Streit um Verkehrslärm: Lienenkämper kontert Wimmer

Streit um Verkehrslärm : Lienenkämper kontert Wimmer

Der Streit um Verkehrslärm und die Frage, wie er zu entschärfen ist, polarisiert – jetzt auch die CDU.

Der Streit um Verkehrslärm und die Frage, wie er zu entschärfen ist, polarisiert — jetzt auch die CDU.

Jüchen (-lue) Der Verkehrslärm und die Frage, wie er für die Einwohner erträglich gestaltet werden kann, schafft Fronten. Die Kampflinie hat nun offenbar auch die CDU erreicht. Verärgert und mit Unverständnis reagierte NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) am Wochenende auf Kritik seines Parteifreundes und Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer: "So bringt er die erfolgreiche Ansiedlung des Unternehmens Polo, die wichtige Arbeitsplätze geschaffen hat, in Misskredit." Die zuständigen Behörden arbeiteten engagiert und suchten nach guten Lösungen.

Wimmer hatte in einem Brief an Lienenkämper kritisiert, dass die Ortschaften Gierath und Jüchen nicht für Motorradfahrer gesperrt würden, sondern alles beim status quo bleiben solle (NGZ berichtete). Dabei biete sich die Sperrung an, da Polo seinen Sitz nahe der A 46 habe. Zudem fühlt sich Wimmer offenbar vorgeführt. So ist es zumindest zu verstehen, wenn er schreibt, dass bei einem Behördentermin im Vorfeld des Lenny-Kravitz-Konzerts zunächst Ergebnisoffenheit versprochen worden sei und anschließend das Verkehrsministerium zu der Überzeugung gelange, "dass alles beim Alten" bleiben soll.

Demgegenüber versichert Lienenkämper, dass die verkehrslenkenden Maßnahmen zu Sonderveranstaltungen greifen ("Der Landrat handelt"); darüber hinaus machten Messungen und Zählungen keine weiteren Vorkehrungen erforderlich. Für Lienenkämper steht Wimmer in der Lärmschutzfrage allein: "Partei und Bürgermeisterin in Jüchen, aber auch der Landrat und das Verkehrsministerium sind anderer Meinung als er."

Auslöser des zunehmenden Verkehrs und somit der vermehrten Belastung für die Bürger ist das Unternehmen Polo mit Sitz im Gewerbegebiet an der Autobahn. Polo gehört zu den Marktführern im Bereich Motorradbekleidung, -zubehör und -technik. Folgerichtig fahren viele Zweirad-Fans das Unternehmen an, das zudem mit Konzerten und weiteren Sonderveranstaltungen Zuschauermassen anlockt.

Für Landrat Dieter Patt ist die Polo-Ansiedlung aus Sicht von Wirtschaftsförderung und Marketing ein Erfolg. Wer Erfolg wolle, der müsse auch mehr Leben und Verkehr in Kauf nehmen. Behörden und Polizei, so versicherte der Landrat gegenüber der NGZ am Wochenende, suchten Lösungen, die Beeinträchtigungen auf ein Minimum zu reduzieren: "Die Emissionen liegen im gesetzlichen Rahmen und wir registrieren auch nur wenige Beschwerden aus der Bevölkerung." Und überhaupt: Polo seien keine Zusagen gemacht worden, versichern Patt und Lienenkämper. Der Minister, der Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag war: "Der Fraktionschef führt keine Geheimverhandlungen mit ansiedlungswilligen Unternehmen."

(RP)
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