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Korschenbroich: Kleinenbroicher im Vorstand der Euro-Skeptiker

Korschenbroich : Kleinenbroicher im Vorstand der Euro-Skeptiker

In Rommerskirchen hat sich am Wochenende der NRW-Verband der "Alternative für Deutschland" gegründet.

Die neue Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), die statt des Euro wieder die D-Mark einführen will, hat ihren NRW-Landesverband fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Ansteler Schützenhalle gegründet – und dabei den promovierten Wirtschaftsjuristen Hermann Behrendt zu einem der drei stellvertretenden Landessprecher gewählt. Die knapp 400 AfD-Vertreter bestimmten Professor Alexander Dilger, der sich in einer Kampfabstimmung gegen Martin Renner durchsetzen konnte, zum Landessprecher. Dilger lehrt an der Universität Münster Wirtschaftswissenschaften.

Wie AfD-Vize-Landessprecher Behrendt erklärte, lag die Entscheidung für Anstel auch am Mietpreis: "Düsseldorf konnten wir uns noch nicht leisten." Die Öffentlichkeit sei jedoch zugelassen gewesen, wie er betont. Schließlich solle das Programm verbreitet werden: "Der Euro ist gescheitert, diese Missgeburt muss beendet werden", behauptet der Wirtschaftsjurist.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, in dessen Wahlkreis Anstel liegt, sagt zur Konkurrenz durch die AfD: "Wir als CDU werben weiter für unseren Kurs für Europa und den Euro. Wir nehmen die Sorgen der Menschen natürlich ernst, aber eine D-Mark-Nostalgie führt in die Irre und schwächt Deutschland."

Erst vor gut zwei Wochen hatten die Euro-Kritiker Kontakt zur St.-Sebastianus-Bruderschaft in Anstel aufgenommen, um deren Halle an der Lindenstraße zu mieten. "Sie hätten lieber in Köln, Bonn oder Düsseldorf getagt, aber da fand sich wohl kurzfristig keine geeignete Location", meint Brudermeister Norbert Kramer, der vermutet, dass die AfD über das Internet auf die halle aufmerksam wurde. Dass die Veranstaltung geradezu klammheimlich über die Bühne ging, könnte Kramer zufolge darauf zurückzuführen sein, dass es bei einem AfD-Treffen in Hessen kürzlich zu einer Gegenkundgebung der Occupy-Bewegung gekommen sei, bei der diese Flugblätter verteilt häten. Dass es eine Verbindung der AfD in die Gemeinde geben könnte, hält Kramer für unwahrscheinlich. Unter den Delegierten waren – soweit bekannt – keine Rommerskirchener.

Von dem "Geheimcoup" der AfD ist auch die Gemeindespitze überrascht. "Wir wussten davon nichts. Das ist ein Geschäft zwischen der Bruderschaft und der AfD", mag der Rommerskirchener Rathaussprecher Elmar Gasten den Vorgang nicht weiter kommentieren.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Martin Mertens stellt die AfD "inhaltlich eine brisante Mischung" dar. Sie sei "ein Sammelbecken von streng marktradikalen Euro-Skeptikern und rechtskonservativen Kräften." Die AfD könne "für die nach links gerückte Merkel-CDU eine nicht zu vernachlässigende Gefahr bei der Bundestagswahl" sein. Bislang sei es sich eine Ein-Themen-Partei. "Erfahrungsgemäß reicht das nicht, um langfristig im deutschen Parteiensystem Fuß zu fassen", sagt Mertens: "Beim Sprecher der Gruppierung in NRW handelt es sich um einen meiner früheren Dozenten." Mertens zufolge vertritt Professor Dilger "auch in den Wirtschaftswissenschaften umstrittene, marktradikale Thesen, mit denen ich mich bereits früher sehr kritisch auseinandergesetzt habe."

Für UWG-Fraktionschefin Ulrike Sprenger setze die AfD-Gründung "die europäische Einheit aufs Spiel." Sie hält es für "sehr gefährlich aus dem Euro auszusteigen und aus der EU auszuscheren."

(NGZ)