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Laufschuhe gegen Rennrad getauscht, Klaus Piepel aus Neuss

Klaus Piepel aus Neuss : Laufschuhe gegen ein Rennrad getauscht

Der einstige Top-Langstreckler hat inzwischen seine Leidenschaft für einen anderen Ausdauersport entdeckt. Auch mit dem Rennrad ist der inzwischen 66-Jährige erfolgreich. Dabei hat er ein besonderes Erfolgsgeheimnis.

Es gab Zeiten, da kam es Klaus Piepel nicht in den Sinn, auf ein Fahrrad zu steigen. „Wozu brauche ich ein Rad, wenn ich auch laufen kann?“, war das Credo des inzwischen 66-Jährigen, als er noch den in 1970er und 1980er Jahren zur erweiterten Spitze der deutschen Langstreckenszene gehörte. Doch das hat sich grundlegend geändert. Seit vielen Jahren hat er auch wegen seiner verletzungsanfälligen Muskulatur die Lauf- gegen Radschuhe getauscht, steigt mehrmals die Woche auf sein Rennrad, um von seinem umgebauten Hof an der Bauerbahn zwischen Neuss und Büttgen Trainingsfahrten zu unternehmen.

Was sich allerdings nicht geändert hat, ist das offensichtliche Talent, das ihm seine Eltern für Ausdauersportarten mit auf den Lebensweg gegeben haben. Denn sowohl als junger Mann mit Boden unter den Füßen als auch im fortgeschrittenen Alter auf dem Rad bringt Piepel beachtliche Leistungen. „Ich sehe das mit dem Laufen nicht so eng wie viele, ich habe das eigentlich nie so eng gesehen“, sagte Piepel einst im Rückblick auf seine läuferischen Höchstleistungen, wozu sicher sein achter Platz 1980 bei den Deutschen Crosslaufmeisterschaften zählt sowie auf der Bahn seine Bestzeiten von 14:05,0 Minuten über 5000 Meter und 29:22,2 Minuten über 10.000 Meter. Der 5000-Meter-Lauf in Koblenz im Jahr 1984 war übrigens ein denkwürdiges Rennen, weil dabei zunächst durch Martin Grüning und danach durch Piepel der Kreisrekord gleich zweimal verbessert wurde. Piepels Zeit ist noch heute Vereinsrekord bei der TG Neuss. Und weil er es eben nicht so eng sah mit dem Laufen, galt für ihn schon damals: „Ich habe immer lieber wenig trainiert als viel.“

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So hält er es auch mit dem Radfahren. „Das läuft irgendwie von alleine“, sagt der 66-Jährige. Doch der mangelnde Trainingseifer sollte keinesfalls als Zeichen für fehlenden Ehrgeiz gedeutet werden. Denn Piepel war schon immer ein Wettkampftyp, verstand es, sich in den entscheidenden Momenten zu steigern und zu quälen, ohne dabei die nötige Lockerheit zu verlieren. „Diese Lust, mich im Wettkampf mit anderen zu messen, ist immer noch da. Ich weiß nicht, wann das mal aufhört“, erklärt Piepel, der selbst bei seinen Trainingsfahrten jede Begegnung mit anderen Freizeit-Radsportlern nutzt, „um auszutesten, wie gut die sind“. Er selbst ist ziemlich gut, im Lauf der Jahre hat er auch auf dem Rad ein beachtliches Niveau erreicht.

 Klaus Piepel als Langstreckenläufer in Aktion.
Klaus Piepel als Langstreckenläufer in Aktion. Foto: Piepel

Waren es vor 20 Jahren zunächst nur gelegentliche Ausflüge zum Triathlon mit den Vereinskameraden der TG, bei denen er mit einem Rennrad in Berührung kam, fand er immer mehr Gefallen an dem anderen Ausdauersport. So ließ er sich von befreundeten Radsportlern nicht nur dazu überreden, bei mehrtägigen Trainingslagern im Ausland mitzumachen, er absolvierte auch knallharte Rennen für Freizeitsportler wie den sogenannten Alpenbrevet über fünf Alpenpässe sowie den Ötztaler Radmarathon. 2012 begann er dann mit Querfeldein-Rennen, nahm vier Jahre später sogar an der Cross-WM teil und belegte den 19. Platz in seiner Altersklasse. Im Jahr darauf gewann er in Nordrhein-Westfalen sogar den aus mehreren Rennen bestehenden Cross-Cup und den Titel als NRW-Meister. Den Cross-Cup fährt er auch dieses Jahr mit, als Ziel hat Klaus Piepel eine weitere WM-Teilnahme Ende des Jahres in England im Visier.

Wobei Klaus Piepel als Jugendlicher eine ganze Zeit gebraucht hatte, bis er erkannte, dass seine Stärken eher im Ausdauersport liegen. Zunächst jagte er fünf Jahre dem Fußball hinterher, ehe er in Düsseldorf-Rath mit dem Laufen begann und dabei auf Trainer Johann-Baptist „Hanni“ Müller traf. Der führte ihn zwar zu starken Leistungen, vermittelte ihm aber auch eine besondere Einstellung zum Sport. „Da habe ich dem Hanni viel zu verdanken. Der hat mir immer deutlich gemacht, dass der Beruf Vorrang hat“, sagte Piepel vor vielen Jahren im Gespräch mit unserer Redaktion. So absolvierte Piepel nach Schule und Ausbildung in einer Abendschule eine Weiterbildung zum Industriemeister Metall und arbeitete bis zu seiner Rente im vergangenen Jahr als Ausbilder bei der Firma Henkel in Düsseldorf.

Abgesehen von seinen Kontakten nach Neuss durch den Sport wurde Piepel in der Quirinusstadt auch heimisch, als er Ende der 1980er Jahre mit seiner Ehefrau Inge, Tochter Jana und Sohn Felix einen alten Hof an der Bauerbahn bezog und ihn renovierte. Um die alten Stallungen und die Wiesen mit Leben zu füllen, schaffte sich die Familie zahlreiche Tiere an, darunter auch Schafe, Hühner und Schweine. Heute sind es noch drei Ziegen, ein Bienenvolk, ein Hund, eine Katze und zwei Pferde, die hauptsächlich von Tochter Jana geritten werden. Klaus Piepel kümmert sich immer noch gerne um die tierischen Mitbewohner, auch wenn ihm die Zeit dafür vom Training abgeht. Doch das braucht er ja ohnehin nicht so dringend wie andere Sportler.