Reitsport : "Let's rock, Pezinok"

Antje Hill und Simone Wiegele sind bei den Junioren-Europameisterschaften in Pezinok erstmals als Trainerinnen für Deutschland am Start. Das Voltigierteam des RSV Neuss-Grimlinghausen geht als Favorit ins Rennen.

Tito und Mosi — klingt wie Maskottchen Olympischer Spiele, sind in diesem Fall aber die Spitznamen des Trainerduos der Junioren des RSV Neuss Grimlinghausen: Antje Hill und Simone Wiegele. Deren Mannschaft weilt seit Montag im slowakischen Pezinok. Mission: Sieg bei den Voltigier-Europameisterschaften. Die Vorgabe von Bundestrainerin Ulla Ramge könnte deutlicher nicht sein.

Die U18-Rheinländerinnen hatten sich Anfang Mai in Münchehofe bei Berlin für die EM qualifiziert. Nun erwartet die Obrigkeit des Verbandes den Titel. Ein Druck, mit dem die Mannschaft erstaunlich gelassen umgeht. "Wir wollen das zeigen, was wir zuletzt im Training abrufen konnten. Dann sind wir zufrieden", umschreibt Hill die Stimmungslage.

Die Hauptaufgaben der 25-Jährigen umfassen Kürchoreographie, sportliche Fitness und Athletik. Wiegele (26) hingegen ist auch im Wettkampf unmittelbar dabei, dirigiert Vierbeiner Remake an der Longe über das Sandgemisch. Das Gefüge funktioniert bereits im ersten Jahr unglaublich gut. "Sie machen ihre Sache fantastisch", kommentiert Mentorin Jessica Schmitz, langjährige Trainerin der beiden Pferdeakrobatinnen.

Auch auf sportpolitischer Ebene zeigten Hill und Wiegele Standfestigkeit. Denn eigentlich sollte die Truppe nach Vorstellung vom Ramge mit zwei bis drei bundesweiten Top-Athleten verstärkt werden. Doch bis auf eine Ausnahme bleibt der RSV auch weiterhin der RSV. Lediglich Johannes Kay aus Flensburg wurde integriert. Der 17-Jährge aus dem hohen Norden hat im Gegensatz zu den Neusser Mädchen bereits Championatserfahrung, holte im vergangenen Jahr den europäischen Mannschaftstitel mit einem Hamburger Mix-Team.

Insgesamt fünf Wochen trainierte Kay in Neuss, wohnte in dieser Zeit abwechselnd bei den Familien Dammer und Depper. Der "Hahn im Korb" brachte laut Hill "frischen Wind in das Gespann". Er selbst spricht von sehr guter Trainingsatmosphäre. "Mit der nötigen Ruhe, aber dennoch zielstrebig." Die Kür wurde dank ihm noch ein wenig aufgepeppt, besticht nun mit zusätzlichen spektakulären Kraft-Passagen und gilt nach Meinung vieler Experten als das Nonplusultra dieser EM.

Vorausgesetzt natürlich, die Voltigierer vom Nixhof turnen sie weitestgehend fehlerfrei. Bei der Generalprobe am vergangenen Wochenende bei den Westfälischen Meisterschaften in Münster haderten Hill und Wiegele nur noch mit Kleinigkeiten. "Wenn sie sich konzentrieren, dann läuft das", sagt Hill. Die Psychologierstudentin, die das Geschehen vom Zirkelrand aus beobachten muss ("Es ist furchtbar, nichts beeinflussen zu können."), drückt ihren Schützlingen, Kollegin Wiegele und dem 14-jährigen Oldenburger Wallach ab morgen beim Pflichtauftakt die Daumen. Das Kürfinale steigt am Sonntag.

Ausgelobtes Motto des deutschen Teams, das erstmals auch von Doppel-Weltmeister Kai Vorberg aus Köln als Co-Bundestrainer betreut wird: "Let's rock, Pezinok!"

(Daniel Kaiser)
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