Jüchen : Karneval auf Sparflamme

Fußgruppen statt Großwagen beim Zug in Garzweiler, nur noch Gefährte ohne Mitfahrer in Gierath-Gubberath und keine Groß-Sitzung mehr bei den "Holzköpp" in Holz: Warum der Karneval in Jüchen schrumpft.

Die Karnevalsumzüge in Garzweiler und in Gierath-Gubberath werden in diesem Jahr kleiner ausfallen: Während der Elferrat Garzweiler komplett auf Wagen verzichtet und mit Fußgruppen zieht, will die Karnevalsgesellschaft (KG) Gierath-Gubberath nur noch Anhänger für Wurfmaterial rollen lassen.

"Das wird ein Zug wie vor 30 Jahren werden. Ich bin froh, dass uns die Aktiven als Fußgruppe die Treue halten", meint Elferrats-Chef Albert Schiffer. — "Unser Umzug wird natürlich weniger bunt. Aber kleine Vereine können die Vorschriften einfach nicht erfüllen", sagt Heike Swittay, Kassiererin der KG. Ein weiterer Publikumsmagnet, der in diesem Jahr fehlt: die Sitzung der KG Holzköpp, die mit bekannten Namen wie Andreas Martin, Geier Sturzflug oder Matze Knop lockte.

Bereits im Herbst 2010 hatte der Elferrat Garzweiler den Verzicht auf Großwagen beim Umzug beschlossen. Hintergrund waren die neuen Vorschriften, die Straßenverkehrsamt und TÜV den Wagenbauern aus Sicherheitsgründen auferlegten. So müssen Gefährte, die Menschen transportieren, künftig mit eingebauten Sitzplätzen und Treppen ausgerüstet sein. Zudem ist für jeden Karnevalswagen ein TÜV-Gutachten vorzulegen — Kostenpunkt: zwischen hundert und 200 Euro. Albert Schiffer ist mit Heike Schwittay einig: "Das können wir nicht finanzieren."

Ein Problem des Wagenverzichts: "Wir wissen noch nicht, wie wir jetzt das Wurfmaterial transportieren werden", sagt Albert Schiffer. Zudem müsse die Karnevalisten überlegen, wie sie für Musik sorgen werden: "Wir wollen schließlich keinen Trauerzug", sagt der Elferrats-Chef aus Garzweiler.

Wer bisher im Holzer Festzelt Karneval gefeiert hat, wird in diesem Jahr nach einer anderen Party-Adresse suchen müssen: Frank Coumanns, Präsident der Karnevalsgesellschaft Holzköpp, kündigte gegenüber unserer Zeitung an, "ein Jahr Pause einlegen" zu wollen. Dass es Streit im Vorstand gegeben habe, dazu wollte sich Coumanns gestern nicht äußern.

Ob die Besucher der Holzer Sitzung alternativ in Gierath-Gubberath oder Garzweiler feiern werden? "Das wäre schön", sagt Rolf Schwittay, Präsident der KG Gierath-Gubberath. Rund 500 Menschen besuchten sowohl Gala- als auch Kindersitzung. "Aber wir haben noch Platz." — "Ich glaube nicht, dass wir eine Alternative zur Holzer Sitzung sind. Wir bieten keine großen Namen, sondern hausgemachtes Brauchtum", meint Albert Schiffer.

(NGZ/rl)