Korschenbroich : Kaplan auf Heimaturlaub

Alle zwei Jahre besucht Pater Anton "Toni" Buchkremer aus Scherfhausen seine Heimat. Seit 1962 lebt der Spiritaner-Missionar inzwischen im Ausland. Seit 1991 arbeitet er als Kaplan in Brasilien.

Eigentlich war er ja in den vergangenen Wochen auf Heimaturlaub in Scherfhausen, doch übermäßig gerastet hat Pater Toni Buchkremer dann doch nicht. "Ich habe öfter in Glehn zelebriert und habe es gern getan", berichtet er mit Blick auf die Unterstützung, die er Pfarrer Michael Tewes in den zurückliegenden Wochen geleistet hat. Auch wenn St. Pankratius die Heimatgemeinde des gebürtigen Scherfhauseners ist, musste er die Feststellung machen, dass "man viele Leute nicht mehr kennt, es sei denn solche aus der älteren Generation".

Viele Freunde sind geblieben

Seit Anfang 1975 lebt der Spiritaner-Pater mittlerweile in Brasilien. Alle zwei Jahre macht der 80-Jährige in Scherfhausen Urlaub — jedes Jahr für einen Monat die große Reise von Brasilien aus anzutreten, wäre allzu stressig. Von seinen sieben Brüdern leben noch sechs. Toni Buchkremer wohnt bei seinen Heimatbesuchen nach dem Tod seines Bruders Werner in seinem Elternhaus bei seiner Schwägerin Margret. Neben dem familiären Kontakt sind auch "viele gute Beziehungen und Freundschaften aus der Schul- und Gymnasialzeit vorhanden", sagt er.

Besonders gefreut hat es Buchkremer daher, gemeinsam mit ehemaligen Mitschülern am Quirinus-Gymnasium den 60. Jahrestags des Abiturs feiern zu können. In die Wiedersehensfreude mischte sich aber auch Wehmut: Von den 30 Abiturienten des Jahrgangs 1951 sind inzwischen dreizehn verstorben. Von den neun Mitschülern, die wie Toni Buchkremer Theologie studierten, leben nur noch drei.

Der frühere Leiter der Spiritaner in Brasilien wirkt seit 1991 in Salete. Dort ist er zuständig für 14 kleine Gemeinden, die sich über eine Distanz von zwölf Kilometern erstrecken — "wobei freilich nur die wichtigsten Straßen asphaltiert sind", wie der Geistliche sagt. Die Probleme der katholischen Kirche dort sind mit denen in Europa durchaus vergleichbar. Während "in Afrika die Seminare überlaufen", leidet auch die brasilianische Kirche an Priestermangel. Zudem sei auch die Jugend vielfach nicht mehr zu erreichen, die bloße Orientierung am Konsum sei sehr hoch.

Den liebsten Zeitvertreib, den sich Toni Buchkremer in Salete gönnt, sind ausgedehnte Aufenthalte im Garten. "So viel frische Luft wie möglich, auch bei Wind und Wetter", lautet seine Devise. Womit sich in gewisser Hinsicht der Kreis zu Kindheit und Jugend schließt: denn eigentlich ist Toni Buchkremer fast ein gelernter Gärtner, hat ihn doch sein Vater damals als Abiturienten und angehenden Studenten in der heimischen Gärtnerei ordentlich auf Trab gehalten — bis der Sohn dem Vater deutlich machen musste, "eine andere Aufgabe zu haben".

(NGZ)