Lokalsport : Masse schlägt noch Klasse

Nein, eine Breitensportveranstaltung soll der Korschenbroicher City-Lauf nicht werden. Zumindest nicht, so lange Hans-Peter Walther (57) im sportlichen Bereich das Sagen hat - und das wird wohl mindestens bis zur Pensionierung des Korschenbroicher Sportamtsleiters der Fall sein. Doch der Sportliche Leiter und Cheforganisator des Laufspektakels, das am kommenden Sonntag (26.) zum 21. Mal im Kalender steht, sorgt sich nicht erst seit diesem Jahr um die richtige Mischung aus Masse und Klasse.

"Es wird immer schwieriger, Spitzenläuferinnen und -läufer für die beiden Hauptwettbewerbe zu verpflichten", gesteht der Diplom-Sportlehrer mit Blick auf den Elitelauf der Frauen über fünf Kilometer um 16.30 Uhr und den doppelt so langen Lauf der Asse, der um 17.45 Uhr das siebenstündige Programm beschließt. Die Gründe dafür nennt er im (nebenstehenden) NGZ-Interview: Zu viele Laufveranstaltungen buhlen im Frühjahr um die Gunst der immer dünner werdenden nationalen Spitze.

Lokalsport: Masse schlägt noch Klasse
Foto: C. Offermanns

Doch Walther wäre nicht Walther - als Sachse von Geburt aus mit beharrlichem Naturell gesegnet - würde er sich mit der augenblicklichen Situation zufrieden geben: "Wir haben ja noch eine Woche Zeit, ich bin optimistisch, dass mir noch die eine oder andere Verpflichtung eines Top-Athleten oder einer Top-Athletin gelingt." Seinen Optimismus zieht er aus einem Blick in den Kalender: "Die meisten Leichtathleten sind über Ostern im Trainingslager, kommen an diesem Wochenende zurück und werden sich dann ihre nächsten Wettkämpfe aussuchen."

Genauso rar wie die deutschen Asse machen sich im Moment auch noch die Athleten, die in den vergangenen 16 Jahren 13 Mal als Sieger über den Zielstrich auf der Hindenburgstraße liefen: "Bis jetzt hat noch kein Kenianer angeklopft", sagt Walther und ist darüber gar nicht so böse. Wenngleich er mit Blick auf den Neusser Sommernachtslaufs, der im vergangenen Jahr bewusst auf Schwarzafrikaner verzichtete, feststellt: "Zwei, drei Afrikaner kann jede Laufveranstaltung vertragen, es dürfen nur nicht mehr sein."

Zumindest aus Afrika stammt der Läufer, dem im Moment die Favoritenrolle zufällt: Der Marokkaner Slimani Benazzouz lebt allerdings in Italien. Der Mann mit einer Zehnkilometer-Bestzeit von 28:34 Minuten kommt erstmals zum City-Lauf. Gefahr droht ihm vor allem aus den Niederlanden: Sander Schutgens war 2003 Zweiter und vor zwei Jahren Fünfter.

Bei den Frauen steht in Person von Petra Kaminkova sogar eine frühere Siegerin (2004) in der Starterliste. Doch mit mittlerweile 36 Jahren ist die Pragerin nicht mehr ganz so schnell wie früher. Noch neun Jahre älter ist Petra Maak, was die Dormagenerin aber nicht davon abhält, im Elitelauf an den Start zu gehen. Doch für den Titel der besten Deutschen führt wohl wie im Vorjahr kein Weg an der Wattenscheiderin Birte Bultmann vorbei - es sei denn, die als kommende Marathonhoffnung geltende Rostockerin Romy Spitzmüller lässt auch über die Unterdistanz ihr Können aufblitzen.

Masse schlägt im Moment also noch die Klasse. Und über mangelnde Masse braucht sich Hans-Peter Walther wahrlich nicht zu beklagen: 2 693 Teilnehmer hatten bis zum offiziellen Meldeschluss am Donnerstag gemeldet. "Da sind die Vereinsläufer aber noch nicht dabei, die melden immer erst später", weiß Walther. Und "viele warten erst das Wetter ab und melden nach." Die Möglichkeit dazu besteht am Veranstaltungstag bis 60 Minuten vor dem jeweiligen Start, das Wettkampfbüro in der Sparkasse öffnet dafür bereits um 10 Uhr seine Pforten.

Deren Vorstandsmitglied Dietmar Mittelstädt hofft, dass unter den Nachmeldern auch noch ein paar Top-Athleten sind, "denn erst die Kombination von Spitzen- und Breitensport sorgt für den richtigen Volksfestcharakter".

Alles zum Korschenbroicher City-Lauf und die Namen aller angemeldeten Teilnehmer finden Sie in der Beilage, die am 24. April der Neuß-Grevenbroicher Zeitung beiliegt

(NGZ)