Radsport : Knees einfach nur unwiderstehlich

Das bis zum Schluss packende Rennen nutzte der 30 Jahre alte Radprofi zu einer Demonstration seiner Klasse. Nur drei Tage nach seinem starken Auftritt bei der Tour de France siegte er auf der Kaiser-Friedrich-Straße deutlich vor Alessandro Petacchi. Zu begeistern wusste auch Danilo Hondo.

Zwar hatte die Tour de Neuss gestern Abend in ihrer elften Auflage den elften Sieger, doch Christian Knees (Team Sky) gehört in der Quirinusstadt mittlerweile fast schon zum Inventar. "Ich war schon als Amateurfahrer dabei, ich denke, an die zehnmal bin ich hier schon gestartet", sagte der 30-Jährige gestern Abend nach seinem beeindruckenden Auftritt im Ziel. Und darum freute den Bonner sein Husarenritt über 81 Runden zum Sieg auch ganz besonders. "Denn die Stimmung in Neuss ist immer super, und das kann ich im Namen aller Fahrer sagen."

In einem Kriterium, das von der ersten bis zur letzten Runde Aktion pur bot, sicherte sich der Italiener Alessandro Petacchi (Team Lampre), wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten als Sprinter in der Szene mit dem Spitznamen "Ale-Jet" bedacht, deutlich geschlagen vor Dominik Nerz (Team Liquigas) Platz zwei. Das Trio hatte bis zuletzt (Petacchi war nach bösem Sturz bereits nach der elften Etappe ausgeschieden) noch bei der Tour de France geschuftet.

Überhaupt waren es in Neuss die Frankreich-Fahrer, die das Rennen vor rund 10 000 Zuschauern zu etwas Außergewöhnlichem machten. Allen voran der wie Petacchi bereits 38-Jährige Danilo Hondo. Der Profi des italienischen Teams Lampre ISD war am Sonntag auf der letzten Etappe der Tour de France in Paris fünf Kilometer vor dem Ziel schwer gestürzt, hatte das Rennen auf den Champs-Élysées aber noch beendete. Im Krankenhaus waren später mehrere Kopf- und Gesichtsverletzungen mit 15 Stichen genäht worden. "Der Mann sieht aus, als hätte er mit Rocky Balboa im Boxring gestanden", witzelte Marcel Wüst, der an der Seite von Volker Koch wieder fachlich gekonnt, aber ansteckend launig durch den gelungenen Abend führte. Zwar langte es für Hondo nach Rang zwei im Vorjahr diesmal "nur" zum vierten Rang, doch gehörte der "Mann ohne Schmerzen" zu den angriffslustigsten Fahrern im Feld. Ihm gelang sogar eine Premiere: Zum ersten Mal seit der ersten Auflage 2002 nahm er dem Hauptfeld im Alleingang eine Runde ab. Die Ehrung zum "kämpferischsten Fahrer" war sein verdienter Lohn. Weil ihm wenig später neun weitere Ausreißer folgten, nahm die Jury um Udo Bährens fünf Runden vor Schluss alle Fahrer, die nicht zur Spitzengruppe gehörten, aus dem Rennen.

Erst zwei Runden vor dem Ende gelang Knees der entscheidende Vorstoß — der Rest war einfach nur unwiderstehlich.

(NGZ/url/top/jco)