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Staatssekretärin soll sich das Drama vor Ort ansehen: "Kreuzender Luftverkehr Besorgnis erregend"

Staatssekretärin soll sich das Drama vor Ort ansehen : "Kreuzender Luftverkehr Besorgnis erregend"

Von Ruth Wiedner

Von Ruth Wiedner

Die Kritik an den Erweiterungsplänen des Mönchengladbacher Flughafens spitzt sich mit Blick auf November zu: Dann wird die Betreiber-Gesellschaft den Bauantrag für den Ausbau bei der Bezirksregierung einreichen. Flughafen-Sprecher Peter Hauptvogel kann die neuerliche Aufregung nicht verstehen: "Es hat sich am Vorhaben im Vergleich zum Vorjahr nichts verändert." Steht in der Bürger-Kritik: der Flughafen Mönchengladbach mit seinen Ausbauplänen. NGZ-Foto: L. Berns

Für Brigitte und Hartmut Rauter hat das Vorhaben keine Berechtigung: "Der Bedarf ist nicht da. Was wir sehen, ist die Lärmbelästigung, die Gefahrenerhöhung und die Verschmutzung." Brigitte und Hartmut Rauter kämpfen als engagiertes Ehepaar mal allein, aber auch an der Seite von "Airpeace" gegen den geplanten Ausbau des Mönchengladbacher Flughafens. Sie, Betriebswirtin und er, Organisator bei einem Düsseldorfer Unternehmen, kamen 1994 nach Kleinenbroich.

"Nach dem wir lange in Düsseldorf gewohnt hatten, wollten wir dem Lärm der Stadt entfliehen und sind aufs Land gezogen", skizziert Brigitte Rauter die Veranlassung zu dem Wohnortwechsel. "Und heute sind wir entsetzt, was uns erwartet." Allerdings will die Wahl-Kleinenbroicherin nicht alles kommentarlos schlucken. Sie hat sich jetzt direkt an das Bundesverkehrsministerium in Berlin gewandt.

Vorausgegangen war ein Schriftwechsel zwischen dem CDU-Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer und dem Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig. Wimmer hatte ihn aufgefordert, für mehr Sicherheit im Flugraum über Korschenbroich zu sorgen. Als nun zum Monatsanfang die für die Flugplatz-Gegner unbefriedigende, äußerst theoretisch-mathematische Antwort von der Staatssekretärin Angelika Mertens vorlag, waren die Rauters nur noch sauer. Sie fühlten sich in ihren Sorgen weder ernst genommen, noch war für sie der Wille erkennbar, sich des Problems vor Ort erkennbar anzunehmen.

Und so lautet ihr Vorwurf an die Staatssekretärin: "Aus unserer Sicht ist Ihr Antwortschreiben rechtlich so abgesichert, dass bei Eintritt eines Unglücksfalles niemand die persönliche Verantwortung zu übernehmen braucht." Da sich die Rauters wenig für Entscheidungen fern ab vom Geschehen - am grünen Tisch gefällt - begeistern können, fordern sie Angelika Mertens auf, sich ein "persönliches Bild" von der Situation zu machen: Dabei raten sie ihr vom reinen Überfliegen per Hubschrauber ebenso ab wie vom trockenen Aktenstudium oder durch ein Briefing von Landeskarten.

"Sollten Sie im Bereich des Luftkreuzes Kleinenbroich aussteigen, werden Sie feststellen, mit welcher dichten Taktfrequenz die Maschinen den Flughafen Düsseldorf ansteuern", heißt es in dem Schreiben an die Staatssekretärin. Und weiter: "Bei Ostwind brausen von 6 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts in Spitzenzeiten alle drei bis fünf Minuten anlandene Maschinen Richtung Düsseldorf in Ost-Westrichtung über unsere Köpfe hinweg - viel zu tief und mit ohrenbetäubendem Jaulen und Kreischen."

Auch wenn die Rauters die existierende Nachtflugregelung ansprechen, sieht es in der Praxis dann aber doch etwas anders aus: Verspätete Landungen bis 24 Uhr sind zulässig, wenn die Fluggesellschaften ihren örtlichen Wartungsschwerpunkt in Düsseldorf haben. Die Kleinenbroicher sprechen in dem Zusammenhang von acht Gesellschaften und stellen zudem fest: "Verspätete Landungen dieser Maschinen sind inzwischen zur Regel geworden."

Die Rauters lenken den Blick der Staatssekretärin aber auch auf die startenden und landenden Flugzeuge aus Mönchengladbach, "die ebenfalls in niedriger Höhe in Nord-Südrichtung über Kleinenbroich fliegen und sich mit den vorgenannten Maschinen kreuzen". In diesem Luftkreuz befinden sich vier Kindergärten, eine Realschule, eine Hauptschule, eine Sporthalle und Wohnsiedlungen.

Für die Rauters stellt sich auch die Frage nach der Genießbarkeit der Feldfrüchte, wenn die niedrig fliegenden Maschinen die bestellten Felder überquerten. Für sie ist ein Flugplatz-Erweiterungsbedarf nicht erkennbar, im Gegenteil: "Die in Mönchengladbach nicht erwirtschafteten Gewinne reduzieren die Steuereinnahmen." Ihr Rückschluss: "Verschleudern von Steuergeldern."

Mit dem Bauantrag, dem damit anlaufenden Planfeststellungsverfahren und einer möglichen Erweiterung sehen sie auch, "Düsseldorf soll von alten Krachmühlen und Chartermaschinen entlastet werden". So steht für das Ehepaar Rauter fest: "Wir werden daher mit allen gebotenen, rechtlichen Mitteln gegen die Unfallgefahren, die sich aus dem kreuzenden Luftverkehr ergeben, ankämpfen."

(NGZ)