehr als 3000 Kilometer nur für ein Einreisevisum

Handball : Mehr als 3000 Kilometer nur für ein Einreisevisum

Die Handballer aus dem russischen Krasnodar hätten es um ein Haar nicht zum Quirinus-Cup nach Neuss geschafft.

Gerissene Windschutzscheiben an klapprigen Bussen, ein Team, das nach einer wahren Odyssee durch den wilden Osten erst einen Tag nach dem Turnier Neuss erreicht, Gäste, die den Aufenthalt im reichen Deutschland zur Schwarzarbeit nutzen — in drei Jahrzehnten Quirinus-Cup ist schon so manch skurrile Geschichte geschrieben worden. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Gerade die Sportler aus dem ehemaligen Ostblock, schon zu Zeiten des eisernen Vorhangs gerngesehene Gäste im Rhein-Kreis, hatten auf dem Weg an den Rhein nicht selten turmhohe Hindernisse zu überwinden. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wladimir Bannikow etwa ist mit dem russischen Handballnachwuchs beim Cup schon seit 1994 zu Hause — zunächst als Direktor der mit Neuss partnerschaftlich verbundenen Sportschule Pskow, dann als Leiter des Handballinternats der Region Krasnodar am Schwarzen Meer.

Um an die unerlässlichen Einreisevisa für seine Schützlinge zu kommen, hatte der gute Mann bei der deutschen Botschaft in Moskau übers Internet zunächst einen Termin ausgemacht — Wartezeit: vier Wochen. Als er dann die fast 1500 Kilometer von seinem Heimatort Staroscherbinowskaja (gut 200 Kilometer von Krasnodar entfernt) nach Moskau glücklich hinter sich gebracht hatte, eröffnete ihm ein Mitarbeiter der Botschaft, dass die Einladung aus Aue, wo die Russen vor Pfingsten regelmäßig an einem weiteren Handballturnier teilnehmen, nicht vollständig sei. "Die kannten absolut kein Pardon. Man sagte ihm, er müsse eben wieder nach Hause fahren, um die fehlenden Unterlagen zu beschaffen", erfuhr Wolfgang Spangenberger, Cheforganisator beim Quirinus-Cup.

Da die Zeit drängte — ein neuer Termin wäre erst wieder in einem Monat, also zwei Wochen nach der geplanten Reise, zu bekommen gewesen —, blieb Bannikow nichts anderes übrig, als im von der Botschaft ebenfalls angebotenen Eilverfahren 17,50 Euro pro Visum zu zahlen. Das machte bei 30 Handballern mehr als 500 Euro, "die er irgendwie auftreiben musste", sagt Spangenberger.

Seit gestern Morgen, 6 Uhr, sind die offenbar schmerzfreien Russen in Neuss. Hinter ihnen liegt eine rund 2700 Kilometer lange Busfahrt von Krasnodar nach Aue, in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging es aus dem Erzgebirge über 543 Kilometer nach Neuss.

Dort ist Philippe Niebling schon seit Tagen mit der über die Jahre immer intensiver gewordenen Logistik befasst. Daher weiß er: "An die von uns gesponserten Mannschaften geben wir während des Turniers Essenskarten im Gegenwert von rund 30 000 Euro aus — und darin sind die Getränke noch nicht mal enthalten." Ihre Mahlzeiten werden die Sportler wieder in der Mensa des Schulzentrums an der Weberstraße einnehmen. Am Sonntag können sie dabei auch noch Live-Sport sehen, werden die Endspiele doch wie im Vorjahr auf einer großen Leinwand gezeigt. Einen Sponsor für den dazu nötigen Beamer hat der Neusser HV zwar nicht gefunden, "aber die Übertragung steht", sagt Niebling. Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen ...

(sit)