Kommentar zur Situation der Neusser Galopprennbahn

Galopp: Vielleicht sollte man mal miteinander reden

Es ist vieles unsicher rund um die Neusser Galopprennbahn, doch eines ist sicher: Fehler haben alle Beteiligten gemacht – die Stadt, der Neusser Reiter- und Rennverein, der Galopper-Dachverband und die im Rat vertretenen politischen Parteien.

Doch darum geht es gar nicht. Die Zeit der gegenseitigen Schuldzuweisungen, des Mit-dem-Finger-auf-den-jeweils-anderen-Zeigen sollte spätestens mit diesem 29. Dezember 2018 vorbei sein. Der letzte Renntag des Jahres und seine nach „neuem Konzept“ organisierten beiden Vorgänger, die zusammen gut und gerne 10.000 Besucher anlockten, haben eines bewiesen: Dass diese Rennbahn zu dieser Stadt gehört, was sie faktisch ja auch seit 143 Jahren tut. Ob diese Besucher nun der Streetfood-Trucks oder der galoppierenden Pferde wegen den Weg zum Hessentor fanden, ist zweitrangig (und als bekennender Fußball-Fan sollte Bürgermeister Reiner Breuer eigentlich wissen, dass die Bundesliga-Stadien auch nicht allein wegen des oftmals langweiligen Gekickes auf dem Rasen so gut gefüllt sind).

Vorrangig ist, dass sich in dieser Stadt etwas bewegt – und das kommt so häufig ja nicht vor. Natürlich kann der Reiter- und Rennverein nicht ad infinitum am Tropf anderer hängen. Doch statt ihm diesen Tropf abzuschneiden, sollten Stadt und Politik ihn wieder in die Lage versetzen, Einnahmen zu erzielen, die er vor der Übertragung der „Lufthoheit“ an Neuss Marketing ja durchaus hatte. Nutzt er dann diese – letzte – Chance nicht, ist es legitim, über eine andere Nutzung des Geländes nachzudenken, das allerdings als Frischluftschneise für eine Umwelt-belastete Innenstadt unverzichtbar ist. Das geht aber nur, wenn sich alle Beteiligten mal an einen Tisch setzen und ohne Schuldzuweisungen und Emotionen miteinander reden und miteinander planen – statt aneinander vorbei oder gegeneinander. In einem Interview mit unserer Redaktion hat Reiner Breuer davon gesprochen, wie wichtig „Identifikationspunkte“ für eine Stadt sind. Eine gut geführte Galopprennbahn könnte ein solcher sein.

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