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Maxim Pecheur hat das Zeug zum neuen Champion-Jockey

Galopp : Auf dem Weg zum neuen Jockey-Champion

Sechs Rennen finden morgen ab 10.50 Uhr auf dem Sandgeläuf der Neusser Galopprennbahn statt. In fünf Rennen geht der Jockey Maxim Pecheur an den Start. Es ist die maximal mögliche Zahl der Ritte, denn das fünfte Rennen ist der zweite Lauf um den „Preis der Perlenkette“ und damit den rennreitenden Damen vorbehalten.

Mit sieben Siegen im Inland führt der 28-jährige die noch junge Jockey-Bestenliste an. Auf Platz zwei rangiert der 18-jährige Niederländer Gijs Snijders, der morgen in vier Rennen reitet. Zu den sieben Inlandssiegen bei Pecheur kommen noch drei Erfolge auf dem Hippodrome de Wallonie im belgischen Mons/Ghlin hinzu, die aber nicht zur Championats-Wertung zählen. Schon im Vorjahr belegte Pecheur im Jockeychampionat hinter dem dominierenden Andrasch Starke und Adrie de Vries Platz drei. Wenn man die Intensität der Ritte und die Erfolgsquote betrachtet, könnte der Jockeychampion 2019 durchaus Maxim Pecheur heißen.

341 Rennen hat er seit dem ersten Sieg 2011 in Dortmund gewonnen. Einer war herausragend und brachte ihn in die Schlagzeilen. Eher unerwartet und selbst für ihn überraschend setzte ihn Trainer Markus Klug im Derby 2017 auf den Hengst Windstoß aus dem Gestüt Röttgen. Der Stalljockey Adrie de Vries war nach einem Sturz mit Windstoß in Hannover nicht einsatzfähig und der mittlerweile vierfache Trainer-Champion Markus Klug entschied sich gegen die Verpflichtung eines ausländischen Spitzenjockeys und vertraute der Jugend. Pecheur erfuhr davon nach der Auslosung der Startplätze in der Hamburger Spielbank.

Nach einen ungewöhnlichen Rennverlauf – eigentlich auch gegen die taktische Vorgabe des Trainers – gewannen Windstoß und Pecheur das populärste Rennen Deutschlands. Es war ein epochales Ereignis für das Gestüt Röttgen in Köln mit dem umsichtigen Mehl-Mülhens-Stiftungschef Günter Paul und dem ebenso wie Markus Klug noch jungen Gestütsleiter Frank Dorff. Im Jahre 1959 hatte Röttgen mit Uomo zum letzten Mal das Derby gewonnen und war -zig Male auf unterschiedliche Weise gescheitert. Bei der Siegerehrung auf dem Derbygeläuf beeindruckte Maxim Pecheur mit ebenso leidenschaftlichen wie sachlichen Antworten und gewann damit auch viele Sympathien in der Turfszene, die sich bei Trainer-und Jockey-Interviews oft genug mit Phrasen und Allgemeinplätzen („Hat gut gearbeitet – hat nichts falsch gemacht – ist gut drauf“) begnügen muss. Das Derby hat Röttgen ein Jahr später erneut gewonnen: Mit dem Windstoß-Bruder Weltstar, den allerdings Stalljockey Adrie de Vries ritt.

Maxim Pecheur als Reiter eines Derbysiegers in einem großen Stall – da war vor einigen Jahren nur schwer vorstellbar. Nach seiner Ausbildung bei Christian von der Recke und Gerald Geisler in Iffezheim und dem Sieg im Nachwuchschampionat stockte die Karriere des Talentes. Er blieb im heimeligen Saarland wohnen, ritt für kleinere Ställe und die Karriere-Sackgasse schien nah. Irgendwann hat der gebürtige Pforzheimer mit dem französischen Namen aber doch noch den „Schuss“ gehört und nahm ein Angebot von Markus Klug für das große Team in Köln-Rath an.

Er verließ das kuschelige Haus der Oma im Elsaß und zog mit seiner Freundin Lena Mattes nach Lohmar. Sie arbeitet dort in ihrem Beruf als Physio-Therapeutin und ist unverändert eine der besten deutschen Amateur-Reiterinnen. Den Preis der Perlenkette hat sie  2014 gewonnen. Ein Rennen gewann sie fast zeitgleich mit dem Derbysieg von Windstoß in Hamburg mit Cazador in Mannheim. Wahre Experten bescheinigen ihr einen deutlich größeren „Killerinstinkt“ im Sattel als bei ihrem Freund vorhanden. Er nimmt das gelassen zur Kenntnis – ohne großen Widerspruch. Der in Baden-Baden/Iffezheim tätige und durch nichts mehr zu erschreckende Rennsport-Fahrensmann Hans-Georg Rotering hat viele Monate mit Maxim Pecheur und Lena Mattes zusammengearbeitet. „Wir sind oft zusammen zu den Rennen nach Frankreich gefahren. Maxim hat bei der Hinfahrt geschlafen, die Rennen geritten und ist dann auf der Rückfahrt wieder eingeschlafen.“ Was Rotering besonders beeindruckte: „Er war durch nichts aus der Fassung zu bringen, blieb gelassen und hat in jedem Rennen bis zur letzten Sekunde um jeden Zentimeter für das Geld der Besitzer gekämpft.“ Gelassen blieb er vor einigen Jahren auch nach einem spektakulären Sturz in Krefeld. Scheinbar bewegungslos wurde er in die Klinik transportiert, man befürchtete das Schlimmste. Am Tag danach erschien er putzmunter zu den Rennen in Neuss und stieg nach ärztlicher Untersuchung wieder in den Rennsattel.

Einen großen Einfluss auf seine Karriere nahm Saarbrückens Galopper-Chef Werner Schmeer. Er war mit den Pecheur-Eltern befreundet und drängte immer wieder auf eine Jockey-Ausbildung für den begabten, aber auch etwas verwöhnten Gastronomen-Sohn. Es war auch für Werner Schmeer ein großer Augenblick, als die damalige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer den erfolgreichen Derby-Jockey ehrte. Als damals völlig unbekannte Ministerin hat „AKK“ in Saarbrücken-Güdingen ein Trabrennen gewonnen und war oft auf der Rennbahn präsent. Die Wetter in Frankreich setzen ihr Geld gern auf Maxim Pecheur. Sie vermuten ihn ihm einen Franzosen.