1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Leichtathletik: Tanja Spill aus Dormagen löst das Ticket für Hallen-EM

Leichtathletik : Tanja Spill löst das Ticket für Hallen-EM

Obwohl sie die nationale Norm um die Winzigkeit von sechs Hundertstelsekunden verfehlt hat, nominiert der Deutsche Leichtathletik-Verband die 800-Meter-Läuferin des TSV Bayer Dormagen für die Titelkämpfe im polnischen Torun.

In einer Mannschaft mit Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo. Hört sich toll an, findet auch Tanja Spill. Und darum ist die Leichtathletin des TSV Bayer Dormagen vor ihrem Start bei den Hallen-Europameisterschaften, die in der kommenden Woche vom 4. bis zum 7. März im polnischen Torun stattfinden, schon jetzt ganz aus dem Häuschen. „Mich macht das auf jeden Fall stolz. Das ist meine erste internationale Meisterschaft. Darauf habe ich ja super lange warten müssen.“

Am Donnerstag gab der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) die Namen der 25 Athletinnen und 25 Athleten, die Deutschland in 20 Wettbewerben vertreten werden, bekannt. Dass Tanja Spill gemeinsam mit Christina Hering und Katharina Trost (beide LG Stadtwerke München) tatsächlich über 800 Meter ins Rennen gehen kann, ist eine ganz und gar ungewöhnliche Geschichte. „Denn eigentlich“, witzelt die 25-Jährige gut gelaunt, „hätte man mir am Sonntag bei der Hallen-DM in Dortmund zwei Titel geben müssen: den der Deutschen Meisterin und den der Normverpasserin.“ Sie mag gar nicht daran denken, wie oft sie in den vergangenen Jahren haarscharf an Qualifikationszeiten für große Events gescheitert ist. Die Olympischen Spiele 2016 in Rio verpasste sie um 13 Hundertstelsekunden, für Torun fehlten ihr jetzt sogar nur sechs Hundertstelsekunden.

Ihr Glück: Diesmal gab es das EM-Ticket nicht nur für Athletinnen mit erfüllter Norm, sondern auch für diejenigen, die aufgrund ihres Rankings in den europäischen Bestenlisten von einem Nachrückverfahren des Europaverbandes „European Athletics“ profitierten. Zusätzlich setzte sich Herbert Missalla, Dritter der Hallen-EM 1966 in Dortmund und ein Vierteljahrhundert als hauptamtlicher Geschäftsführer für den TSV Bayer Dormagen im Einsatz, für Tanja Spill ein. In seiner Korrespondenz mit Professor Hartmut Grothkopp, Vizepräsident Leistungssport im DLV, wies er explizit auf ihre Spurtschnelligkeit am Schluss eines Rennens hin, mit der sie immer für Überraschungen gut sei. Was letztlich den Ausschlag gab, ist freilich ziemlich egal, denn an einem lässt ihr Trainer Willi Jungbluth keinen Zweifel: „Wohl keine hat es so verdient wie sie.“ Allen Rückschlägen zum Trotz, trotz langer Leidenszeit mit zwei Operationen am Fuß, hat sie sich im Februar mit einer starken Hallensaison zurückgemeldet: 2:03,25 Minuten zum Comeback unterm Dach in Erfurt, 2:03,75 Minuten beim internationalen Meeting im belgischen Gent und mit 2:03,06 Minuten persönliche Bestzeit am Sonntag in Dortmund. Viel besser geht es nicht.

Was ihre Zeiten im internationalen Vergleich wert sind, damit hat sich die kämpferische Dormagenerin noch gar nicht beschäftigt. Aus (schlechter) Erfahrung weiß sie inzwischen: „Es ist besser, immer ein Schritt nach dem anderen zu machen. Wenn ich zu viel wollte, ging es meistens schief.“ Klar, der Einzug ins EM-Finale wäre ein Traum, doch fürs Erste geht es auch zwei Nummern kleiner. „Den Vorlauf zu überstehen, wäre schon gut“, sagt sie bescheiden. Bei internationalen Meisterschaften käme es gar nicht so sehr auf die Zeit an. „Da kann auch was gehen, wenn Du von den Zeiten her gar nicht so weit vorne bist. Du musst taktisch laufen.“

Als Beispiel dient ihr der DM-Sieg in der Helmut-Körnig-Halle am Wochenende: Da hielt sie sich zunächst vornehm zurück, ließ Titelverteidigerin und Abonnementmeisterin Christina Hering das Tempo machen. In Absprache mit ihrem Coach griff sie erst rund 150 Meter vor dem Ziel an. Während die Konkurrenz staunend zurückfiel, sprintete die Dormagenerin ungefährdet dem größten Erfolg ihrer bisherigen Laufbahn entgegen. Ihrem Schlussspurt, der längst so etwas wie ihr Markenzeichen geworden ist, konnte keine widerstehen. „Und sie kann noch schneller“, ist ihr Trainer überzeugt. An den vielen Rückschlägen, verrät sie selbstbewusst, sei sie gewachsen. „Ich bin psychisch stärker geworden, und höre jetzt noch mehr auf meinen Körper.“