Korschenbroich : Kinder entdecken die Manege

Sich was trauen, Talente erkennen und Erfolgserlebnisse genießen: "Starke Kids in der Manege", ein Projekt des Kreisjugendamtes und des Kreissportbundes, ist jetzt in Glehn angelaufen. 160 Kinder machen begeistert mit.

Wenn Bezirksjugendpfleger Reinhard Giese morgens in einem Glehner Supermarkt Lebensmittelspenden abholt, wird er mittlerweile schon erwartet. Für ihn ist das mehr als eine Geste: "Starke Kids in der Manege" lebt von der Begeisterung und der Unterstützung Vieler. Geschäftsleute fördern das Projekt ebenso wie Sportvereine, die Jugendfreizeiteinrichtung "SinnFlut" oder die Mitarbeiter der Ogata. Von ganz zentraler Bedeutung für das Gelingen sind jedoch die Eheleute Simone und Niklas Lagrin vom "Zirkus Regenbogen NRW", die den Kids mit viel Einfühlungsvermögen kleine Kunststücke beibringen.

Sharon Lagrin traut sich hoch hinaus. Foto: Baum

"Angst ist nur ein Wort", lautet die Botschaft von Niklas Lagrine. Der 37-Jährige, der ebenso wie seine Frau aus einer Zirkusfamilie stammt, hat in Glehn aufmerksame Zuhörer. Die lässt er im Chor aufsagen "Nie mit Feuer spielen". Aber unter fachkundiger Anleitung ist das erlaubt. Kaum ein Kind, das nicht ein wenig Angst verspürt, wenn eine Flamme seinen Arm "streichelt" — ohne dass es wehtut. Das ist genau der pädagogische Effekt, den Reinhard Giese und Andreas Bendt vom Kreisjugendamt so schätzen: "Die Erfahrung, sich zu etwas durchgerungen zu haben, etwas geschafft zu haben."

Im Zirkuszelt auf der Glehner Sportanlage hat Simone Lagrin (35) zur selben Zeit alle Hände voll zu tun. Sie gibt Hilfestellung, wenn die kleinen Artisten in rund 70 Zentimetern Höhe auf einem Seil balancieren oder sich in Luftakrobatik für Anfänger üben. Ist es wirklich so schlecht bestellt um die Körperbeherrschung der Kinder? "Die Kids werden tatsächlich immer steifer, haben immer weniger Körperspannung", hat Lagrin festgestellt. In Glehn hat sie aber gesehen, dass es auch sportliche Kinder gibt.

Norbert Jurczyk vom SV Glehn hatte nicht lange überlegen müssen, als es um eine mögliche Unterstützung durch seinen Verein ging: "Wir haben ein gemeinsames Interesse, nämlich die Motorik der Kids zu verbessern." Der SV stellt unter anderem einen Pavillon zur Verfügung, an dem Marco Turski, ein Ehrenamtler der "SinnFlut" gratis Wasser ausschenkt, das die Kreiswasserwerke zur Verfügung stellen.

Dass die Kinder Armbänder in unterschiedlichen Farben tragen, hat einen guten Grund: Jede Farbe steht für eine bestimmte Gruppe. So schnuppern zunächst einmal alle Kids in alle Gruppen rein, egal, ob Akrobatik, Artistik, Jonglage oder Clownerie. Heute muss jedes Kind entscheiden, in welcher Gruppe es seine Kenntnisse vertiefen möchte.

Am Samstag werden die jungen Zirkusleute um 14.30 Uhr und um 16.30 Uhr zeigen, was sie gelernt haben. Bereits für heute, 19 Uhr, laden die Akteure ins Zirkuszelt am Sportpark zu einer anspruchsvollen Gala-Aufführung ein.

(NGZ)