Korschenbroich : Konzert für Straßenkinder

Mit einem Konzert des Blechbläserquintetts "Hauptstadtblech" in St. Andreas hilft die "Kinder-Direkthilfe Korschenbroich" Straßenkindern in Bolivien. Der Reinerlös kommt der Arbeit von Pater Josef Neuenhofer zugute.

Mit strahlendem Sound schallte ein dem Preußenkönig gewidmeter Marsch durch das ehrwürdige Kirchenschiff der Kirche St. Andreas. Die Ursache: "Hauptstadtblech". Unter diesem profanen Titel musizierte ein Berliner Blechbläserquintett, das das Publikum mit auf eine höchst unterhaltsame Weltreise nahm.

Doch vom Hörgenuss profitieren auch andere. Der Erlös des Konzerts kommt der Arbeit von Pater Josef Neuenhofer zugute, der Straßenkindern in La Paz in Bolivien Vater, Freund und Lebensretter ist.

Leider kamen nur rund 80 Zuhöer in die Pfarrkirche, dabei war Hochkarätiges zu hören: Die fünf Bläser, rhythmisch wirkungsvoll unterstützt vom Perkussionisten Stefan Kickertz, bewiesen eindrucksvoll ihr Können. Sie studieren noch, wie Stefan Grasse (Tuba) an der Universität der Künste, oder haben bereits feste Engagements.

Johannes Huprich etwa ist Solo-Trompeter im Berliner Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Michael Knake (Posaune) holt sich den letzten Schliff an der Berliner Musikhochschule. Und Tom Pielucha (Trompete, Flügelhorn) ist zugleich ein begabter Arrangeur, der anspruchsvolle Sätze dem Ensemble auf das Pult legt. Dazu gehört auch Valentin Jahn, der 90 Minuten lang sein Waldhorn ohne "Kiekser" spielte: wunderbar.

Die sechs Musiker haben sich bei Orchesterprojekten kennen gelernt und wollten mal im Rampenlicht stehen, denn im Orchester sitzen Bläser in der vorletzten Reihe. Ihr Spektrum reicht von Barock bis Pop. Ouvertüre, Air und Marsch aus Händels "Wassermusik" werden ebenso brillant gespielt wie "I can do that" aus dem erfolgreichen Broadway-Musical "A Chorus Line" von Marvin Hamlisch. Die Musiker entpuppten sich als Weltenbummler — von Europa in die Neue Welt und wieder zurück.

Abstecher führten nach Mexiko ("Tijuana-Taxi" von Herb Alpert), Argentinien (Tango) und Kuba (Guantanamera). Immer stand die anspruchsvolle Musikalität im Vordergrund: Szenische Lustbarkeiten bereiteten Vergnügen, waren aber frei von Klamauk. So bleibt der Apfel auf dem Kopf des Schlagzeugers bei der Ouvertüre zu Rossinis Oper "Wilhelm Tell" heil.

Matthias Hülser, Leiter der Musikkapelle Kleinenbroich, hatte das Ensemble nach Korschenbroich vermittelt. Karl-Heinz Göris vom Vorstand der "Kinder-Direkthilfe Korschenbroich" ist überzeugt, dass beim nächsten Konzert von "Hauptstadtblech" die Kirche voll besetzt sein wird. Für einen solchen Benefizzweck wollen die Berliner Musiker gerne wieder kommen.

(NGZ)