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Laudatio zum 75. Geburtstag von Hermann J. Kahlenberg

Ringen : Das „Gesicht des Neusser Sports“ wird 75

Er ist genau wie seine Ringer: Hermann-Josef Kahlenberg steht immer wieder auf. Von gesundheitlichen Rückschlägen – und davon gab es in seinem heute auf den Tag genau 75 Jahre währenden Leben mehr als genug – hat er sich ebenso wenig unterkriegen lassen wie von Turbulenzen rund um das, was man getrost als sein Lebenswerk bezeichnen kann.

Den Kraftsportklub Konkordia (KSK) hat Hermann J. Kahlenberg so geprägt wie kaum ein anderer „Sportfunktionär“ einen Verein in Neuss in den vergangenen Jahrzehnten. Da muss man schon an legendäre Symbiosen wie die zwischen Karl Bongers und dem Neusser Schwimmverein oder Johann „Jean“ Dahmen und der Holzheimer Sportgemeinschaft erinnern, um dem gerecht zu werden, was Hermann J. Kahlenberg für „seinen“ Verein geleistet hat. Und immer noch leistet, obwohl er sich fast auf den Tag genau vor sieben Jahren der Gesundheit zuliebe offiziell aus der Vereinsarbeit zurückgezogen hat.

Doch ohne den damals zum „Ehrenpräsidenten“ erhobenen läuft immer noch wenig beim KSK. Manche, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, sagen, Hermann J. Kahlenberg sei selbst daran schuld, weil er nie einen „Kronprinzen“ neben sich geduldet oder gar groß gezogen habe. Er selbst sieht das naturgemäß ein wenig anders, bedauert, „dass nur so wenige dem Verein etwas zurückgeben.“ Die Wahrheit liegt wohl wie so oft irgendwo in der Mitte. Das schönste Geschenk zum halbrunden Geburtstag haben ihm deshalb auch nicht „seine“ Ringer mit der Rückkehr in die Bundesliga gemacht, der der KSK Konkordia bis zum freiwilligen Rückzug 2012 13 Jahre lang angehörte. Sondern jene Funktionsträger innerhalb des Klubs, die sich im Vorfeld der Aufstiegskämpfe dafür ausgesprochen haben, anders als in den Vorjahren das erkämpfte Aufstiegsrecht auch anzunehmen. Und die offensichtlich bereit und willens sind, jetzt auch offiziell Verantwortung zu übernehmen.

Beim „Netzwerken“: Heinz Günther Hüsch und Hermann Kahlenberg. Foto: Andreas Woitschützke

Die Fußstapfen, in die sie treten, sind nicht groß. Sie sind unermesslich. Von den fast einhundert Jahren Vereinsgeschichte des 1924 gegründeten Kraftsportklubs hat Hermann J. Kahlenberg gut die Hälfte gestaltet und geprägt. 1972, im zarten Alter von 27 Jahren, begann er als Geschäftsführer, obwohl er, wie er stets betont, selbst nie auf einer Ringermatte gestanden hat. Zwei Jahre später, nach den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen, wechselte er ins Amt des Vorsitzenden, das er – mit einem Jahr Unterbrechung – bis 2012 innehatte. Wäre er damals nicht zurückgetreten, wäre er sicher immer noch der offizielle (und nicht nur der heimliche) Chef im KSK-Ring.

Sportplakette des Landes NRW an Hermann J. Kahlenberg. Foto: LSB NRW/ANDREA BOWINKELMANN

Dabei beschränkte sich Kahlenbergs Kosmos nie auf „seinen“ Verein. Er war (und ist) der Netzwerker schlechthin in seiner Heimatstadt (und darüberhinaus). Veranstaltungen, auf denen man Hermann J. Kahlenberg nicht über den Weg läuft, sind dünn gesät im Kalender der Stadt Neuss – und das beileibe nicht nur, wenn es um Sport geht. Ohne die Kontakte, die er dabei knüpfte – und mindestens in eine Anzeige für die seit vier Jahrzehnten erscheinende „Ringer-Revue“ verwandelte – hätte Konkordia kaum überlebt, schon gar nicht 28 Jahre in der Ersten und Zweiten Bundesliga. Sein sportliches Betätigungsfeld beschränkte sich jedoch  nicht allein auf Ringen. Er gehörte zu den Mitbegründern des Neusser Sommernachtslaufs, und er veranstaltete mehr als ein Jahrzehnt ein überaus beliebtes und erfolgreiches „Fußballturnier für nicht-fußballspielende Vereine“, das mit den Jahren Kultstatus besaß.

Ein Bild aus guten alten Ringertagen: Leo und Max Schwindt, Hermann J. Kahlenberg, Sergyi Skrypa und Oleg Dubov (v.l.). Foto: Jazyk, Hans (jaz)

„Er ist ‚das’ Gesicht des Neusser Sports,“ beschreibt ihn der langjährige Stadtsportverbands-Vorsitzende Wilhelm Fuchs überaus treffend. Da blieben Ehrungen natürlich nicht aus – vom Bundesverdienstkreuz über die Sportehrengaben von Stadt und Kreis bis hin zur Sportplakette des Landes NRW, die ihm 2016 überreicht wurde. Nur ein Traum ist Hermann J. Kahlenberg bislang versagt geblieben: Einen Aktiven des KSK Konkordia bei einem olympischen Ringerturnier auf der Matte zu erleben – Michael Faller war vor vier Jahren in Rio de Janeiro immerhin als Kampfrichter dabei. Vielleicht klappts ja 2024 in Paris – dann wäre der Kraftsportklub 100 und Hermann J. Kahlenberg 79 Jahre alt. Zu wünschen wäre es allen dreien, dem KSK, HJK und den Aktiven. Volker Koch