Kanusport Der großen Enttäuschung entschlossen getrotzt

Holzheim · Obwohl zunächst gar nicht für den Kader der Junioren-Nationalmannschaft nominiert, fährt Lukas Drossart bei den Europameisterschaften im Kanu auf Rang drei.

 Im Endspurt zur Bronzemedaille: Lukas Drossart.

Im Endspurt zur Bronzemedaille: Lukas Drossart.

Foto: Paavo Schewe

Unverhofft kommt oft. Mit dem Thema Junioren-Nationalmannschaft war Lukas Drossart eigentlich für diese Saison durch. Nach einem Winter voller Rückschläge, geprägt von nagenden Schulterschmerzen und Krankheiten, schienen mit der im April knapp verpassten Nominierung für den Kader des Deutschen Kanuverbandes (DKV) Auftritte bei Welt- und Europameisterschaften erstmal passé für den 17-Jährigen.

Doch Lukas Drossart blieb dran, trainierte eisern weiter für das neue Ziel, sich mit guten Ergebnissen bei den Westdeutschen und Deutschen Meisterschaften abermals das Ticket für die Olympic Hopes Regatta zu sichern. Im polnischen Posen war der Kajakfahrer der Holzheimer SG im vergangenen Herbst noch als Jugendlicher in die Weltspitze seiner Altersklasse gefahren. Und dann kam alles ganz anders. Der DKV nahm den am Nelly-Sachs-Gymnasium unterrichteten Schüler plötzlich mit zur Junioren-EM in der slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Nur anderthalb Wochen nach Erhalt der frohen Kunde Anfang Juni startete am Bundesleistungsstützpunkt in Duisburg der 14-tägige Vorbereitungslehrgang. Hier fasste das Toptalent auch den Entschluss, sich bei den kontinentalen Titelkämpfen im Kajak-Einer der Junioren über die Distanz von 1000 Metern der internationalen Konkurrenz zu stellen. „Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass er als jüngerer Jahrgang gegen die besten europäischen 17- und 18-Jährigen antritt“, befand Henrik Dossart, der die sportliche Karriere seines Bruder seit der Coronakrise auch als Trainer begleitet. Hinterher stellte er indes restlos überzeugt fest: „Bereits in Duisburg konnte Lukas seinen guten Leistungszustand mehrfach zeigen.“

Genau darum war sein Schützling in Bratislava mit dem im Vorlauf erbrachten Ergebnis gar nicht glücklich – trotz der an diesem Tag fünftschnellsten Zeit und der Qualifikation für den Zwischenlauf. Dort wusste er sich allerdings um drei Sekunden zu steigern und verschaffte sich damit Rückenwind für das mit neun Booten besetzte Finale am Tag darauf.

Und das war gut, denn nach 250 Metern lag Lukas Drossart auf Platz sieben drei Sekunden hinter der Spitze des Feldes zurück. Das von starken Leistungen gespeiste Selbstvertrauen gab ihm die nötige Ruhe, sich die wertvollen Körner bis zur 750-Meter-Marke aufzusparen. Erst dann drehte er richtig auf. In der Rückschau seines Trainers sah das so aus: „Mit 110 Paddelschlägen die Minute und maximalem Druck am Paddel zog Lukas seinen Endspurt an. 200 Meter vor der Ziellinie lag er auf dem fünften Rang. Das Podest war plötzlich in Reichweite. Das schwarze Boot der HSG hatte zu diesem Zeitpunkt die höchste Endgeschwindigkeit. Lukas ließ nicht nach und flog der Ziellinie entgegen. Schlagzahl, Druck, Schmerz und Laktat waren maximal.“

In neuer persönlicher Bestzeit überquerte er schließlich hinter den Rivalen aus Polen und Ungarn als Dritter die Ziellinie. Seine geballte, zum Himmel gestreckte Faust drückte aus, dass er mit dem Triumph die Strapazen des Winters, die Rückschläge auf den Qualifikationswettkämpfen und die ungezählten Trainingsstunden vergessen hatte.