Kommentar zum Trainerwechsel beim TSV Bayer Dormagen

Handball : Das schwere Erbe des Dusko Bilanovic

Trainerwechsel sind stets eine heikle Angelegenheit. Der bei den Handballern des TSV Bayer Dormagen war eigentlich längst überfällig. Dass der abstiegsgefährdete Zweitligist bis zum letztmöglichen Zeitpunkt – der Wiederaufnahme des Trainings nach der Weihnachtspause – gewartet hat, zeigt, dass die Beurlaubung von Ulli Kriebel kein Schnellschuss war, sondern das (logische) Ergebnis von Analyse und Bestandsaufnahme.

Trainerwechsel bergen stets ein Risiko, nämlich das des Scheiterns. Im Falle von Dusko Bilanovic wäre das doppelt prekär, denn der 47-Jährige sollte eigentlich erst zur neuen Spielzeit den Platz auf der Kommandobrücke einnehmen. Steigt der TSV Bayer unter seiner Regie ab, könnte der neue Mann schneller „verbrannt“ sein, als es den Dormagener Verantwortlichen (und ihm selbst) lieb sein kann.

Dusko Bilanovic tritt also ein schweres Erbe an. Allerdings ist es kein Himmelfahrtskommando, auf das sich der gebürtige Serbe, der seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland lebt, eingelassen hat. Erstens ist der Abstand zu den rettenden Tabellenplätzen (noch) nicht unüberbrückbar. Zweitens übernimmt Bilanovic ein intaktes Mannschaftsgefüge mit individuell gut geschulten Spielern, denen es bislang allerdings an der richtigen taktischen Ausrichtung und der gerade im Abstiegskampf notwendigen Disziplin fehlte. Kriegt er beides auf die Reihe, könnte der 10. Januar 2019 ein guter Tag in der Dormagener Handball-Geschichte gewesen sein. Allerdings ist das Unterfangen in einer solch engen Liga und bei fünf Absteigern schwer genug. Volker Koch