Korschenbroich : Malen wird zur Therapie

Die Diagnose Brustkrebs kam einem Erdrutsch gleich: Nichts mehr war für Karin Jacobs kalkulierbar. Nach Operation und Chemo entdeckte die Pescherin für sich die Kunst. Sie malt für krebskranke Frauen.

Sie liebt die Vorweihnachtszeit, das Flackern der Kerzen, den Duft von Zimtsternen und Tannengrün. Und doch gibt es für Karin Jacobs (58) immer wieder stille Momente, wenn sie an das Jahr 2002 zurückdenkt. Statt ihren runden Geburtstag zu feiern, wurde sie wenige Tage vor Weihnachten mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. "Die Feier bei Deuss wurde abgesagt und ich ging ins Krankenhaus", erinnert sie sich. Ihr lebenslustiges Lachen wurde von Angst überlagert.

Die Angst ist ihr Begleiter geblieben. "Man hört so viel", merkt sie nachdenklich an. Lacht dann aber schon wieder und versichert: "Den Begleiter Angst habe ich im Griff. Ich habe für mich beschlossen, mich nicht täglich verrückt zu machen." Und so ist sie als Mutmacher und Optimist unterwegs. Sie genießt alles Schöne und gönnt sich auch "mehr Schuhe und Handtaschen als wirklich erforderlich: Etwas Belohnung muss sein."

Ganz wesentlich sind für Karin Jacobs bei allen positiven Erfahrungen aber die "lebenswichtigen Kontrolluntersuchungen": Nicht nur bei der Nachsorge drängt sie auf Disziplin. Für die Pescherin ist die Vorsorge, aber auch das eigene Körpergefühl entscheidend.

In den dunklen Stunden war Karin Jacobs nie allein. Die Ironie des Schicksals wollte es, dass ihr Mann Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland, gerade eine Vorsorge-Kampagne zum Thema Brustkrebs angeschoben hatte. "Mein Mann hat mit sehr geholfen", stellt sie dankbar fest. "Er war für mich da, konnte mir durch sein berufliches Wissen viele quälenden Fragen beantworten."

Doch trotz aller Kontakte und aller Aufmerksamkeiten musste Karin Jakobs ihren eigenen Weg finden. "Die einen rennen durch den Wald, andere suchen Hilfe in einer Gruppe – und ich habe mir den Kummer von der Seele gemalt."

Zunächst versuchte sie sich in Öl, dann kam die Aquarell-Phase und heute hat sie sich ausschließlich auf Acryl spezialisiert. "Bunt und groß" definiert die Pescherin ihre kreative Ausrichtung. Dabei hat sie schon alles ausprobiert. Lustige Clowns, freiheitsliebende Wildpferde und kuschelige Hunde verschiedener Rassen hat sie ebenso auf die Leinwand gebannt wie Blüten, Häuser, Landschaften und lange Strände. Aber auch Grußkarten mit unterschiedlichen Weihnachtsmotiven gehören zu ihrem Repertoire.

Bei allem hat die 58-Jährige nicht vergessen, dass sie trotz ihrer Erkrankung viel Glück gehabt hat. Und so geht der komplette Verkaufserlös ihrer Bilder an die Frauenselbsthilfe nach Krebs – über 26 000 Euro konnte sich die Gruppe in Siegburg und über 4000 Euro die Gruppe in Grevenbroich freuen.

(NGZ)