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Korschenbroich: Kleingärtner bringen Familien Natur nahe

Korschenbroich : Kleingärtner bringen Familien Natur nahe

Der Vorsitzende des Korschenbroicher Kleingärtnervereins erklärt, warum es eine neue Sehnsucht nach dem Grünen gibt, wie sich Kleingärten verändert haben – und dass der Verein mit einem Projekt mehr soziale Verantwortung übernimmt.

Der Vorsitzende des Korschenbroicher Kleingärtnervereins erklärt, warum es eine neue Sehnsucht nach dem Grünen gibt, wie sich Kleingärten verändert haben — und dass der Verein mit einem Projekt mehr soziale Verantwortung übernimmt.

Herr Dörr, seit sechs Jahren sind Sie Vorsitzender des Korschenbroicher Kleingärtnervereins. Sind Sie mit seiner Entwicklung zufrieden?

Dörr Ja, der Verein hat sich positiv entwickelt. Wir haben zurzeit 125 Mitglieder. Aber wir können nicht endlos wachsen...

...weil Sie nur über eine begrenzte Zahl an Gärten verfügen.

Dörr Richtig. Wir haben 59 Gärten. Jeder umfasst 400 Quadratmeter.

Ist es heute schwierig, junge Menschen für das Kleingärtnerwesen zu begeistern?

Dörr Man muss mit der Zeit gehen. Viele finden uns zum Beispiel über unsere Internetseite.

Gibt es den typischen Kleingärtner?

Dörr Es sind zwei Gruppen, die Interesse haben. Da sind zum einen ehemals Berufstätige, die im Ruhestand eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung suchen. Zum anderen aber auch immer mehr junge Eltern, die ihren Kindern die Natur nahebringen wollen, die ihnen zeigen wollen, dass es Gemüse nicht nur eingeschweißt im Supermarkt gibt.

Magazine wie "Landlust" boomen. Gibt es eine neue Sehnsucht nach dem Grünen?

Dörr Die Menschen legen wieder mehr Wert auf ihre Freizeit. Das stimmt. Auch das ökologische Bewusstsein hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Ab dem Frühjahr wollen Sie einen Garten für bedürftige Familien anbieten. Wie kam es dazu?

Dörr Wir haben das in Nachbarkommunen gesehen und fanden die Idee toll. Zudem haben wir gemerkt, dass sich interessierte Familien wohl wegen des Geldes nicht mehr gemeldet hatten. Wir wollen soziale Verantwortung übernehmen.

Interessierte Familien können sich dann bewerben?

Dörr Ja, wir haben den Garten und alles schon gekauft. In ein paar Monaten werden wir starten.

Wie teuer ist eigentlich die Mitgliedschaft bei Ihnen?

Dörr Alles in allem ungefähr 200 Euro im Jahr. Im vergangenen Jahr habe ich aber alleine an Äpfeln schon einen größeren Wert geerntet (lacht).

Wie haben sich Kleingärten über die letzten 20, 30 Jahre verändert?

Dörr Es wird heutzutage weniger Gemüse angebaut, zum Beispiel auch weniger Kartoffeln und Zwiebeln. Es wird mehr mit Kräutern, Pflanzen und Blumen experimentiert. Ein Mitglied hat etwa die südamerikanische Pflanze Stevia gezüchtet. Sie ist ein Süßungsmittel.

Sie sagen, der Kleingartenverein ruhe auf drei Komponenten. Welche sind das?

Dörr Die erste Komponente ist die ökologische. Wir liegen in einem Wasserschutzgebiet und pflegen einen Fleck öffentliches Grün. Die zweite Komponente umfasst das Soziale. Wir geben auch für Nicht-Mitglieder zum Beispiel Baumschnitt-Kurse. Gruppen aus Kindergärten sowie die Bewohner des Altenheims besuchen uns. Als dritte Komponente legen wir Wert darauf, den Generationenwechsel zu begleiten. Wir sprechen verstärkt junge Familien an.

FABIAN EICKSTÄDT FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ/rl)