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Landessportbund diskutiert in Neuss die Mobilität der Zukunft

Landessportbund diskutiert in Neuss moderne Mobilität : Auf dem Fahrrad in die Zukunft

Der Landessportbund diskutiert am Runden Tisch in einer Expertenrunde über Mobilität und Städteplanung. Der Tenor: Autos müssen zu Gunsten anderer Verkehrsmittel aus den Innenstädten zurückgedrängt werden.

Es sind Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen. „47 Millionen PKW sind in Deutschland aktuell zugelassen“, sagt Weert Canzler und führt süffisant aus: „Das bedeutet im Klartext, dass alle Bewohner Deutschlands, der Niederlande und Belgiens bei uns vorne sitzen können.“ Mit dieser Erkenntnis eröffnet der Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin den „Round Table“ zum Thema Neue Mobilität im Hotel Fire and Ice an der Skihalle. Bei der vom Landessportbund (LSB) ausgerichteten Veranstaltung sind sich die Experten einig: Es braucht Konzepte, um den Verkehr der Zukunft moderner, grüner und effizienter zu machen.

Das Problem liegt für den LSB-Präsidenten Walter Schneeloch auf der Hand: „NRW ist das Stauland Nummer eins. Ich habe gerade versucht, zur Stoßzeit aus Duisburg über Düsseldorf nach Neuss zu kommen. Da geht nichts mehr. Wir müssen uns dringend überlegen, wie wir ein Umdenken auslösen können.“ Christof Rasche, FDP-Fraktionsvorsitzender im Landtag, ist davon überzeugt, dass eine Entwicklung weg vom Auto und hin zu mehr Fahrrad, Bus und Bahn unausweichlich ist: „Es hat bereits ein starkes Umdenken begonnen. Der Kurs, den die Politik einschlägt, ist klar pro Fahrrad. Das ist definitiv so.“ So müsse das Zweirad auf dem Weg zur angestrebten „Neuen Mobilität“ eine entscheidende Rolle spielen. Das begrüßt auch Ursula Augenstein vom Radfahrerverband ADFC in NRW: „Ich glaube, dass viele Menschen lieber mit dem Rad als mit dem Auto fahren würden, gerade für kurze Strecken. Das Problem ist aber, dass Radfahren in Städten viel zu gefährlich ist. Das Sicherheitsgefühl der Menschen muss da sein, sonst setzt sich keiner aufs Rad.“

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So seien ganzheitliche Ansätze gefragt, wie sie etwa im Ausland längst gelebt werden. „Die Niederlande und Dänemark sind uns beispielsweise um Jahrzehnte voraus“, sagt Canzler, der auch hierzu eine Statistik hat: „Während Deutschland in der Klimapolitik in fast allen Bereichen große Fortschritte gemacht hat, ist der Verkehr das große Sorgenkind geblieben. Da ist seit 25 Jahren nichts passiert.“ So werde beispielsweise in Kopenhagen von der Regierung pro Kopf fast das Elffache von dem in radfreundliche Infrastruktur investiert, was in deutschen Städten üblich ist. In den Niederlanden, aber mittlerweile auch in europäischen Metropolen wie Madrid seien Innenstädte mittlerweile so angelegt, dass sie mit dem Auto kaum noch passierbar sind. In die Planung sollen Sportverbände aus der Sicht von Hermann-Josef Baaken, dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, eingebunden werden: „Ich wünsche mir, dass Sportvereine in die Stadt- und Raumplanung integriert werden. Oft sei es nämlich so, dass Sportanlagen und -hallen außerhalb der Städte angelegt werden und mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen sind.

Ein guter Anlass für einen groß angelegten strukturellen Wandel könnten für die Experten die Olympischen Spiele 2028 oder 2032 sein, um die sich die Metropolenregion Rhein-Ruhr bewerben will. „Diesen Schwung könnte man nutzen, um unsere Städte endlich bewegungsfreundlicher zu machen“, sagt Schneeloch. Sein LSB hat sich nun klar positioniert. Und auch aus der Politik, das deutet Christof Rasche an, soll künftig deutlich mehr Geld in die Mobilitätsentwicklung fließen.