Jüchen : Lernen gegen Ess-Störungen

Immer mehr Jugendliche haben ein gestörtes Ess-Verhalten – auch in Jüchen. An der Realschule wollen die Lehrer über das Problem mit einem Projekt informieren. Aber der Kampf gegen Size-Zero-Vorbilder ist schwer.

Letzter Tag für die Ausstellung "Klang meines Körpers". Gesehen haben diese Schau über EssStörungen, ihre Ursachen, ihre Folgen und ihre Bekämpfung alle Acht- und Neuntklässler an der Realschule Jüchen. Ob sich an ihrer Einstellung zum weiblichen Schönheitsideal mit Size Zero oder zu Vorbildern aus "Germanys next Topmodel" etwas ändert? Vielleicht, wenn man Neuntklässlerin Franziska zuhört: "Man muss unterscheiden zwischen normal und krank dünn." Klassenkameradin Olga gibt zu: "Wenn jemand sagt ,Du hast dicke Beine' dann guckt man schon."

Das Essverhalten vieler Jugendlicher im Rhein-Kreis Neuss ist gestört. Ein Viertel ist zu dick, acht Prozent haben Untergewicht. Meist sind junge Mädchen betroffen, doch immer mehr junge Männer haben Probleme. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die der Rhein-Kreis Neuss unter 1152 Elf- bis 17-Jährigen in Auftrag gegeben hat.

"Ess-Störungen sind Alltag", kann Julia Baumann, Biologie-Lehrerin an der Realschule Jüchen, bestätigen. Häufig suchen Schüler das Gespräch, erzählen von dem Zwang, zu viel oder zu wenig zu essen. Für Julia Baumann und ihre Kollegin ein Grund, sich fortzubilden und die Ausstellung über Essstörungen für zehn Tage in die Realschule an der Stadionstraße zu holen: "Wir wollen informieren und auch Wege aus Krankheiten wie Bulimie oder Esssucht zeigen."

Was die Pädagogin beobachtet hat: "Die Jugendlichen reagieren unterschiedlich: Nur die Jüngeren sind noch geschockt von den Schilderungen der fünf Mädchen, deren Krankheitsbilder im Zentrum der Ausstellung stehen." Die Älteren seien oft sehr gut informiert über Krankheiten wie Magersucht oder Bulimie, würden viel über Ursachen und Folgen wissen. "Schönheitswahn oder Liebeskummer können Gründe für Ess-Störungen sein", weiß etwa Olga.

Neuntklässlerin Sarah gefällt die Ausstellung mit der Mischung aus nüchterner Information an den Tafeln und kreativer Darstellung: "Man kann sich gut in die einzelnen Fälle hineinversetzen." Außerdem mache die Gruppenarbeit außerhalb des Klassenraums Spaß. Anojh würde es gefallen, wenn auch ein junger Mann als Beispiel gezeigt würde: "Auch bei Jungen gibt es solche Probleme."

Models, die sich in den Tod hungern, TV-Shows und Modemagazine, die Frauen mit Kinderkörpern zeigen – Olga, Anna und ihre Klassenkameradinnen wissen, dass dieses Aussehen gefährlich sein kann. Doch sich eine vollschlanke Frau als "Germanys next Topmodel" vorzustellen, fällt schwer: "Das ist ja ekelhaft."

(NGZ)