Lehrgang des Unsui-Dojo der TG Karate baut Brücken zwischen Japan und Neuss

Neuss · Zum dritten Mal richtete das Unsui-Dojo der TG Neuss einen internationalen Lehrgang aus. Zuvor hatte es einen Besuch in Okinawa gegeben.

Einige Teilnehmer legten erfolgreich ihre Prüfungen zum schwarzen Gürtel ab.

Einige Teilnehmer legten erfolgreich ihre Prüfungen zum schwarzen Gürtel ab.

Foto: Raphael Schlimbach

Karateka aus Spanien, Slowenien, England, Japan und aus ganz Deutschland haben sich mal wieder in der Elmar-Frings-Sporthalle versammelt. Sie nahmen dort am bereits dritten internationalen Gasshuku-Lehrgang der Karateabteilung der TG Neuss, dem Unsui-Dojo, teil. Zu Gast war nicht nur der japanische Großmeister Akihito Yagi aus Okinawa, sondern auch die japanische Generalkonsulin von Düsseldorf, Setsuko Kawahara, sowie der Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings (CDU).

Zur Eröffnung richtete Kawahara herzliche Worte an den Leiter des Unsui-Dojo, Simo Tolo: „Ich kann mir vorstellen, wie viel Mühe und Zeit es gekostet hat, diese Veranstaltung zu organisieren. Mein Dank und meine Anerkennung gelten dem Unsui-Dojo.“ Sie freue sich, dass der Tag genutzt werde, um japanische Kampfkunst und Kultur mitten in Europa sichtbar zu machen. Mit Sportveranstaltungen wie diesen könne man zwischen Ländern Brücken bauen. Bei dieser Gelegenheit Großmeister Yagi zu treffen, sei für die Diplomatin eine große Ehre. Jörg Geerlings verlieh als Vorstandsvertreter der TG Neuss und stellvertretender Bürgermeister die goldene Ehrennadel der TG Neuss für jahrzehntelanges Engagement an Simo Tolo.

Anschließend nutzten die Sportler über rund sechs Stunden in mehreren Trainingseinheiten die Gelegenheit, um unter den Anweisungen der Neusser Trainer Simo Tolo und Martin Kudzia sowie des Japaners Akihito Yagi traditionelle, aber auch moderne Ansätze des Karate zu üben. Einer von ihnen war Alberto aus Spanien. Der junge Mann war schon zum zweiten Mal mit seinen Freunden aus Palma de Mallorca angereist, um am Gasshuku teilzunehmen. „Hier kann man viel lernen. Das ist wie bei einem Kuchen, bei dem man sich die besten Stücke aussucht“, erklärte er. Die weite Reise nehme er gerne auf sich, um persönlich mit Meister Yagi zu trainieren, aber auch wegen der vielen netten Menschen und der praktischen Karate-Ansätze, die in Neuss unterrichtet würden.

Der Neusser Simo Tolo (Mitte) besuchte das Dojo von Großmeister Akihito Yagi (rechts) in Okinawa.

Der Neusser Simo Tolo (Mitte) besuchte das Dojo von Großmeister Akihito Yagi (rechts) in Okinawa.

Foto: Brigitte Tolo

Für Sensei Yagi war der mittlerweile dritte Besuch bei der TG mehr als eine sportliche Dienstreise: „Es geht um mehr als Karate. Simo und ich sind Freunde geworden, mehr schon Familie“, erzählte der Japaner. Es begeistere ihn jedes Mal, zu sehen, wie viele Sportler aus Europa in Neuss zusammenkämen und mit welcher Begeisterung sie die verschiedenen Stile ihrer Karateschulen zusammenbrächten. Auch die sehr praktischen Ansätze der Neusser, etwa mit dem Projekt „Defend Yourself using Karate“ seien ein großer Gewinn für den Sport.

Yagis Besuch in Deutschland war eine Reise der Neusser Karateka nach Okinawa vorausgegangen. Ende Oktober waren Tolo, seine Ehefrau Brigitte und einige ihrer Schüler in die Heimat des Karate im Süden Japans gereist. „Wir haben wirklich intensiv trainiert, in den zwei Wochen beinahe täglich“, so der Neusser Trainer. In der Heimat der Kampfkunst zu trainieren, die er seit über 40 Jahren ausübe, sei ein wahnsinniges Gefühl. Beim „Okinawa Karate Day“ wurden die Neusser sogar eingeladen, auf der Straße mit etwa 2000 Karateka öffentlich ihre Kunst vorzuführen. Allgemein würden die Japaner etwas härter trainieren als die Deutschen: „Die Japaner stählen den Körper, es geht viel um Abhärtung.“ Karate habe bei denen, die es in Japan und besonders in Okinawa ausüben, außerdem einen anderen Stellenwert als in Deutschland: „Die nehmen das, glaube ich, ernster. Es gibt Leute, die trainieren das als Hobby, aus Spaß, was ja auch okay ist. Und dann gibt es dort vor allem Leute die Leben Karate.“

Den Abschluss des langen Karatetages bei der TG bildeten nationale Prüfungen zum schwarzen Gürtel unter offizieller Aufsicht des Deutschen Karateverbands. Jüngster Prüfling war mit 16 Jahren Jan aus Neuss, der selbst beim Unsui-Dojo trainiert. Er habe schon im Alter von zwei Jahren mit Bonsai-Karate für die ganz Kleinen angefangen. „Nach so langer Zeit und nach einem Jahr intensiver Vorbereitung fehlen mir jetzt die Worte“, erzählt der Schüler, als er am Ende einer harten Prüfung aus Technikschule und Zweikampf seinen schwarzen Gürtel in Händen hält. Ans Aufhören denke er noch lange nicht: „Das tolle an Karate ist ja, dass man es ewig machen kann und ich werde sicher trainieren, bis es nicht mehr geht.“ Ans Aufhören denken auch die deutsch-japanischen Trainerfreunde Yagi und Tolo nicht. Der nächste internationale Lehrgang ist schon in Planung.

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