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Korschenbroich: „Kinderschutz geht alle an“

Korschenbroich : „Kinderschutz geht alle an“

Korschenbroich Kindesmisshandlungen - unverstellbar und grausam: Nichtsdestotrotz gehören diese erschütternden Nachrichten mittlerweile zum Alltag in Deutschland. "Diese Fälle gibt es auch bei uns", weiß Kreisjugendamtsleiter Norbert Dierselhuis. "Wer glaubt, wir haben in unserer ländlich strukturierten Gegend nur heile Welt, der irrt gewaltig."

Korschenbroich Kindesmisshandlungen - unverstellbar und grausam: Nichtsdestotrotz gehören diese erschütternden Nachrichten mittlerweile zum Alltag in Deutschland. "Diese Fälle gibt es auch bei uns", weiß Kreisjugendamtsleiter Norbert Dierselhuis. "Wer glaubt, wir haben in unserer ländlich strukturierten Gegend nur heile Welt, der irrt gewaltig."

Für Norbert Dierselhuis und seinen Stellvertreter Peter Annacker haben die Vorgänge, in denen das Kindeswohl gefährdetet ist, "höchste Priorität". "Wir gehen jedem Hinweis, jeder Mitteilung nach", versicherte dann auch Tillmann Lonnes als zuständiger Dezernent beim Rhein-Kreis.

Und genau hier setzt die aktuelle Aufklärungskampagne des Kreisjugendamtes an. "Kinderschutz geht uns alle an", lautet der eindringliche Slogan, mit dem sich Tillmann Lonnes an die Einwohner der Stadt Korschenbroich und der Gemeinden Jüchen und Rommerskirchen als Einzugsbereich des Kreisjugendamtes wendet.

"Wir können die Menschen nicht oft genug dazu aufrufen, genau hinzuschauen und uns als zuständiges Kreisjugendamt mit Sitz in Korschenbroich einzuschalten oder aber direkt die Polizei zu informieren", spricht Dierselhuis die aktuelle Situation an. "Die Menschen müssen sensibilisiert werden. Ohne aufmerksame Nachbarn, können wir nicht aktiv werden, können wir Kindern und Jugendlichen in Ausnahmesituationen nicht helfen."

Warum das Kreisjugendamt ausgerechnet jetzt einen neuen Flyer zum Thema "Kinderschutz - Helfen Sie mit" veröffentlicht, hat einen traurigen Hintergrund. "Der Zeitpunkt ist nicht wahllos gewählt. Wir werden zunehmend mehr gefordert", so Dierselhuis.

Damit will er nicht sagen, dass sich die Fallzahlen generell erhöht haben, "vielleicht ist das Umfeld auch aufmerksamer geworden". Allerdings waren die aktuellen Fälle so schwerwiegend, dass das Kreisjugendamt jetzt mit der Aufklärungskampagne reagiert. So wurden beispielsweise in diesem Frühjahr zwei ausländische Mädchen - elf und 14 Jahre alt - aus einem Bordell geholt.

Durch den Hinweis einer Hausbewohnerin, des schnellen, umsichtigen Vorgehens des Kreisjugendamtes und der ärztlichen Kunst konnte beispielsweise ein zehn Wochen alter Säugling gerettet werden. "Das Kind drohte zu verhungern, war völlig unterernährt und hatte einen Blähbauch, wie wir ihn eigentlich nur aus der Ditten Welt kennen", skizzierte Dierselhuis zwei von bislang elf aktuellen Fällen.

Im Vorjahr befasste sich das Kreisjugendamt in Korschenbroich allein mit rund 50 Fällen, in denen das Kindeswohl gefährdet war. 20 der Jungen und Mädchen wurden in Heimen beziehungsweise Pflegefamilien untergebracht. Insgesamt spricht Dierselhuis von rund 150 Vorgängen in 2006. "Unsere Aufgabe ist es, stets eine Stabilisierung der Familie zu erreichen", formuliert Tillmann Lonnes das Ziel.

Fest eingebunden in die Risikoabschätzung sind jetzt auch die Kindergärten in Korschenbroich, Jüchen und Rommerskirchen. "Wir haben die Form der Zusammenarbeit mit den Kommunen vertraglich geregelt", so Lonnes weiter. Bei einer fast 100-prozentigen Kindergarten-Abdeckung sei dies schon eine gute Kontrolle.

Am Dienstag in der NGZ: Zur Sache Kinder Stärken

(NGZ)