Handball: Letztes Derby wird zum Trauerspiel

Handball : Letztes Derby wird zum Trauerspiel

Aus handballerischer Sicht besaß der 37:33-Sieg des DHC Rheinland über den TV Korschenbroich durchaus Unterhaltungswert, doch die außersportlichen Begleitumstände ließen das letzte Kreisderby der Zweiten Handball-Bundesliga eher zu einem Trauerspiel werden

Was fünf Monate zuvor noch eine hochspannende Angelegenheit in knisternder Atmosphäre war, am Freitagabend wurde es einfach nur abgewickelt: Das letzte Kreisderby der Zweiten Handball-Bundesliga zwischen dem DHC Rheinland und dem TV Korschenbroich geriet angesichts der Begleitumstände zu einem Trauerspiel vor 953 Zuschauern.

Wenigstens die Akteure auf dem Parkett ließen sich nicht lumpen. Siebzig Tore und viel Tempo besaßen hohen Unterhaltungswert. Und vom handballerischen Vermögen her bewiesen sowohl die mit 37:33 (Halbzeit 16:15) siegreichen Hausherren als auch die Korschenbroicher, dass sie eigentlich in diese Liga gehören.

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Eine Mischung aus Unfähigkeit, Unbelehrbarkeit, Naivität, hartnäckiger Beratungsresistenz und persönlicher Eitelkeiten haben den einst blühenden Handballsport im Rhein-Kreis in eine tiefe Depression gestürzt. Wenn überhaupt, wird es Jahre dauern, bis er sich davon erholt.

"Von der unfassbaren Euphorie, die noch im Hinspiel herrschte, ist wenig übrig geblieben", sagt Christian Voß. Der 43-Jährige, erst im November als Trainer nach Korschenbroich gekommen, nimmt trotzdem Positives mit, wenn er Anfang Juni zurück in den Norden geht, wo er Drittligist HSG Tarp-Wanderup in der kommenden Saison zum Aufstieg führen möchte. Es sind "die Menschen, mit denen ich hier zusammen gearbeitet habe, vor allem die Spieler." Deshalb verzieh er ihnen auch, dass sie ausgerechnet im Kreisderby, "das ich wirklich gerne gewonnen hätte", nicht jenen unbedingten Behauptungswillen an den Tag legten, der die Korschenbroicher sonst so oft ausgezeichnet hatte.

Die Folge: Weil das Hinspiel bereits mit 36:33 an die Gäste ging, ist der TV Korschenbroich der einzige Zweitligist, der in dieser Saison auf dem Parkett beide Spiele gegen den DHC Rheinland verloren hat (der andere, der gegen Dormagen punktlos blieb, der SV Post Schwerin, verlor zwei der vier Zähler am grünen Tisch). "Jetzt sind wir so 'was wie Kreismeister, aber davon haben wir auch nichts", meinte DHC-Pressesprecher Detlev Zenk. Trainer Richard Ratka vermochte sich weder über den "verdienten Sieg" noch über die Komplimente seines Kollegen ("Dormagen hat wirklich sehr gut gespielt") richtig zu freuen: "Wie hier mit uns umgegangen wird, das habe ich nicht nur noch nie erlebt, das habe ich mir auch nicht so vorstellen können."

Statt des Abschlusstrainings, in dem üblicherweise noch einmal intensives Videostudium des Gegners auf dem Plan steht, hatten seine Schützlinge am Donnerstagabend ihre Anträge auf Insolvenzgeld ausfüllen müssen. Trotzdem waren die Hausherren konzentrierter und entschlossener als die Korschenbroicher, bei denen nur Simon Breuer und Marcel Görden echte Akzente setzten.

Wie das Team, das künftig handballerisch den Ton angibt im Rheinland, wirkte der TVK jedenfalls nicht am Freitagabend. Dazu gehören auch mehr als eine Hand voll Anhänger, die ihre Mannschaft zu einem nur 30 Kilometer entfernten Prestigeduell begleiten. Der Handball im Rhein-Kreis droht zum endlosen Trauerspiel zu werden.

(NGZ)
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