Handball : Klassenerhalt wie Titel gefeiert

Nach ihrer Rückkehr vom Relegationssieg gegen den TV Emsdetten machten die Handballer des TSV Dormagen die Nacht zum Tage. Trainer Kai Wandschneider hat seinen Spielern bis zum 22. Juli freigegeben.

Dass im Haus Bismarck, der Kneipe von Hallenwirt Uli Jung, nach der Rückkehr aus dem Münsterland gefeiert würde, das wussten die Spieler des TSV Dormagen. Doch was sie erlebten, nachdem sie mit einer 26:29-Niederlage (Hinspiel 27:23) im entscheidenden Relegationsspiel beim TV Emsdetten den Verbleib in der Bundesliga perfekt gemacht hatten, das verschlug ihnen dann doch die Sprache.

 In Feierlaune: Ex-TSV-Spieler Peter Sieberger (links) und Maciej Dmytruszinski.
In Feierlaune: Ex-TSV-Spieler Peter Sieberger (links) und Maciej Dmytruszinski. Foto: H. Zaunbrecher

"Die Fans haben uns einen ganz tollen und herzlichen Empfang bereitet. Das hätte nicht besser sein können, wenn wir Meister geworden wären", meinte TSV-Coach Kai Wandschneider, der bis etwa 3.30 Uhr mitfeierte. Doch als er am frühen Sonntagmorgen das Feld räumte, war noch lange nicht Schluss...

"Die Fans haben eben mitbekommen, dass dieser Klassenerhalt für uns genauso viel Wert war wie eine Meisterschaft. Das zu spüren, geht einem schon nah", war der Dormagener Trainer auch gestern immer noch ergriffen von den Ereignissen des Wochenendes und der ganzen Saison. Einer Saison, die von so unglaublich vielen Rückschlägen für die sowieso schon als krasse Außenseiter ins Rennen gegangenen Chemiestädter geprägt war, dass Außenstehende den Glauben an ein gutes Ende zwischenzeitlich verlieren mussten.

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Die Mannschaft und deren Umfeld im Verein verloren den Glauben offenbar nie, jeder Rückschlag schweißte sie noch mehr zusammen. Egal, ob die Verletzten Florian Wisotzki und Tobias Plaz oder der wegen seines Abgangs nach Gummersbach viel kritisierte Christoph Schindler — alle waren sie Emsdetten dabei, um den TSV im Hexenkessel der Sporthalle Berg Fidel zumindest moralisch zu unterstützen.

Auch Spyros Balomenos, der wegen eines Länderspieleinsatzes mit Griechenland gegen Deutschland fehlte, wollte seinen Mannschaftskameraden ganz nah sein. Er platzte mit einem Anruf in die Feierlichkeiten im Reisebus, um zu gratulieren und sich mit seinen Kameraden zu freuen. "Das zeigt, welcher Zusammenhalt in dieser Truppe herrscht", betonte Wandschneider nicht ohne stolz. Selbst der nur für das eine Spiel verpflichtete Routinier Gennadij Chalepo verabschiedete sich mit den Worten: "Es war eine Ehre, mit euch gespielt zu haben."

Doch trotz dieses Teamgeistes und des unbändigen Willens, mit dem die Hindernisse auf dem Weg zu einem weiteren Jahr Bundesliga überwunden wurden, ist der Akku jetzt bei allen Beteiligten leer. "Diese Saison hat emotional und physisch sehr viel Kraft gekostet. Wir brauchen alle dringend eine Pause", meinte Wandschneider. Dass die bis zum Trainingsauftakt am 22. Juli eigentlich zu kurz ausfällt, liegt auch daran, dass die dann unter dem Namen Dormagener HC Rheinland firmierende Mannschaft fünf neue Spieler integrieren muss.

Schon klar sind die Neuzugänge Jan-Olaf Immel und Daniel Wernig von der HSG Frankfurt sowie die beiden isländischen Nationalspieler Sigurbergur Sveinsson und Arni Thor Sigtryggson. Dringend gesucht wird noch ein Mittelmann. "Wir stehen in Verhandlungen. Ich hoffe, dass bald eine positive Entscheidung fällt", erklärte Wandschneider. Dann könnte auch er endgültig ausspannen.

(NGZ)