Jüchen : Kreis liefert Spielplatz-Daten

Rat und Verwaltung wollen die Jüchener Spielplätze den Bedürfnissen anpassen und überflüssige Standorte schließen. Entscheidungsgrundlage sollen die nun vom Kreis vorgelegten Zahlen sein. Doch die FWG schießt quer.

Die Arbeitswoche hat gerade erst begonnen, da ist Bürgermeister Harald Zillikens bereits auf Betriebstemperatur. "Diese Mail ist eine Frechheit", tobt Zillikens, gemeint ist ein Schreiben des FWG-Fraktionsvorsitzenden Gerolf Hommel.

Der hat gestern Morgen die Jüchener Verwaltung und Ratsfraktionen davon in Kenntnis gesetzt, künftig nicht mehr in der "Arbeitsgruppe Spielplatz" mitwirken zu wollen. Hintergrund ist neues Zahlenmaterial aus dem Geodatenmanagement des Kreises, mit dem die Arbeitsgruppe über die Zukunft der Jüchener Spielplätze entscheiden soll. Aus Sicht der FWG eine unnötige Belastung, die in den Aufgabenbereich der Verwaltung fällt.

Auf 55 Seiten listet die Gemeindeverwaltung 39 Spielplätze auf, liefert Kinderzahlen pro Standort und zeigt Überschneidungen in den Einzugsgebieten. Eine Vorgabe macht die Verwaltung nicht, die Analyse überlässt sie der Arbeitsgruppe. Drei Ortsbegehungen sollen subjektive Eindrücke mit objektiven Daten vermischen — "diese Entscheidungsgrundlage ist optimal", sagt Zillikens.

Das sieht Hommel anders: "Das Erstellen eines Spielplatzkonzeptes ist Aufgabe der Verwaltung. Meine Fraktion hat das Gefühl, dass die Verwaltung sich hier aber aus der Verantwortung stiehlt, da das Thema nicht ohne Brisanz ist." Zudem würden mit den Ortsbegehungen Überstunden aufgebaut.

"Die Terminvorschläge kamen von der Politik. Herr Hommel sollte vielleicht erst einmal Rücksprache halten, bevor er die Verwaltung angreift", hält Zillikens entgegen. Tatsächlich steht Hommel mit seinem Vorstoß allein auf weiter Flur. SPD-Fraktionschef Holger Tesmann vermutet eine neuerliche Kungelei der FWG mit der CDU, "schließlich hat auch die CDU zuletzt immer wieder gefordert, konkrete Verwaltungsvorschläge im Rat zu diskutieren". Doch CDU-Fraktionschef Norbert Esser will nichts von einer Absprache mit der Wählergemeinschaft wissen: "Wir bleiben selbstverständlich in der Arbeitsgruppe."

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe werden sich vor allem auf die Überschneidungen der Spielplätze konzentrieren müssen. In Jüchen und Hochneukirch liegen die Spielplätze eng beieinander. Ein Beispiel sind die Jüchener Standorte Kurzer Weg, Hasenweg, Fuchsberg. Fraglich ist auch die Zukunft der Spielplätze in den ländlichen Ortschaften. In Waat beispielsweise leben nur noch 19 Kinder im Alter bis zehn Jahren. "Ich denke aber nicht, dass es sinnvoll ist, dort Spielplätze zu schließen. Es fehlen die ortsnahen Alternativen", sagt Holger Tesmann. Die Diskussion geht weiter — ohne FWG.

(NGZ/rl)