Korschenbroich : Masken wie aus Italien

Stephanie Hermes hat viele Gesichter. Sie hat sich einem fast ausgestorbenen Handwerk verschrieben und fertigt Ledermasken im Stil der Commedia dell' Arte. So haucht sie dem italienischen Stegreiftheater wieder Leben ein.

Sie ist Dozentin, Referentin, Malerin, Maskenbildnerin und Kunsthandwerkerin: Stephanie Hermes aus Neersbroich. Ihre Leidenschaft gehört der Ledermaske. Und so ist sie längst als die "Frau mit den vielen Gesichtern" bekannt.

Wer ihre Werkstatt in der Gilleshütte betritt, weiß spätestens dann, wie sie zu diesem "Titel" kam: Dort findet der Besucher Ledermasken, wie Köpfe aneinandergereiht, auf Metallstäbe gespießt oder in Körben gestapelt und in offenen Koffern drapiert. Keine Massenanfertigung. Nein — jede Maske ist ein Unikat — hat ihre eigene Note. Die Stimmungsskala reicht von fröhlich über angespannt, grimmig, missmutig über böse und verbittert bis hin zu schelmisch und brav.

Stephanie Hermes hat nicht nur den Blick für das Wesentliche — sie weiß auch genau, was sie will. Und so stand es für die gebürtige Sauerländerin bereits als Kind fest: "Ich will ans Theater, ich will Maskenbildnerin werden." Ausschlaggebend war eine Klassenfahrt mit dem Besuch der Zauberflöte. Als 18-Jährige packte sie dann in Schmallenberg ihr Köfferchen, um im Theater in Gelsenkirchen — im heutigen Musiktheater im Revier (MIR) — den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere zu legen.

Das Düsseldorfer Schauspielhaus wurde für die heute 53-Jährige von 1980 bis 1993 zum zweiten Zuhause. Perücken knüpfen, Bärte ankleben, Lidschatten und Make-up auftragen, gehörte dort ebenso zu ihren Aufgaben, wie Verletzungen zu modellieren. "Da reichte die Bandbreite vom fehlenden Finger bis hin zum abgeschlagenen Bein", erinnert Stephanie Hermes an ganz unterschiedliche Inszenierungen. "Ich wollte das aber nicht bis zur Rente machen." Und so entschied sie sich für Familie und Kunsthandwerk in "eigener Regie".

Seit fast zehn Jahren widmet sie sich der Gestaltung von Ledermasken. Das schon fast ausgestorbene Handwerk erlernte sie bei der italienischen Künstlerfamilie Donato Sartori in Padua. Mittlerweile zählt die Neersbroicherin zu den wenigen Künstlerinnen in Europa, die diese aufwendige Technik beherrschen.

"Ursprung der Ledermaske ist die Commedia dell' Arte, ein Improvisationstheater, das festgelegte Charakter-Typen als Spielvorlage nutzt", beschreibt Stephanie Hermes eine Tradition, die im 16. bis 18. Jahrhundert ihre Hochzeit feierte und in den 60er Jahren überraschend als italienisches Straßentheater auf die Bühne zurückkehrte. Zu ihren Kunden gehören Theater, Wissenschaftler, Pantomimen, Therapeuten und Manager-Trainer. Hermes, die auch an der Akademie für Bildende Kunst in Dresden lehrt und angehende Maskenbildnerinnen ausbildet, bereitet derzeit eine Ausstellung fürs Theatermuseum Düsseldorf vor.

(NGZ)