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Kanuslalom: Der WSC Bayer Dormagen wurde vor 70 Jahren gegründet

Wildwasser : Eine starke Bastion des Kanusports

Schon seit 70 Jahren trotzt der WSC Bayer Dormagen mit seinen Slalom-Kanuten dem Wildwasser. Eine Erfolgsgeschichte, die nur möglich ist, weil es treue Seelen wie Theo Nüsing gibt, die es gewohnt sind, sich für andere Menschen einzusetzen.    

Nach 70 gemeinsamen Ehejahren feiern Paare ein ganz besonderes Hochzeitsjubiläum – die Gnadenhochzeit, auch unter Platin- oder Kupferhochzeit bekannt. Treue ist auch beim am 8. Juli 1950 unter dem Vorsitz von Heinz Overzier aus einer damals noch losen Gemeinschaft von Wassersportlern gegründeten WSC Bayer Dormagen (bis Ende der 1960er-Jahre Grün-Weiß Dormagen) ein großes Thema. Ungezählt sei die Schar deren, die im Verein „das Paddeln gelernt und sich an dem schönen Sport in der Natur erfreut haben“, holt die beim WSC seit einer gefühlten Ewigkeit für die Pressearbeit zuständige Ehrenamtlerin Elsbeth Faber aus: „Viele haben in der Gemeinschaft ein Zuhause gefunden und sind hier im wahrsten Sinne des Wortes groß geworden – sei es sportlich, physisch oder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.“

Darum ist es irgendwie logisch, dass der Sportler, an dessen Vita entlang sich die Erfolgsgeschichte des WSC in geradezu vortrefflicher Weise erzählen lässt, ebenfalls vor 70 Jahren das Licht der Welt erblickte. Als Theo Nüsing, damals ebenso stolzer wie frischgebackener Besitzer eines mit dem ersten ersparten Geld gekauften Paddels, mit 14 Jahren an Bord kam, hatte der Klub, der zu Beginn einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig erhob, allerdings schon einige wichtige Entwicklungsschritte getan: Der Umzug vom Gasthof Schnorrenberg ins 1962 fertiggestellte vereinseigene Bootshaus auf dem gepachteten Gelände an den Zonser Rheinauen war ein erster Meilenstein. Noch bedeutender war freilich die Entscheidung, sich unter Führung von Hans-Peter Köpping und Hartmut Weinberger dem Wettkampfsport zu öffnen, quasi die Geburtsstunde des mittlerweile legendären Zweier-Canadiers (C II). Kurzerhand stieg in Jakob Hitz nämlich ein etwas älterer und als Athlet erfahrenerer Junge aus der Nachbarschaft zu Theo Nüsing ins Boot. Eine perfekte Verbindung, die dem WSC unter anderem Platz zwei bei den Weltmeisterschaften 1971 in Meran/Südtirol bescherte. Ein Jahr später fuhren die Freunde bei den Olympischen Spielen in München auf Rang neun. Die Erinnerung daran bringen Nüsings Augen noch heute zum Glänzen: „Ein einmaliges Erlebnis, das ich nie vergessen werde.“

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Ihre Erfolge öffneten Türen für andere. Bereits Ende der 1960er-Jahre hatte der WSC damit begonnen, auf der Erft in Wevelinghoven bundesoffene Rennen auszurichten, wurde zum Bundesstützpunkt erhoben mit dem auch international geschätzten Hans-Peter Köpping als Bundeskadertrainer. Die Wildwasser-Slalomkanuten aus Dormagen waren endgültig in der Weltklasse angekommen: 1979 Gold für Dieter Welsink und Peter Czupryna im Zweier-Canadier, 1996 Olympia-Bronze für Thomas Becker im Einer-Kajak, noch im selben Jahr der EM-Titel im Zweier-Canadier für Rüdiger Hübbers und Udo Raumann, 1997 Platz eins im Kajak für Thomas Becker bei den Weltmeisterschaften, 2007 Vizeweltmeisterschaft für Lukas Hoffmann im Einer-Canadier.

Und Theo Nüsing? Der machte sich nach dem Ende seiner Karriere als Leistungssportler gemeinsam mit dem seit mehr als zwei Jahrzehnten im Amt befindlichen Vorsitzenden Jürgen Münchow daran, den eigenen Nachwuchs zu fördern. Er erinnert sich auch noch an die schwierigen Zeiten Ende der 1980er-Jahre, „als wir ein richtiges Tief hatten. Da habe ich die Kinder schon auf der Straße angesprochen.“ Ob als Übungsleiter, Trainer, Jugend- oder Sportwart, durch persönliches Engagement und soziale Kompetenz gelang es ihm, sowohl Kinder und Jugendliche als auch deren Eltern und sogar Großeltern zu begeistern und für die gute Sache zu gewinnen.. Er begleitete sie beim Training, zu Wettkämpfen im In- und Ausland und auf vielen Trainingslagern, wo er, der Unterstützung seiner Frau Christine stets gewiss, mitunter sogar als Koch, Bootstechniker und Seelentröster einsprang. Ehrenamtliche Arbeit, die 2010 mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland eine angemessene Würdigung fand. An seiner Seite mittlerweile auch wieder Jakob Hitz. Gemeinsam entwickeln sie neue Pläne, wie etwa eine Toranlage am Rhein.

Der WSC ist gerade mit hoher Intensität dabei, sich für die kommenden Jahre aufzustellen. Die größte und wichtigste Vision ist die Wildwasserstrecke am Straberger See. „Die sichert die Zukunft des Wettkampfsports im Kanuslalom und Kanu-Freestyle“, weiß Elsbeth Faber. „Wir arbeiten daran, dass die vielen jungen Nachwuchssportler und -sportlerinnen, die jedes Jahr zu uns kommen, eine Zukunft im Verein und im Sport haben.“