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Lokalsport: „Lieber München als Bochum“

Lokalsport : „Lieber München als Bochum“

Der HTC SW Neuss macht schwere Zeiten durch: Weltmeister Sebastian Draguhn, Top-Torjäger der in der Hockey-Bundesliga gegen den Abstieg spielenden Herren, droht wegen einer verpassten Dopingkontrolle eine einjährige Sperre.

Markus Lonnes, gerade erst als hauptamtlicher Chef-Jugendtrainer eingestellt, wechselt im Sommer als Coach der Erstliga-Damen zum potenteren Rivalen RW Köln. Warum Abteilungsleiter Andreas Schwarz sein Konzept trotzdem nicht gefährdet sieht, erklärte er im Gespräch mit der NGZ.

Herr Schwarz, was gibt's Neues im Fall Sebastian Draguhn?

Andreas Schwarz Das Verfahren läuft. Die Berufung ist fristgerecht eingereicht worden, jetzt folgt die Begründung. Das wird in den nächsten Tagen geschehen.

Wie stehen Sie dazu?

Schwarz Das tut weh, was da mit dem Basti passiert - sportlich wäre das ein Riesenverlust. Aber leid tut's mir vor allem für ihn. Seit er 16 ist, wird er ständig kontrolliert, nie gab es irgendetwas zu beanstanden. Und das erste Mal, wo eine Kleinigkeit passiert, wird er direkt für ein Jahr gesperrt.

Ich habe in den vergangenen Tagen viel über den NADA-Code gelernt, und ich finde, das geht schon hart in die Verletzung von Menschenrechten rein. Man sollte immer berücksichtigen, dass es sich dabei um Amateursportler handelt.

Kaum war dieser Nackenschlag halbwegs verdaut, kam schon der nächste. Erfüllt Markus Lonnes nun seinen Vertrag in Neuss oder wechselt er im Sommer ganz nach Köln?

Schwarz Fakt ist: Er trainiert ab August die Damen von Rot-Weiss Köln, macht bei uns aber weiter die Jugend. Dass er in dieser Funktion auch bei Rot-Weiss tätig werden soll, ist eher die Wunschvorstellung der Kölner. Darüber - und das hat mir der Markus noch einmal ausdrücklich bestätigt - gibt es keinerlei Absprachen. Er hat uns sogar zugesichert, dass bei Überschneidungen, etwa bei Jugend-Meisterschaften, seine Arbeit in Neuss vorgehe.

Das sagt er jetzt …

Schwarz … natürlich wissen wir, das ihm Köln ganz andere Möglichkeiten bieten kann als wir. Rot-Weiss ist auch auf internationaler Ebene tätig. Wenn ihn das nicht interessieren würde, wäre das nicht der Markus. Jeder will in seinem Job der Beste sein - und du trainierst nun mal lieber bei Bayern München als in Bochum. Uns muss es darum jetzt in den kommenden Monaten gelingen, ihm auch in Neuss attraktivere Möglichkeiten zu geben.

Und wie?

Schwarz Erst mal mit mehr Kohle, das ist schließlich sein Beruf. Um das jedoch gleich mal klarzustellen: Markus ist nicht Geld gesteuert, eher ein Idealist. Er und Nina Lemmen trainieren bei uns fünf Mannschaften - und zwar jeder. Sie haben einen Zehn-Stunden-Tag, kommen so locker auf 60 bis 70 Stunden in der Woche. Das sind studierte Leute, die kannst du nicht mit 2500 Euro im Monat abspeisen. Köln bietet dem Markus wahrscheinlich das Doppelte von dem, was er jetzt hat.

Wirklich wahr?

Schwarz Ja. Markus Lonnes ist ein Juwel, das jeder Verein gerne hätte. Er zählt zu den drei, vier besten Hockey-Trainern in Deutschland. Zudem zieht er andere Trainer in den Verein. Nina Lemmen ist nur wegen ihm zu uns gekommen.

Wo steht der HTC SW Neuss denn im Vergleich zu anderen Klubs?

Schwarz Nehmen wir nur mal Mannheim: In deren Stiftung liegen 25 Millionen Euro - das bringt pro Jahr eine Million an Zinsen. Die beschäftigen sechs hauptamtliche Trainer. Aber auch mit zwei guten Trainern wie bei uns kannst du viel machen.

Der HTC schien also auf einem sehr guten Weg - nun die Rückschläge. Frustriert Sie das nicht ungemein?

Schwarz Ich bin, glaube ich, hart im Nehmen.

Aber sehen Sie Ihr Konzept denn nicht in Gefahr?

Schwarz Nein, absolut nicht. Das Konzept, unsere Bundesliga-Mannschaften mit eigenen Talenten zu füttern, ist langfristig angelegt. Da ließe es sich auch verkraften, wenn die Herren mal ein Jahr in der 2. Bundesliga spielten oder die Damen noch eine Saison auf den Aufstieg in die 1. Bundesliga warten müssten. Vielleicht sehe ich das ja zu positiv, aber nur diese Dinge kann ich beeinflussen.

(NGZ)