Lokalsport: Konermann geht ohne Tränen

Lokalsport: Konermann geht ohne Tränen

Wer in Grevenbroich an den VSC Grevenbroich denkt, der denkt an Harald Konermann. Doch nach 22 Jahren als Vorsitzender des Volleyball-Vereins stellte sich der 70-Jährige nicht mehr zu Wahl. Er setzt andere Prioritäten.

Wer gedacht hatte, es würde einen tränenreichen Abschied geben, der musste sich bei der Jahreshauptversammlung des VSC Grevenbroich eines Besseren belehren lassen. Als Vorsitzender Harald Konermann ankündigte, dass er nach 22 Jahren an der Spitze des Volleyball-Vereins nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung steht, war er jedenfalls sehr gefasst. "Das ist mir in keiner Weise schwer gefallen. Alles hat seine Zeit, und ich hatte ja die Gewissheit, dass meine Nachfolge optimal geregelt ist", meinte Konermann auf Nachfrage der NGZ.

In der Vergangenheit hatte er schon des Öfteren darüber nachgedacht, sich von der vordersten Front zurückzuziehen, doch aus Mangel an Alternativen erklärte er sich immer wieder bereit, seine Amtszeit zu verlängern. "Ich habe das schon als Verpflichtung gesehen. Schließlich habe ich den Verein mitgegründet und wollte immer vermeiden, dass er Schaden nimmt", erklärt Konermann. 1988 war es, als er nach Problemen mit dem Hauptverein des TuS Grevenbroich zusammen mit den anderen Gründungsmitgliedern beschloss, die Volleyball-Abteilung zu verlassen und einen neuen Verein aus der Taufe zu heben. Zuvor hatte Konermann schon als Abteilungsleiter und als Vize-Präsident im Gesamtvorstand des TuS gearbeitet. Doch vor einigen Jahren reifte in Konermann die Erkenntnis, dass spätestens mit 70 Jahren Schluss sein sollte mit einer Führungsrolle im Verein. Und diese magische Zahl hat er, 1940 in Hückewagen geboren, in diesem Jahr nun mal erreicht.

"Dieses Amt bringt zwangsläufig Zwänge mit sich, denen ich mich nicht mehr aussetzen will. Ich möchte mein Leben freier gestalten können", stellt Konermann klar. So reisen er und seine Frau Annemarie leidenschaftlich gerne. Morgen geht's beispielsweise für eine Woche nach Wien, im Sommer steht wie die vergangenen 30 Jahre ein Tripp an die französische Atlantikküste an. Es ist schon eine gute Tradition, sich dort mit Sportskameraden zu treffen, um — wie könnte es anders sein — Volleyball zu spielen. Aber auch der Familie möchte Konermann noch mehr Zeit widmen. Zwei Kinder und drei Enkel bieten wahrlich genug Betätigungsfelder. "Im April sollen Fahrradführerscheine gemacht werden, da ist unser Einsatz gefordert", sagt Konermann voller Vorfreude.

Doch ganz kann er natürlich nicht vom Volleyball lassen. Die Aktivitäten der Ü 66-Senioren des VSC will er noch weiter organisieren, im Mai steht zum Beispiel der Ausflug zu den Deutschen Meisterschaften nach Ascherleben an. Auch hat seine Nachfolgerin Christina Aberle ihn gebeten, ihr mit seinem im Laufe der Jahre angeeigneten Wissen und seiner Erfahrung als Ratgeber zur Verfügung zu stehen. Klar, dass Konermann eine solche Bitte nicht abschlagen kann, denn sein Herz schlägt nach wie vor für den VSC: "Am meisten hatte ich Spaß daran, mit wie viel Begeisterung die Mitglieder bei der Sache waren. Das Vereinsleben ist einfach klasse."

(NGZ)