SV Uedesheim Der Macher mit Herz und Charme sagt ade

Uedesheim · Nach mehr als drei Jahrzehnten an vorderster Front macht Klaus Haas als Vorsitzender des SV Uedesheim am Donnerstag tatsächlich Schluss.

Rheinische Frohnatur mit dem Herz am rechten Fleck: Bei den Spielen der Fußballer des SV Uedesheim ist der scheidende Vorsitzende Klaus Haas in Zukunft nur noch als Fan dabei.

Rheinische Frohnatur mit dem Herz am rechten Fleck: Bei den Spielen der Fußballer des SV Uedesheim ist der scheidende Vorsitzende Klaus Haas in Zukunft nur noch als Fan dabei.

Dieser Donnerstag ist ein trauriger Tag für den Fußball im Rhein-Kreis. Bei der Jahreshauptversammlung des SV Uedesheim am Abend tritt in Klaus Haas einer der letzten Patriarchen ab. Er gehört noch zur Generation von unumstrittenen (Vereins-) Kapitänen wie Jupp Breuer (SC Kapellen), Johann „Schäng“ Dahmen (Holzheimer SG), Herbert Schikora (TuS Grevenbroich), Dietmar Motzek (BV Wevelinghoven) oder der in diesem Monat verstorbene Hans Sturm (TuS Hackenbroich), die mit ihrem Klub praktisch in einer Symbiose verbunden schienen.

Als Klaus Haas 1958 zum SV Uedesheim fand, verzauberte der damals erst 17-jährige Pelé die Fußballwelt bei der WM in Schweden. Als der Trainer mit B-Lizenz (erworben 1968) 1990 als zweiter Mann in den Vorstand aufrückte, wurde Deutschland mit Franz Beckenbauer auf der Trainerbank Weltmeister. Und als der ehemalige Werkstattleiters bei Novopress im Barbaraviertel fünf Jahre später den an der alten Römerstraße ebenfalls hochverehrten Heinz Neuhausen an der Spitze ablöste, dümpelte der SVÜ noch in der untersten Liga herum. Mit dem Aufstieg in die Kreisliga B im Jahr darauf begann die mit ihm und seinem treuen Stellvertreter Heinz-Peter „Peti“ Becker auf ewig verknüpfte Erfolgsgeschichte des 1928 gegründeten Vereins: Die Fußballer marschierten bis in die Oberliga Niederrhein (2012), die bis 2016 in der Skaterhockey-Bundesliga spielenden Uedesheim Chiefs machten den knapp 5000 Einwohner zählenden Neusser Stadtteil am Rhein als Pokalsieger und Halbfinalist im Europacup auch international bekannt. Den Bau der „Chiefs Garden“ genannten Skaterhockey-Halle auf der Bezirkssportanlage am Norfer Weg sowie den mit gehöriger Eigenleistung errichteten und 2014 eröffneten Kunstrasenplatz trieb er mit Herz und Feuereifer voran.

Und doch: Obwohl er auch mit 71 Jahren immer noch vor Elan strotzt, hat er erkannt, dass die Zeit reif ist für eine neue Generation. Klare Kante. Ganz oder gar nicht, was für ihn auch die Rolle der grauen, aber immer noch einflussreichen Eminenz im Hintergrund ausschließt. Da ist er konsequent. So wie vor fast drei Jahrzehnten nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des SV Uedesheim: Seine Wochenenden verbrachte der ehemalige Uedesheimer Schützenkönig (2002/2003) fortan nicht mehr auf der Galopprennbahn, sondern auf dem Fußballplatz.

Ein „Zocker“ ist er indes stets geblieben. Der Fuchshengst Acatenango, von 1985 bis 1987 Galopper des Jahres in Deutschland, bescherte ihm am Neusser Hessentor mal ein schönes Sümmchen, auch in Las Vegas war ihm das Glück hold. Der Besuch des Aachener Spielcasinos an jedem Freitag, den 13. eines Jahres ist (Familien-) Tradition. Sein bis heute höchster Wettgewinn: 5580 Mark. Den Zwischenstopp auf der Flugreise zur Hochzeit seiner Tochter Andrea in Australien nutzte er zu einem kleinen Spielchen im Marina Bay Sands Casino in Singapur. Dort sahnte er mit seinen letzten Chips satte 1000 Euro ab.

Grundsätzlich steht der generöse Gemütsmensch zwar immer mit beiden Beinen auf dem Boden, doch das können durchaus auch die Planken eines Kreuzfahrtschiffs sein. Alle zwei Jahre geht es mit Frau Christine, mit der er seit 1974 glücklich verheiratet ist, auf große Fahrt. Dann ersetzen die Meere dieser Welt die heimische Spielwiese: den riesigen Garten hinter dem behaglich eingerichteten Eigenheim in Uedesheim. „Das Heiligtum“, sagt der im Verein für die Ressorts Marketing & Presse zuständige Sohn Christian Haas schmunzelnd. Hier verbringt der stolze Opa jeden Tag Stunden, besonders gerne mit seinen beiden Enkeln Marlena (6) und Alexander (2). Sein spezielles Fitnessprogramm, „denn selber macht Vatter schon seit Jahrzehnten keinen Sport mehr“, verrät der zurzeit mit einem Bandscheibenvorfall außer Gefecht gesetzte Christian Haas. Trotzdem steht für ihn hundertprozentig fest: „Von der Energie her müsste er eigentlich weitermachen ...“

Doch die Entscheidung ist gefallen. Und das betrübt den 2. Vorsitzenden Willi Oerding sehr: „Seine Spuren werden in die Geschichte des Vereins eingehen. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind groß.“