Juniorteam des RSV Neuss-Grimlinghausen holt nach WM- auch DM-Titel

Voltigieren : Juniorteam holt nach WM- auch DM-Titel

Bei den in Krumke (Sachsen-Anhalt) ausgetragenen Deutschen Jugendmeisterschaften im Voltigieren kämpft sich der RSV Neuss-Grimlinghausen noch auf Platz eins. Mona Pavetic (16) belegt im Einzelwettbewerb den zweiten Rang.

Montagmittag auf einem Rasthof irgendwo in Niedersachsen. Während sich die Voltigiererinnen des RSV Neuss-Grimlinghausen ein Eis am Stil gönnen und die zur Truckerin umfunktionierte Trainerin und Longenführerin Pauline Riedl den Transporter volltankt, verliert Smarti langsam die Geduld. Der elf Jahre alte Rheinländer will nur noch in seinen Stall auf dem Selikumer Nixhof. „Wir fahren besser weiter, in rund drei Stunden sind wir hoffentlich zu Hause“, sagt Pauline Riedl deshalb.

Auch bei einem Weltmeister ist der Akku irgendwann leer, zumal sich Bela Lehnen, Hannah Kroiß, Meike Kuhlbusch, Yara-Jolie Scheel, Lara Schmitt, Leonie Falkenberg, Sina Struss und Mona Mertens zum Saisonabschluss noch mal einer Herkulesaufgabe gestellt hatten. Im in der Altmark in Sachsen-Anhalt gelegenen Krumke standen am Wochenende nach geschmeidiger Anreise von mehr als sieben Stunden die Deutschen Jugendmeisterschaften im Voltigieren auf dem Programm. Ein neuer Wettbewerb – der gleiche Sieger: Wie schon bei der WM in Ermelo Ende Juli ging der Titel nach Neuss. Business as usual. Eben gerade nicht. „Der Höhepunkt in dieser Saison war für uns natürlich die WM“, sagt Pauline Riedl. „Danach haben wir erstmal zwei Wochen komplett Ferien gemacht, sind über einen Monat keine Turniere gegangen.“ Nicht einfach für die Gruppe und ihren tierischen Partner, die bis dahin fast an jedem Wochenende unter Strom gestanden hatte.

Ganz schön schwierig, sich danach wieder aufzuraffen und ans Limit zu gehen. Das war jedoch nötig, „denn auf den Deutschen ist das Niveau fast höher als auf internationaler Ebene“, erklärt die Trainerin, als Aktive mit der Gruppe selbst Welt- und Europameisterin. Die Pause war ihren Schützlingen in Krumke anzumerken. Riedl: „Alle haben Fehler gemacht, auch das Pferd – dafür trage ich als Longenführerin die Verantwortung.“ Mit Platz drei in der Pflicht sei man darum ganz zufrieden gewesen. Doch schon nach der ersten Kür war der VV Ingelsberg aus Bayern seine Führung los, lag Neuss vorne – trotz einer Bodenberührung und kleiner Wackler. Mit der zweiten Kür zerlegte der RSV die Konkurrenz dann endgültig, triumphierte in der Tageswertung mit 8,44 Punkten vor Ingelsberg (8,137). Ein fast tadelloser Abschluss, dessen Schönheitsfehler eigentlich nur Pauline Riedl gewahr wurden. Sie schloss schmunzelnd: „Die perfekte Kür habe ich bisher noch nicht gesehen.“ Hinter Neuss (7,861) schafften es Ingelsberg (7,743) und Hamburg (7,612) aus Podest.

Edelmetall nahm aus Sachsen-Anhalt auch Mona Pavetic mit. Im Einzelwettbewerb führte die amtierende U18-Weltmeisterin nach der ersten Runde sogar, landete im Endklassement schließlich mit 7,95 Punkten auf Rang zwei. Besser als die 16 Jahre alte Neusserin, deren niederländisches Warmblut Eyecatcher von Alexandra Knauf (VV Köln-Dünnwald) longiert wurde, war in Krumke nur Europameisterin und WM-Vierte Fabienne Nitkowski (Hamminkeln) auf ihren Erfolgspferd Dantez (8,001). Rang drei ging an Paula Waskowiak (VV Volmerdingsen) mit Paint Ball (7,635). Wie hochklassig der Kampf um den nationalen Titel war, zeigt der Blick auf WM-Teilnehmerin Annemie Szemes (Bayern), die als Vierte das Treppchen verpasste.

Mit den Deutschen Meisterschaften ist das so fordernde Sportjahr für die Gruppe des RSV Neuss-Grimlinghausen jetzt tatsächlich zu Ende. Pauline Riedl freut sich wie ihre jungen Schützlinge und Smarti auf „entspannte Tage zu Hause“, wobei gar nichts zu machen, auch keine Option sei. „Da muss man sehr vorsichtig sein, denn wenn ein so beanspruchtes Pferd plötzlich ganz ohne Beschäftigung ist, wird es gerne mal krank. Darum musst du vorsichtig abtrainieren.“ Trotzdem mag sie die eher ruhige Zeit bis zum Jahresende. „Jetzt fängst du schon mal an, neue Übungen für die nächste Saison auszuprobieren – und das ganz ohne Leistungsdruck. Das macht Spaß.“ Bis dahin dürfte auch der gute Smarti seine gute Laune wiedergefunden haben.