Tennis : Lehrstunde mit Lichtblicken

Blau-Weiß Neuss kassiert am ersten Spieltag der Tennis-Bundesliga eine glatte 0:6-Heimpleite gegen Meister Mannheim. 500 Zuschauer sehen immerhin beherzte Auftritte von Federico del Bonis und Micke Kontinen.

Die Niederlage kam wie erwartet. Und sie fiel so happig aus wie befürchtet: Der TC Blau-Weiß Neuss hat zum Auftakt der Tennis-Bundesliga eine 0:6-Heimklatsche gegen Meister Grün-Weiß Mannheim kassiert und dabei unterstrichen, dass in seiner 31. Saison in der Eliteklasse ein Platz in der oberen Tabellenhälfte nicht machbar sein wird. "Mannheim war der erwartet starke Gegner. Wir haben aber zumindest zeitweise gezeigt, dass wir mithalten können, daher bin ich nicht gänzlich unzufrieden", sagte Teamchef Marc Raffel.

Um 17.15 Uhr fuhr Mannheims Top-Mann Janko Tipsarevic vor rund 500 Zuschauern an der Jahnstraße den entscheidenden vierten Punktgewinn gegen die Neusser Rumpftruppe (ohne die ersten Sechs der Meldeliste) ein. Raffel hätte kurzfristig noch den etatmäßigen Spitzenspieler Daniel Gimeno-Traver einfliegen lassen können, hatte aber angesichts der desolaten Leistung des Spaniers beim Viertelfinal-Aus am Donnerstag in Turin darauf verzichtet.

Für ihn rückte der argentinische Youngster Federico del Bonis an die Spitzenposition, und der hochveranlagte Argentinier verkaufte sich gegen den mit allen Wassern gewaschenen Tipsarevic teuer. In Durchgang eins schlug del Bonis zweimal zum Satzgewinn auf, während sein Gegner lamentierte und wie ein serbischer Bierkutscher fluchte. In den entscheidenden Situationen aber spielte Tipsarevic, die Nummer 29 der Welt, gegen seinen 169 Plätze tiefer notierten Kontrahenten seine ganze Erfahrung aus und siegte 7:6 (7:3), 7:6 (7:4).

Das Positivste aus Neusser Sicht war indes der Auftritt von Micke Kontinen, 18 Jahre alter Finne mit dem Antlitz eines Zwölfjährigen. Die Nummer 692 der Welt spielte gegen den elf Jahren älteren Argentino-Polen Juan Pablo Bzrezicki (ATP 177) munter drauflos, hatte in Durchgang eins Satzball und in Durchgang zwei Spielbälle zum 4:1. "Schade, da hat ihm nur ein wenig die Routine gefehlt", kommentierte Raffel das 6:7 (6:8), 3:6 des Finnen.

Im Idealfall hätte es also an der Jahnstraße nach der zweiten Einzelrunde 2:2 stehen können. Im ersten Durchgang hatten die Neusser zuvor kein Land gesehen: Routinier Raphael Özelli schlug sich trotz eines 1:6, 1:6 wacker gegen Marc Lopez, immerhin 30. der Doppel-Weltrangliste. Enttäuschend verlief hingegen das Blau-Weiß-Debüt des Argentiniers Pablo Galdon, der nach ordentlichem Beginn gegen Björn Phau sang- und klanglos 3:6, 1:6 unterging.

Mit Tipsarevics verwandeltem Matchball zum 4:0 setzte der Regen ein, erst nach 70 Minuten ging es in die Doppel, die in der Halle endeten. Danach war klar, dass Blau-Weiß zwar nach dem ersten Spieltag ohne Satzgewinn, aber nicht als Tabellenletzter dasteht: Amberg verlor gegen Halle noch deutlicher.

(NGZ)
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