Ringen : KSK-Ringer verzichten auf Prämien

Ungewöhnlich früh, am 14. August, startet die Ringer-Bundesliga in ihre Saison. In die geht der KSK Konkordia Neuss zwar mit einem Mini-Etat und trotzdem mit einem starken Kader. Möglich machen das die Sportler selbst, die auf 15.000 Euro an Prämien verzichten.

Hermann J. Kahlenberg ist keiner, der vorschnell ins allgemeine Wehklagen einstimmt. Dennoch sagt der Präsident des Kraftsportklubs (KSK) Konkordia Neuss drei Wochen vor dem Saisonstart der Ringer-Bundesliga, zu dem der KSK am 14. August Aufsteiger TSV Musberg in der Stadionhalle erwartet, unverblümt: "Wenn das so weitergeht, könnte es unsere letzte Saison in der Bundesliga werden."

Dass die Neusser überhaupt ihre zehnte Saison in Folge im Oberhaus bestreiten können, dafür haben die Sportler selbst gesorgt: "Sie verzichten auf 15 000 Euro Prämien", sagt Kahlenberg, "dadurch ist die Finanzierung dieser Saison gesichert." Die Lücke von knapp 10 000 Euro, die noch im Etat klafft, hofft er im Laufe der 18 Mannschaftskämpfe schließen zu können.

Doch die weitere Zukunft des Traditionsklubs sieht er keineswegs als gesichert an: "Zwei Sponsorenverträge laufen Ende des Jahres aus. Wenn die nicht verlängert werden, sehe ich kaum noch Chancen für uns." Denn neue finanzielle Unterstützer zu finden sei derzeit "so gut wie ausgeschlossen", sagt Kahlenberg: "Du bist schon froh, wenn die bisherigen weitermachen — egal, wie viel sie geben." Ein finanziell bedingter Rückzug — es nach AC Goldbach, VfK Schifferstadt und KSV Witten nicht der erste eines Traditionsvereins — hätte indes fatale Folgen für den KSK: Er müsste dann in der Verbandsliga einen Neuanfang starten, eine Klasse tiefer, als derzeit die Reserve ringt (die dann in die Landesliga müsste). Was unweigerlich zu einem Exodus der Leistungsträger führen würde: "Die jungen Leute wären nicht zu halten, die meisten von ihnen kämpfen ja in der Nationalmannschaft", weiß der KSK-Präsident um den "worst case".

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Den er selbstredend abwenden möchte: "Vielleicht können wir uns ja mit einer tollen Saison empfehlen." Das Zeug dazu besitzt der KSK, denn bis auf Georg Harth, der sich bei Aufsteiger TKSV Bonn-Duisdorf mehr Kampfeinsätze erhofft, ist der Kader weitestgehend zusammen geblieben. Mit Harths Bruder William, der vom SV Halbergmoos ins Rheinland wechselte, und dem Vorjahresmeister Yaschar Jamali (TV Aachen-Walheim) sind sogar zwei Zugänge der Kategorie "Hochkaräter" zur Truppe des Trainergespanns Ayhan Aytemiz (Freistil) und Oleg Dubov (griechisch-römischer Stil) gestoßen.

Die einen bei Sponsoren und Zuschauern nicht unwichtigen Pluspunkt besitzt: "Unsere Jungs haben zwar nicht alle ur-deutsche Namen", weiß Kahlenberg, , aber bis auf Jackson Vaillant-Cantero (Italien) und die Bulgaren Emilyan Todorov und Plamen Palev "alle einen deutschen Pass." Der KSK-Präsident ist sogar überzeugt: "Wenn nur Deutsche in der Bundesliga ringen dürften, würden wir Deutscher Meister." So peilt der KSK Platz fünf bis sieben in der Weststaffel an — trotz Mini-Etat.

(NGZ)