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Korschenbroich: Kirchenchor fühlt sich ins Abseits gestellt

Korschenbroich : Kirchenchor fühlt sich ins Abseits gestellt

Keine Proben mehr und zu wenige Festgottesdienste im Stadtteil: Der Dionysius-Chor sorgt sich um seine Zukunft. Kritik übt er auch an GdG-Kantor Martin Sonnen. Der wiederum fordert Kooperationsbereitschaft.

Jürgen Splinter will kein Gift in der Diskussion. "Es geht uns nicht um Schuldzuweisungen", sagt der Sprecher des Kleinenbroicher Kirchenchores St. Dionysius. Dennoch: Die Klagen, die er vorbringt, sind deutlich — und sie richten sich auch an GdG-Kantor Martin Sonnen.

Der Mittwoch als Probentag des Dionysius-Chores sei gestrichen worden, kein Festgottesdienst werde mehr in Kleinenbroich abgehalten, das Frühlingskonzert sei ebenso abgesagt worden wie das traditionelle Adventssingen. Sogar das Cäcilienfest sei im Plan nicht mehr vorgesehen. "Wie sollen wir Mitglieder gewinnen, wenn in Kleinenbroich nicht mehr gesungen wird?", fragt Splinter.

Mehr als 30 aktive Mitglieder habe der Kleinenbroicher Chor vor einem Jahr umfasst, heute wären es nur noch 15. "Das ist eine Entwicklung", sagt Splinter, "die alle Chöre trifft. Es mangelt an Nachwuchs." Er fordert vom Kantor, "über den Tellerrand hinauszuschauen". Der Tellerrand in diesem Fall ist: Alt-Korschenbroich.

"Warum", so der Chorsprecher, "finden alle Festgottesdienste in Korschenbroich statt? Warum kann man nicht turnusmäßig Pfingsten, Ostern oder Weihnachten auch mal in den anderen Stadtteilen mit einer Messe feiern?" Maria Nilgen, die Vorsitzende des Chores, ist ebenfalls besorgt. "Ich bin seit 50 Jahren Chor-Sängerin mit Leib und Seele", sagt Nilgen. "Wir wollen Herrn Sonnen keine Schuld zuweisen, aber die Entwicklung besorgt uns zutiefst. Alles wird nach Korschenbroich verlegt."

Am Gründonnerstag, an Fronleichnam, beim Pfarr- und Schützenfest und an Allerheiligen gebe es Festgottesdienste mit Chor-Begleitung in Kleinenbroich, verteidigt sich Martin Sonnen. Ein wenig genervt reagiert der Kantor auf den Vorstoß. "Wir haben Diskussionen bis in die Nacht geführt", berichtet Sonnen. "Ich habe versucht, ihnen entgegenzukommen. Immer wieder wurde alles infrage gestellt." Alleine sei der Chor nicht singfähig. "Wenn er auf seiner Eigenständigkeit beharrt, geht er kaputt", warnt Sonnen.

Insbesondere aus zwei Gründen sei der Mittwoch als Probentag gestrichen worden: Das Pfarrheim in Kleinenbroich sei "nicht tief" genug, die Akustik daher schlecht. Darüber hinaus sei es normal, dass der Kantor seinen freien Tag zeitgleich mit dem Pfarrer nehme. "Die Probleme haben ihre Wurzeln vor meiner Amtszeit", sagt der 32-Jährige, der im vorigen Jahr seinen Dienst antrat. Zudem sei die Frage des Verzichts kein exklusives Kleinenbroicher Problem. "Alle Chöre mussten etwas drangeben."

"Wir wollen das Tischtuch nicht zerschneiden", sagt Jürgen Splinter. "Wir proben ja in Korschenbroich. Allerdings machen wir uns große Sorgen." Um den Zusammenhalt zu stärken, wird es nun an jedem ersten Mittwoch im Monat einen Stammtisch des Dionysius-Chores geben.

(NGZ/rl/url)