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Ringen: KSK leistet sportlichen Offenbarungseid

Ringen : KSK leistet sportlichen Offenbarungseid

Der KSK Konkordia Neuss ist auf dem Tiefpunkt seiner Bundesliga-Geschichte angekommen. Nicht nur, dass der 1924 gegründete Kraftsportklub nach dem Rückrundenauftakt zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg vor elf Jahren auf dem letzten Tabellenplatz steht. Viel schlimmer: In der Auseinandersetzung mit dem bisherigen Schlusslicht TuS Adelhausen, das in der gesamten Hinrunde sieglos geblieben war, gingen die Neusser mit 7:28 unter, entschieden nur zwei der zehn Gewichtsklassen für sich.

"Das war eine desolate Vorstellung", musste am Tag danach auch Hermann J. Kahlenberg eingestehen. Konsequenzen schloss der KSK-Präsident jedoch aus, zumindest zunächst einmal: "Wir werden diese Woche abwarten." Vielmehr wirbt Kahlenberg um Verständnis: "Wir haben das allerletzte Aufgebot zusammengekratzt, um überhaupt mit zehn Mann nach Adelhausen fahren zu können." Für einen seiner Ringer, Sergey Lupin, beantragte er am Samstagmittag zehn Minuten vor Toresschluss noch eine Lizenz für die Erste Liga: "Alles besser, als nicht komplett antreten und mit 0:40 verlieren", meint Kahlenberg.

Die Neusser wurden Opfer einer, wie auch ihr Präsident im Nachhinein zugibt, falschen Personalpolitik vor Saisonbeginn: Weil die bewährten, in der Region beheimateten Kräfte aus finanziellen Gründen nicht zu halten waren, stellte Cheftrainer Ayhan Aytemiz ein internationales Ensemble zusammen. Dumm nur: Die zum Rückrundenstart fest eingeplanten Türken Yusuf Köse, Sedar Böke und Yusuf Turkaya erhielten von ihrem nationalen Verband keine Freigabe, der Russe Saba Khubezhty ist nach der Roten Karte wegen seiner Boxeinlage gegen Andryy Shyyka (Köllerbach) noch gesperrt, der Georgier Gorgi Makishvili schaffte am Samstag das Gewicht für die Klasse bis 60 Kilogramm nicht.

Die Folge: Konkordia kassierte gleich vier Mal die "Höchststrafe" von 0:4 Punkten, weil die eilends herbeigeschafften Ersatzringer vollkommen chancenlos waren. Und hier liegt die eigentliche Ursache für das Debakel: Dem KSK fehlt der Unterbau, die Reserve dümpelt punktlos am Tabellenende der Oberliga. Seit Mimoun Touba hat es kein "Eigengewächs" mehr in die Erstvertretung geschafft, statt Aufbauarbeit setzte Aytemiz lieber auf die Verpflichtung "fertiger" Ringer aus anderen Klubs oder aus dem Ausland. Einstige "Talente" wie die Efremov-Brüder oder Sergey Lupin haben sich nicht weiterentwickelt. Bei Lupin dauerte es am Samstag 1:53 Minuten, bei Michael Efremov 63 Sekunden, ehe der Kampf wegen technischer Überlegenheit des Gegners abgebrochen wurde. "Adelhausen hatte auch alle seine Start aufgeboten", nimmt Kahlenberg seine Rumpftruppe in Schutz.

(NGZ)