Lokalsport: Mach's noch einmal, Derbystar Claus Dieter

Lokalsport : Mach's noch einmal, Derbystar Claus Dieter

Heute beginnt in Hamburg das 89. Deutsche Springderby. Gilbert Till-man, im Vorjahr Zweiter, will mit seinem Schimmelwallach ins Finale.

Der Gesamtetat ist mit 3,4 Millionen Euro so hoch wie nie zuvor. Der Sieger im Finale am Sonntag erhält 120.000 des Preisgeldes in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Passt das Wetter, sollte die Bestmarke aus dem Vorjahr mit 92.000 Zuschauern abermals überboten werden. Das Deutsche Spring- und Dressurderby in Hamburg Klein Flottbek übt eine geradezu magnetische Anziehungskraft auf die internationale Elite des Reitsports aus, gilt als das schwierigste Springen der Welt.

Doch für Gilbert Tillmann, Sieger 2013 auf Hello Max und vor zwölf Monaten Zweiter auf Claus Dieter, begann die bereits neunte Teilnahme gestern Nachmittag mit einer Geduldprobe. Ganz am Ende seiner um 5.15 Uhr gestarteten Tour steckte er mit seinem Hänger und der extrem kostbaren Fracht darin - neben Claus Dieter das "Ersatzpferd" Al Paolo - im Stau vor dem imposanten Elbtunnel. Alleine mit seinen Gedanken und seiner wie immer großen Nervosität ("Ich bin nicht unbedingt der Nervenstärkste!"), denn sein drei Jahre älterer Bruder Frederic Tillmann musste kreuzunglücklich im heimischen Grevenbroich bleiben. "Hadjib hat sich letzte Woche leicht verletzt, so dass er kein Pferd hat", erklärt Gilbert Tillmann. Und er weiß: "Mein Bruder ist schon sehr geknickt." Kurios: Vor einem Jahr hatte er selber auf dem Nachfolger des legendären Hello Max ins Derby gehen sollen. Doch weil Hadjib auch damals angeschlagen passen musste, lieh ihm Frederic Tillmann kurzerhand seinen Claus Dieter.

In Klein Flottbek machte es dann sofort Bumm zwischen dem Juniorchef des Gestüts Gut Neuhaus und dem inzwischen neunjährigen Holsteiner. Beide meißelten eine Nullrunde in den Derby-Parcours, dessen berühmte Dreifach-Kombination "Pulvermanns Grab" wirklich jedes Kind kennt. Im anschließenden Stechen musste sich der mittlerweile 36-Jährige nur dem Sieger Patricio "Pato" Muente aus Argentinien geschlagen geben. Daraus einen Anspruch aufs Treppchen abzuleiten, käme Gilbert Tillmann freilich niemals in den Sinn. "Selbst wenn man alles in der Reihe hat, in Hamburg kann so viel passieren. Da muss alles passen." Für ihn spricht indes die immense Erfahrung. Seit seinem Debüt 2007, als er mit Hello Max Rang elf belegte, war er nur zweimal nicht platziert: 2010 gab er wegen eines gerissenen Zügels auf, 2012 scheute Hello Max vor dem Gatter und wurde so mit seinem Reiter im Finale auf Platz 22 klassiert. 2008 und 2014 setzte er aus.

Wen die unvergleichliche Atmosphäre des bereits seit 1920 in Klein Flottbek ausgetragenen Deutschen Spring-Derbys (das Deutsche Dressur-Derby feierte 1955 Premiere) mal über den 1250 Meter langen Parcours mit 17 Hindernissen und 24 Sprüngen bis zu 1,65 Meter Höhe getragen hat, der muss einfach wiederkommen. Der will rauf auf den "Großen Wall", von dem es fast senkrecht drei Meter in die Tiefe geht - und unten wartet sofort der nächste Sprung, die Planke. Das gilt auch für Gilbert Tillmann. Doch nur dabei zu sein, reicht ihm längst nicht mehr. "Claus Dieter ist gut in Schuss", sagt er vor der ausnahmsweise schon heute angesetzten ersten Qualifikation. "Am Freitag steht die zweite Quali an, und danach hoffen wir, dass wir am Sonntag im Finale stehen. So ist der Plan ..."

Am Rande: Die Hansestadt ist die einzige deutsche Station der nicht nur prestigeträchtigen, sondern mit 600.000 Euro auch hoch dotierten Fünf-Sterne-Springsportserie "Global Champions Tour", die zum zehnten Mal in Klein Flottbek zu Gast ist.

(NGZ)