Jupp Breuer (SC Kapellen) starb am Sonntag im Alter von 74 Jahren

Fußball : Ein starkes Herz ruht still, doch unvergessen ...

Josef „Jupp“ Breuer (74), langjähriger Boss des SC Kapellen, ist am vergangenen Sonntag nach schwerer Krankheit verstorben.

Wer ermessen will, was Josef – stets nur ehrfurchts- oder liebevoll „Jupp“ gerufen – Breuer den Menschen im und rund um den selbstironisch „Der Dorfverein“ genannten SC Kapellen bedeutet hat, muss sich nur die offizielle Verabschiedung des Machers mit dem starken Herzen bei der Jahreshauptversammlung im November 2013 in Erinnerung rufen. Kein Pflichtakt, sondern ein hochemotionaler Moment. Peter Kempermann, der den mehr als 700 Mitglieder starken Verein seit dem traurigen Ausstieg Breuers als Vorsitzender sieben Monate zuvor kommissarisch angeführt hatte, bringt die  ganz besondere Stimmung im Vereinslokal Glasmacher auf den Punkt: „Alle waren zutiefst ergriffen. Es gab minutenlange Standing Ovations – und uns allen standen vor Rührung die Tränen in den Augen.“ Am Sonntag ist Jupp Breuer nach schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie mit knapp 75 Jahren friedlich eingeschlafen.

Um die Lebensleistung des unermüdlichen Zupackers wenigstens ansatzweise zu würdigen, hatten ihn in die Mitglieder des SCK 2013 zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Seine aktive Karriere beim Sport-Club von 1911 hatte Breuer 1954 als Zehnjähriger begonnen. Mit dem Aufstieg in die Landesliga 1977 hängte er die Fußballstiefel als 23-Jähriger an den Nagel. Und obwohl er sich kurz zuvor mit der Auto Breuer GmbH selbstständig gemacht hatte, war er im Erftstadion in der Folge unter anderem als Trainer (sogar der Erstvertretung) und 2. Vorsitzender tätig.

Fußballfeste wie das Match der Aufstiegsrunde 1997 gegen den VfL Rhede, als dem SCK unter Trainer Gerd Zewe vor 1500 Zuschauern im Erftstadion nur fünf Minuten bis zur Verbandsliga fehlten, oder der Hit im ARAG-Cup 2003 vor knapp 2500 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf (0:1) sind unvergessene Highlights seines Schaffens.   Seine unumstrittene Führungsrolle wurde 2005 auch nach außen dokumentiert, als ihn die Mitglieder zum 1. Vorsitzenden wählten. Unter seiner Regie avancierte der SCK in jeder Beziehung zur Nummer eins im Fußballkreis 5 Grevenbroich/Neuss. Projekte wie die Flutlichtanlage, Kunstrasenplatz, Erweiterung der Umkleidekabinen und Umbau der Kleinspielfelder sind für alle Zeit untrennbar mit seinem Namen verbunden. „Er hatte eben schon früh erkannt, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, um auf Dauer Erfolg zu haben“, sagt Geschäftsführer Ralf Stübben.

„Großartig auch, was für Trainer er nach Kapellen geholt hat“, findet Jörg Ferber, Sportliche Leiter der aktuellen Landesliga-Truppe, mit Blick auf ehemalige Bundesliga-Kicker wie Horst Poganaz, Heinz Mostert, Gerd Zewe, Frank Schulz, Horst Steffen, unter dem der SCK 2004 endlich den Aufstieg in die Verbandsliga (mittlerweile Oberliga Niederrhein) schaffte, Peter Wynhoff, Sven Schuchardt und Markus Anfang.

Jupp Breuer war immer da, packte selbst mit an scheute auch vor unpopulären Entscheidungen nie zurück – das Wohl des Vereins stand für ihn dabei stets an erster Stelle. Ein mitunter knallharter, aber unbedingt fairer Gesprächspartner. Als ihm gesundheitsbedingt zusehends die Kräfte schwanden, fand er in seiner Familie nicht nur den nötigen Rückhalt, sondern auch umsichtige Bewahrer seines Lebenswerks: Sohn Philip Breuer, der an der Seite von Schwester Elgin Breuer auch das dem SCK stets eng verbundene Autohaus Breuer in Wevelinghoven führt,  übernahm den Vorsitz, Ehepartnerin Almut Breuer das Amt der Schatzmeisterin. Vom SCK wollte er trotzdem nicht lassen, stand dem neuen Vorstand, so gut es eben ging, beratend und unterstützend zur Seite. Auch die Heimspiele ließ er sich bis zum Schluss nicht entgehen. Noch bei der Saisoneröffnung im Sommer fuhr ihn seine Frau mit dem Rollstuhl auf die Anlage.

„Aber in letzter Zeit wurde er nur noch selten im Erftstadion gesehen“, sagt Stübben. „Wer seine Leidenschaft für den Verein kannte, wusste, dass dies kein gutes Zeichen war.“ Die Beerdigung auf dem Kapellener Friedhof soll in aller Stille im Kreise der Familie stattfinden. Aber für Freitag, den 5. April (ab 10.30 Uhr) ist im Erftstadion eine Trauerfeier geplant. Mach et jut, Jupp. Und ruhe in Frieden.

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